{"id":980,"date":"2009-04-20T01:37:55","date_gmt":"2009-04-19T23:37:55","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=980"},"modified":"2026-04-09T11:32:43","modified_gmt":"2026-04-09T09:32:43","slug":"daniel-defoe-robinson-crusoe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/?p=980","title":{"rendered":"Daniel Defoe \u00bbRobinson Crusoe\u00ab"},"content":{"rendered":"<p class=\"titelbild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.arminaugustalexander.de\/wp-content\/gallery\/logos\/inter.jpg\" alt=\"Interpretationen\" \/><\/p>\n<p>Robinson Crusoe Sohn eines Kaufmanns w\u00fcnscht nichts sehnlicher als zur See zu fahren. Obwohl die Eltern ihm das verbieten, rei\u00dft er von zu Hause aus und nutzt die sich bietende Gelegenheit auf einem Schiff mitzufahren. Kaum hat das Schiff abgelegt, ger\u00e4t es bereits in einen Sturm. Obwohl sie auf einem Flu\u00df fahren, nimmt Robinson das Unwetter derart mit, da\u00df ihn f\u00fcr den Augenblick die Seefahrt verleidet zu sein scheint. <!--more-->Doch als er in London ankommt, ist jeder gute Vorsatz vergessen und er nimmt die n\u00e4chste sich bietende M\u00f6glichkeit einer Seereise wahr. Diese wird ein Erfolg und bringt ihm Geld und nautische Kenntnisse ein. Bei der darauffolgenden Fahrt wird er gemeinsam mit der Mannschaft von einem Piratenschiff gefangen genommen und auf einem nordafrikanischen Sklavenmarkt verkauft. \u00dcber zwei Jahre Robinson in Sklavendiensten bevor ihm die Flucht mit einem Boot in Begleitung eines Negersklaven gelingt. Sie segeln an der afrikanischen K\u00fcste entlang und werden nach einer tagelangen Irrfahrt von einem brasilianischen Handelsschiff aufgenommen. Nach der Ankunft in Brasilien versucht Robinson sein Gl\u00fcck als Pflanzer ist, womit er sehr erfolgreich ist. Eigentlich k\u00f6nnte er sein Leben in Ruhe und in Reichtum beschlie\u00dfen, doch die ihm eigene Unbest\u00e4ndigkeit l\u00e4\u00dft ihn ohne Not erneut zur See fahren. Auf dieser Fahrt widerf\u00e4hrt ihm sein schwerster Schiffbruch, der ihn f\u00fcr 35 Jahre auf einer einsamen Insel festhalten wird. Dort lernt er eine Behausung zu errichten, Wildtiere zu domestizieren, Ackerbau zu betreiben. Jahre der Einsamkeit und der Arbeit vergehen bis er entdecken mu\u00df, da\u00df seine Insel in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden von einem Kannibalenstamm aufgesucht, die hier ihre Gefangen in einem Ritual t\u00f6ten und verspeisen. Robinson wird Zeuge eines ihrer Rituale, dabei greift er entgegen seiner Prinzipien m\u00f6glichst kein Lebenszeichen von sich zu geben ein und befreit einen der Gefangen, dem er den Namen Freitag gibt. Freitag erweist sich als gelehrig und treu ergeben. Eines Tages wird eine Gruppe Seeleute, Opfer einer Meuterei, auf der Insel ausgesetzt. Robinson verb\u00fcndet sich mit ihnen unter der Bedingung, da\u00df er nach erfolgter R\u00fcckeroberung nach England zur\u00fcckgebracht wird. Es gelingt, die Meuterer zu \u00fcberw\u00e4ltigen und einen Teil auf die eigene Seite zu ziehen. Robinson, der sich selbst als Gouverneur der Insel sieht, f\u00e4hrt in Freitags Begleitung mit dem Schiff nach England zur\u00fcck. Ein Teil der bekehrten Meuterer bleibt auf der