Buchneuerscheinung: Ein (fast) alltäglicher Fall

Sonntag, den 5. September 2010

Es ist soweit! Mein neues Buch ist erschienen! Es ist nicht nur ein Kriminalroman sondern zugleich auch die Geschichte einer – lustvollen – Selbstfindung der Hauptperson, in der es zudem um Vertrauen, Mißtrauen und jemandem etwas nicht zutrauen geht. Und wie leicht man durch unbegründetes Mißtrauen eine große Liebe aufs Spiel setzen kann.
Eine Leseprobe gibt es hier

Klappentext

In einer Siedlung, die abgebrochen werden soll, um Neubauten Platz zu machen, wird die Leiche einer Frau gefunden, die nackt auf einem alten Bettgestellt gefesselt liegt. Alles deutet darauf hin, daß eine BDSM-Session gehörig daneben gegangen ist. Doch wer war bei der Frau gewesen? Wer hat sie gefesselt und mit einem Seidenschal gewürgt? Es wird in alle Richtungen ermittelt. Kommissarin Eva Gerbroth begibt sich im Rahmen ihrer Ermittlungen auch in die örtliche BDSM-Szene. Auf einer Party lernt sie den Szene-Photographen und passionierten Dom Jean kennen, von dem Eva sofort fasziniert ist. Durch ihn erfährt sie mehr über sich selbst als über ihren Fall, der bald eine überraschende Wende nimmt, als Eva entdeckt, daß Jean die Tote gekannt hat, obwohl er es ihr gegenüber leugnet.

Armin A. Alexander
Ein (fast) alltäglicher Fall
ISBN 978-3-8423-1920-2
244 S., PB, € 18,95
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Wer rastet, der rostet #8

Freitag, den 27. August 2010

Es ist soweit! Mein neues Buch ist fertig und wird vorraussichtlich Anfang September erscheinen. Es ist ein Kriminalroman mit allen wichtigen Elementen, und zugleich auch die Geschichte einer – lustvollen – Selbstfindung der Hauptperson, in der es zudem um Vertrauen, Mißtrauen und jemandem etwas nicht zutrauen geht. Und wie leicht man durch unbegründetes Mißtrauen eine große Liebe aufs Spiel setzen kann.
Eine Leseprobe gibt es hier

Klappentext

In einer Siedlung, die abgebrochen werden soll, um Neubauten Platz zu machen, wird die Leiche einer Frau gefunden, die nackt auf einem alten Bettgestellt gefesselt liegt. Alles deutet darauf hin, daß eine BDSM-Session gehörig daneben gegangen ist. Doch wer war bei der Frau gewesen? Wer hat sie gefesselt und mit einem Seidenschal gewürgt? Es wird in alle Richtungen ermittelt. Kommissarin Eva Gerbroth begibt sich im Rahmen ihrer Ermittlungen auch in die örtliche BDSM-Szene. Auf einer Party lernt sie den Szene-Photographen und passionierten Dom Jean kennen, vom dem Eva sofort fasziniert ist. Durch ihn erfährt sie mehr über sich selbst als über ihren Fall, der bald eine überraschende Wende nimmt, als Eva entdeckt, daß Jean die Tote gekannt hat, obwohl er es ihr gegenüber leugnet.

 

Online-Lesung: »Ein Bewunderer«

Samstag, den 12. Juni 2010

In dieser Online-Lesung lese ich die leicht gekürzte Fassung der Kurzgeschichte »Ein Bewunderer« aus dem Erzählband »Geheimnisvolles Rendezvous« ISBN 978-3-8370-5591-7, 104 S., PB, € 12,90, Bestellmöglichkeit hier

Download der Online-Lesung als mp3-Datei: »Ein Bewunderer«

Zitat des Tages #69

Donnerstag, den 3. Juni 2010

Woher mag wohl die entsetzliche Abneigung des Menschen herrühren, sich zu zeigen, wie er ist, in seiner Schlafkammer, wie in seinen geheimsten Gedanken? In der Körperwelt ist alles wechselseitig, das, was es sich sein kann, und zugleich sehr aufrichtig. Nach unsern Begriffen sind die Dinge gegen einander alles Mögliche, was sie sein können, und der Mensch ist es nicht. Er scheint mehr das zu sein, was er nicht sein sollte. Die Kunst sich zu verbergen, oder der Widerwille, sich geistlich oder moralisch nackend sehen zu lassen, geht bis zum Erstaunen weit.

Georg Christoph Lichtenberg (1.07.1742–24.02.1799)

Kurzes #50 – Die Folgen

Montag, den 26. April 2010

Der folgende Text ist der dritte und letzte Teil von: Fluchtgedanken und Der Fluchtversuch.

Die nächsten Stunden erwiesen sich als Steigerung dieses Alptraums. Zwar hatte er überlebt, aber innerhalb der folgenden Tage, Wochen und Monate fragte er sich oft, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn der Junge ihn einfach erschossen hätte.
Nachdem seine Wunde notdürftig verbunden worden war – wohl damit er keine Blutstropfen auf dem Boden der Wachstube hinterließ –, wurde er in den Ort zurückgebracht und vom dortigen Leiter der Vopo, einem feisten Menschen mit kahlem Schädel, glattrasiertem gerötetem Gesicht›verhört‹, der seine Uniform wie eine Auszeichnung trug und die makellos an ihm saß, als sei sie seine eigentliche Haut, obwohl sie sich über seinem Bauch spannte. Ein leichter Alkoholgeruch ging von dem Mann aus.
Der Mann ließ seinen Aggressionen freien Lauf. Er schrie Ulrich unentwegt an, als koste es ihn keine Kraft, als sei es sein größtes Vergnügen. Ulrich achtete nicht auf den Inhalt der Worte, der nur eine endlose Folge von Klassenkampfparolen, Platitüden und Beschimpfungen war. Für ihn war es kaum mehr als ein lautes unartikuliertes Brüllen ohne jeden Sinn und Nutzen. (weiterlesen…)

Kurzes #49 – Der Fluchtversuch

Montag, den 26. April 2010

Der folgende Text ist die Fortsetzung von: Fluchtgedanken

Am achten August 1987 war sein Entschluß endgültig, die Flucht zu wagen. Es war ein warmer, wolkenloser Spätsommerabend und nahezu windstill. Er hoffte, daß die Hunde ihn deshalb nicht so schnell würden wittern können. Schon einige Wochen zuvor hatte er einen robusten Seitenschneider aus dem Kombinat mitgehen lassen, was keinem je aufgefallen war. Er bemühte sich den ganzen Tag über in niemandem auch nur den geringsten Verdacht über sein Vorhaben aufkommen zu lassen. Bereits in der vorigen Nacht hatte er ein Bündel geschnürt, das neben dem Wichtigsten, dem Seitenschneider, einige Wäschestücke zum Wechseln und die wichtigsten Papiere enthielt, damit man ihn ›Drüben‹ auch als einen Flüchtling anerkannte. (weiterlesen…)

Kurzes #48 – Fluchtgedanken

Montag, den 26. April 2010

Ruhig glitt der Zug auf den Gleisen dahin. Er sah bereits das achte Mal innerhalb der letzten Viertelstunde auf seine Uhr und dann wieder nach draußen. Es war ein ungewöhnlich sonniger, jedoch kühler Novembertag. Der blaßblaue Himmel war wolkenlos. Die vorüberziehenden kahlen Bäume erschienen ihm wie schwarze Gerippe, stumme Zeugen einer vermeintlich besseren Zeit. Bald würde er jene Stelle erreicht haben, die für vier Jahrzehnte nicht nur das Land sondern die ganze Welt in zwei, lange für unversöhnlich gehaltene Hälften gespalten hatte.
Seit seiner ݆bersiedelung‹ war er nicht mehr in diesem Teil des Landes gewesen. Zwar hatte er es sich in den vergangenen Jahren oft genug vorgenommen, doch war im letzten Moment stets etwas ›dazwischen‹ gekommen. Innerlich war er für diese ›Zufälle‹ jedoch dankbar gewesen. Nun aber hatte er es nicht weiter aufschieben können. Er mußte, der Anlaß gebot es. Er empfand es als Ironie, daß er weder den Zeitpunkt seines Fortgangs noch den seiner Rückkehr selbst hatte wählen können. (weiterlesen…)

Kurzes #47 – Lateinnachhilfe

Samstag, den 24. April 2010

»Ich frage mich ernsthaft, warum du Latein im Leistungskurs genommen hast. Nicht nur, daß du anscheinend die einfachsten Grammatikregeln nicht verstehst, sondern dich scheint das alles überhaupt nicht zu interessieren!«
Rolf sank auf seinem Stuhl tieferötend in sich zusammen. Frau Schellenbach hatte sich mit seinem Klassenarbeitsheft vor ihm aufgebaut und hielt es ihm wie eine Sünderkartei hin.
»Das ist ja wohl die mit Abstand schlechteste Arbeit, die ich in den letzten Jahren von einem Schüler bekommen habe. Wenn du mit diesen Kenntnissen im alten Rom nach dem Weg gefragt hättest, wärst du ganz bestimmt wegen Beleidigung verhaftet worden, wenn nicht Schlimmeres«, setzte sie bissig und auch ein wenig verächtlich hinzu.
Es war fast unbegreiflich, warum sie ihm das Heft nicht rechts und links um die Ohren schlug. Statt dessen legte sie es mit spitzen Fingern vor ihn hin und drehte sich, ohne ein weiteres Wort an ihn zu richten, auf den Absätzen um und ging zum Pult zurück um die übrigen Hefte den Schülern zurückzugeben. (weiterlesen…)