Insel zur\u00fcck. Nach seiner Ankunft in England f\u00fchlt Robinson sich wie ein Fremder. Aus gesch\u00e4ftlichen Gr\u00fcnden reist er nach Lissabon. Nachdem er diese erledigt hat, beschlie\u00dft er auf Grund seiner Erfahrungen auf See auf dem Landweg nach England zur\u00fcckzukehren. Eine Reise, die alles andere als ruhig verl\u00e4uft. In den verschneiten Pyren\u00e4en werden die Reisenden von einer Horde hungriger W\u00f6lfe angegriffen und m\u00fcssen sich eines wilden B\u00e4ren erwehren. Wieder zur\u00fcck in England wird Robinson se\u00dfhaft und heiratet. Plant aber eine R\u00fcckkehr zu seiner Insel.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Daniel Defoe (urspr\u00fcnglich Daniel Foe, erst sp\u00e4ter \u00e4nderte er den Namen in Defoe) schrieb den 1712 erschienen Roman, zugleich sein erster, der auf Anhieb ein gro\u00dfer Erfolg wurde und bis heute den Urtyp des Abenteuerromans darstellt, im Alter von sechzig Jahren. Zuvor war er Kaufmann und Journalist w\u00e4hrend einer sehr bewegten Epoche der englischen Geschichte. Urspr\u00fcnglich wollte er Priester werden, verwarf das Vorhaben aber bereits fr\u00fch. Ein gewisser missionarischer Eifer scheint er jedoch Zeit seines Lebens behalten zu haben, denn unter anderem versucht sein Robinson Freitag erfolgreich von seinem heidnischen Glauben abzubringen, der im \u00fcbrigen monotheistisch und nicht allzuweit vom christlichen entfernt ist. Freitag <i>\u00bb[\u2026] sagte, das sei der alte Benamucki, der \u00fcber allem herrsche. Er konnte \u00fcber diese gro\u00dfe Pers\u00f6nlichkeit nichts anderes sagen, als da\u00df sie sehr alt sei; viel \u00e4lter, sagte er, als die See oder das Land, als der Mond oder die Sterne. Dann fragte ich ihn, wenn dieser alte Mann alle Dinge gemacht habe, warum dann nicht alle Dinge ihn verehrten. Darauf blickte er sehr ernsthaft und versetzte mit einem ganz unschuldigen Gesicht: \u00bbAlle Dinge sagen Oh! zu ihm. \u00ab Ich fragte ihn, ob die Leute, die in seiner Heimat starben, irgendwo hingingen. Ja, sagte er, sie gingen alle zu Benamucki; dann fragte ich ihn, ob die, die sie auffr\u00e4\u00dfen, auch zu ihm gingen; ja, sagte er. [\u2026]<\/i>\u00ab Dessen ungeachtet ist Defoes Protagonist bem\u00fcht, Freitag im christlichen Glauben zu unterweisen. \u00bb<i>[\u2026] <\/i>Von da an begann ich, ihn in der Erkenntnis des wahren Gottes zu unterweisen. <i>[\u2026] so \u00f6ffnete ich ihm nach und nach die Augen. Er lauschte mit gro\u00dfer Aufmerksamkeit und nahm es freudig auf, als ich von Jesu Christo sprach, der gesandt war, um uns zu erl\u00f6sen, [\u2026] Eines Tages sagte er zu mir, da\u00df unser Gott, der uns noch hinter der Sonne h\u00f6ren konnte, viel gr\u00f6\u00dfer sein mu\u00dfte als ihr Benamucki, der nur ein St\u00fcck weiter lebe und nichts h\u00f6ren k\u00f6nne, wenn man nicht auf die drei gro\u00dfen Berge klettere, wo er wohne, um mit ihm zu sprechen. [\u2026]\u00ab<\/i><\/p>\n<p class=\"einzug\">Im gleichen Atemzug \u00fcbt Defoe jedoch auch Kritik an der Art, wie Religion von Priestern namentlich der katholischen nahegebracht wird. <i>\u00bb[\u2026] Ich fragte ihn <\/i>[Freitag]<i>, ob er jemals dahin gegangen sei, um mit ihm zu sprechen; nein, sagte er, [\u2026] keiner gehe hin au\u00dfer den alten M\u00e4nnern, die er Oowokaki nannte, ihre Geistlichen oder Priester, wie er mir\u2019s erkl\u00e4rte, und sie gingen hin, um Oh! zu sagen (so nannte er ihr Beten), und dann k\u00e4men sie wieder zur\u00fcck und berichteten, was Benamucki gesagt hatte. \u2013 Daraus ersah ich, da\u00df auch unter den blindesten und unwissendsten Heiden auf der ganzen Welt die Pfaffenlist regiert und da\u00df der schlaue Kniff, einen Geheimkult einzurichten, um der Geistlichkeit die Verehrung des Volkes zu erhalten, nicht nur in der r\u00f6mischen Religion, sondern vielleicht bei allen Religionen der Erde zu finden ist, sogar bei den barbarischsten und viehischsten Wilden. [\u2026]\u00ab<\/i><\/p>\n<p class=\"einzug\">\u00dcberhaupt spart Defoe nicht mit Belehrungen. Die Schwierigkeiten in die Robinson Crusoe kommt sind die unmittelbare Folge des Versto\u00dfes gegen den Ratschlag seiner Eltern, die seinem Wunsch zur See zu fahren, entschieden ablehnen. Selbst als ihn auf den ersten kurzen Fahrten bereits Ungl\u00fccke widerfahren, bleibt er unbelehrbar, gibt sogar die finanzielle Sicherheit einer gutgehenden Plantage auf und macht eine Fahrt nach Europa, die f\u00fcr ihn eigentlich unn\u00f6tig ist. Auf dieser erlebt dann den gro\u00dfen Schiffbruch. In der Einsamkeit der Insel bereut er seine Gottlosigkeit. Eine Bibel in seinem Gep\u00e4ck, die ein Vertrauter ihm ohne sein Wissen zugepackt hat, wird sein Trost. Somit ist der Robinson auch die Bekehrung eines Einsiedlers.<\/p>\n<p class=\"einzug\">F\u00fcr Defoe scheint eine nat\u00fcrliche Ungleichheit der V\u00f6lker selbstverst\u00e4ndlich zu sein. Er verliert kein Wort \u00fcber Sklaverei, sondern bietet sich an selbst zu Reisen und Neger-Sklaven nach Brasilien zu bringen, mit denen zur Zeit der Erz\u00e4hlung dort offenbar noch nie frei gehandelt werden konnte.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ebenso erkennt Freitag, nachdem Robinson ihn aus der Gefangenschaft befreit und ihm vor dem Schicksal gefressen zu werden, bewahrt hat, wie wohl sein Stamm selbst kannibalische Br\u00e4uche pflegt, ihn als Herren an, in dem er Robinsons Fu\u00df in seinen Nacken stellt und Robinson das wie selbstverst\u00e4ndlich geschehen l\u00e4\u00dft. Allerdings beschr\u00e4nken sich die kannibalischen Gebr\u00e4uche ausschlie\u00dflich auf den Umgang mit Krieg erbeuteten Gefangenen.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Die Wilden haben aber nur deshalb diese Gebr\u00e4uche, weil sie von Gott verlassen wurden und das ihre Strafe ist. F\u00fcr Defoe scheint der Wilde erst durch Annahme des wahren Glaubens \u2013 in diesem Fall nicht nur des christlichen, sondern Protestantisch\/Nonkonformistischen \u2013 zu einem zivilisierten Menschen zu machen. Wie am Beispiels Freitags, der Bekehrter keinen Wunsch mehr nach den Br\u00e4uchen seines Volkes hat und dem Wei\u00dfen gleichgestellt ist.<\/p>\n<p class=\"einzug\">In Brasilien will er sich am Ende seines Inselaufenthaltes nur deshalb nicht niederlassen, weil er dort seinen Glauben verleugnen m\u00fc\u00dfte, denn Brasilien ist r\u00f6misch-katholisch.