Kurzes #46 – Besprechung im Café am Stadtpark

Freitag, den 9. April 2010

Es war einer jener strahlenden Frühlingstage, die ein Füllhorn von Empfindungen über die Welt ausschütten, so daß jeder glaubt, darin ertrinken zu müssen und sich diesem Rausch dennoch nicht entziehen will, gleich einem Süchtigen, der ohne seine Drogen nicht mehr glaubt lebensfähig zu sein. Alles grünte und blühte, und das Versprechen, daß einem heute noch etwas Außergewöhnliches widerfahren werde, schien einem fortwährend zugeraunt zu werden.
Darum wunderte sich Marcel auch nicht, als ihn sein Verleger bat, ihr für heute vereinbartes Treffen im Café gegenüber dem großen Park unweit des Verlagsbüros zu verlegen. Marcel war das nur recht, denn auch für ihn schien ein ›stickiges‹ Büro kaum der passende Ort zu sein, an dem man sich an einem solchen Tag aufhalten sollte.
Marcel war früh von zu Hause aufgebrochen. Er wollte zuvor noch ein wenig durch den Park schlendern und diesen herrlichen Frühlingstag genießen. Das süßlichherbe Aroma, das die Flora an solchen Tag überreichlich verströmt, in Verbindung mit der Wärme und der, im Vergleich zum gerade überwundenen Winter, im Überfluß vorhandenen Helligkeit, weckten nicht nur in ihm Frühlingsgefühle, die alles begehrlicher und schöner erscheinen ließen, aus jeder leidlich hübschen Frau eine Göttin und aus jedem passablen Jüngling einen Zwillingsbruder Adonis’ machten. (weiterlesen…)

Kurzes #45 – Schönheit ist subjektiv

Montag, den 5. April 2010

»Sag mal, warum hast du immer eine so glückliche Hand bei der Auswahl deiner Frauen«, fragte Daniel seinen besten und ältesten Freund Florian mit einem langgezogenen Seufzer.
»Ach? Ja? Habe ich das?« erwiderte Florian und mußte sich ein leicht ironisches Grinsen verkneifen. »Was bringt dich auf den Gedanken?«
Florian kannte seinen Freund lange genug, um an seiner Frage zu erkennen, daß bei ihm in Liebesdingen wieder einmal gehörig etwas anders verlaufen sein mußte, als er es sich vorgestellt hatte.
»Ja, das hast du«, antwortete Daniel im Brustton der Überzeugung und von einem nicht zu überhörenden Vorwurf begleitet, der weniger Florians vermeintlichen Erfolgen als der ›Weigerung‹ galt, seinen besten Freund in sein ›Erfolgsgeheimnis‹ einzuweihen.
Florian ahnte bereits den Grund, weshalb der Freund sich in dieser Stimmung befand.
»Ist etwas mit dieser Solveig? Du warst doch so begeistert von ihr?« (weiterlesen…)

Kurzes #44 – Marias Überraschung

Mittwoch, den 31. März 2010

Der folgende Text ist die Fortsetzung und zugleich der letzte Teil von »Der Gipsfuß«, »Der Rekonvaleszent«, »Rolf wird umsorgt« und »Die neue Nachbarin«

Während der Nacht träumte Rolf, wie er ins Badezimmerfenster der Nachbarwohnung sah. Doch stand nicht seine Nachbarin unter der Dusche, sondern Maria in einem hellblauen Seidenkleid. Maria, die sie sich lüstern in Kleid, Nylons und hochhackigen Schuhen in der gefüllten Wanne räkelte. Maria, die wie Venus Anadyomene in einer sonnendurchfluteten Landschaft aus einem vom üppigen Wald umgebenen idyllischen See in einem roten langen Seidenkleid stieg. Maria, die in einem schicken Kostüm aus rotem Satin in einem wolkenbruchartigen Regen gemütlich spazieren ging, durchnäßt bis auf die Haut und das sichtlich genoß.
So schön und wildwuchernd diese Träume auch waren, Rolf war froh, als er am Morgen erwachte. Nicht die Träume an sich irritierten ihn, sondern daß in allen Maria im Mittelpunkt stand, Maria schöner und begehrenswerter denn je. Alle Träume durchzog zudem ein beinahe unbändiges Verlangen nach Maria, das Bewußtsein, daß er keine Frau jemals so begehren könnte wie sie und zugleich die Angst, daß Maria sich ihm auf ewig entziehen könnte, eine Angst, die in seinen Träumen so übermächtig wurde, daß sie ihn erwachen ließ. (weiterlesen…)