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Defoe kritisiert zudem das Vorgehen der Spanier, die die Ureinwohner in S\u00fcdamerika vor allem wegen ihres heidnischen Glaubens ausrotteten. Vorausgegangen ist eine \u00dcberlegung Robinsons, die Kannibalen, die an seiner Insel landen, einfach nieder zuschie\u00dfen, obwohl sie von seiner Existenz nichts wissen und er sich bewu\u00dft ist, da\u00df sie ihm bisher nichts getan haben. Es also zu seiner Sicherheit ausreicht, sich versteckt zu halten. <i>\u00bb[\u2026] Sonst w\u00e4re ja auch das barbarische Benehmen der Spanier in Amerika gerechtfertigt, die Millionen von Menschen umbrachten, welche, wenn sie auch G\u00f6tzendiener und Barbaren waren und manchen blutigen und barbarischen Brauch hatten, wie eben jenen, ihren G\u00f6tzen lebendige Menschen zu opfern, doch den Spaniern nicht das mindeste getan hatten. Heute sprechen ja sogar die Spanier selber, wie auch alle anderen christlichen V\u00f6lker in Europa, nur mit dem gr\u00f6\u00dften Abscheu und Entsetzen von ihrer Ausrottung des Menschen in diesem Land als von einer blo\u00dfen Schl\u00e4chterei, einer blutigen und unnat\u00fcrlichen Grausamkeit, die weder vor Gott noch vor den Menschen zu rechtfertigen ist und deretwegen der blo\u00dfe Name eines Spaniers allen menschlich gesinnten oder mit christlichem Mitleid begabten V\u00f6lkern zum Schrecken und Entsetzen gereicht, genauso als t\u00e4te sich das K\u00f6nigreich Spanien besonders hervor in der Erzeugung einer Art von Menschen ohne alle Grunds\u00e4tze der Liebe und ohne das geringste Erbarmen mit den Ungl\u00fccklichen, was doch \u00fcberall als das Kennzeichen einer edlen Gesinnung gilt. [\u2026]\u00ab<\/i><\/p>\n<p class=\"einzug\">Diesen Grundsatz bricht er erst als sie mit Freitag. Denn als Freitag flieht, t\u00f6tet er seine Verfolger. Sp\u00e4ter kommen sie dann mit einem Wei\u00dfen, einem spanischen Schiffbr\u00fcchigen und einem Mann, der sich sp\u00e4ter als Freitags Vater erweist. Um die beiden zu befreien, werden die anderen gleichfalls get\u00f6tet.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Der Robinson Crusoe ist weit mehr als Abenteuerroman, er ist zugleich eine Mahnung an alle, die das Schicksal herausfordern, die die gutgemeinten Ratschl\u00e4ge Erfahrener ablehnen, und dr\u00fcckt zudem Defoes \u2013 christliche \u2013 Weltanschauung aus. Aber es finden sich auch satirische Elemente, wenn die Reise zu Land von Lissabon nach London zur\u00fcck, die ja darum gew\u00e4hlt wurde, weil man die Gefahren einer Seereise vermeiden wollte und kaum weniger gef\u00e4hrlicher wird.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Der Roman endet mit der kurzen Zusammenfassung einer weiteren Reise nach seiner Insel und l\u00e4\u00dft vermuten, da\u00df Defoe eine Fortsetzung geplant hat, die sich mit der kleinen Kolonie dort besch\u00e4ftigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Robinson Crusoe Sohn eines Kaufmanns w\u00fcnscht nichts sehnlicher als zur See zu fahren. Obwohl die Eltern ihm das verbieten, rei\u00dft er von zu Hause aus und nutzt die sich bietende Gelegenheit auf einem Schiff mitzufahren. Kaum hat das Schiff abgelegt, ger\u00e4t es bereits in einen Sturm. 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