Kurzes #43 – Eine Geschichte aus den Mooren

Montag, den 29. März 2010

Es kündigte sich an, ein regnerischer Tag zu werden, und kaum daß sie die behagliche Geborgenheit des Hauses verlassen hatten, fielen die ersten Tropfen. Gernot beeilte sich, in den Geländewagen einzusteigen, Bernice legte keine Eile an den Tag, die wenigen, eher spärlich fallenden Tropfen schienen ihr nicht die leiseste Aufmerksamkeit wert zu sein.
Im Wagen sitzend, während Bernice gemächlich das Heck umrundete, um zur Fahrerseite zu gelangen, kam Gernot seine Flucht vor den Tropfen selbst ein wenig übertrieben vor. Sie waren zwar ungewöhnlich dick, wirkten als seien sie aus dünnflüssigem Öl, aber man mußte sich schon ein wenig anstrengen, wollte man wirklich von ihnen getroffen werden.
Gernot warf einen Blick auf die niedrige, aus lose und ohne Mörtel aufeinandergelegten Feldbruchsteinen bestehende Mauer, die den eher kärglichen Vorgarten umfriedete und aus deren Ritzen Moos und Gräser wuchsen. Zwischen dieser Mauer und der schmalen Straße, deren Asphalt an einigen Stellen brüchig war – nicht vom Verkehr, außer einem Heu einfahrenden Traktor verirrten sich nur wenige Fahrzeuge hierhin, sondern von der Witterung –, lag nur ein etwa einen Meter breiter Streifen fetten, saftiggrünen Grases, eigentlich mehr eine Art flacher Graben, der aber nie Wasser führte; zu gierig sog der Boden dieser Landschaft jeden fallenden Tropfen auf. (weiterlesen…)

Kurzes #42 – Die neue Nachbarin

Sonntag, den 28. März 2010

Der folgende Text ist die Fortsetzung von »Der Gipsfuß«, »Der Rekonvaleszent« und »Rolf wird umsorgt« Rolf beobachtet ein feuchtes Vergnügen der besondersreizvollen Art.

Es regnete bereits seit drei Tagen ohne Pause. Zwei Wochen frühlingshafter Sonnenschein mit lediglich einem Tag Unterbrechung konnten schließlich nicht von Dauer sein.
Vier Tage zuvor war die Wohnung gegenüber bezogen worden. Mehrere Leute waren dabei zugange gewesen, so daß es Rolf nicht gelungen war, herauszufinden, wer nun von ihnen seine neuen Nachbarn waren.
Am späten Vormittag sah Rolf seine neue Nachbarin zum ersten Mal durch das geöffnete Badezimmerfenster. Sie war Mitte zwanzig, ein wenig das hübsche Mädchen von nebenan, relativ groß, mit einem femininen Körper und mittellangen dichten dunkelblonden Haaren. Sie trug einen engen roten Satinrock mit breitem schwarzen Lackgürtel, eine weiße Seidenbluse, züchtig bis zum Hals geschlossen und zugleich figurbetont, um nur wenig der Phantasie zu überlassen, hautfarbene Strümpfe und – ihrem Gang nach zu urteilen – hochhackige Schuhe. Sie stand vor dem Spiegel und steckte sich das Haar mit gekonnter Nachlässigkeit hoch. Anschließend schminkte sie sich sorgfältig in dezenten Farben.
Ob ihr bereits aufgefallen war, daß man von Rolfs Wohnung aus in ihre sehen konnte, wenn die Fenster offen standen? Und kümmerte sie das überhaupt?
Als sie fertig war, betrachtete sie sich prüfend im Spiegel und schien sichtlich zufrieden mit dem was sie sah.
Rolf erwartete nun, daß sie das Fenster schließen würde, darum zog er unwillkürlich den Kopf ein. Obwohl es nicht seine Schuld war, daß man von seiner Wohnung aus so gut in ihre sehen konnte und sie nicht nur in seiner Richtung sondern auch hätte hinaufsehen müssen, um ihn zu bemerken. (weiterlesen…)

Kurzes #41 – Rolf wird umsorgt

Mittwoch, den 24. März 2010

Der folgende Text ist die Fortsetzung von »Der Gipsfuß« und »Der Rekonvaleszent«

Rolf beeilte sich von nun an jeden Morgen mit dem Frühstück, um so schnell als möglich seinen Platz am Fenster einzunehmen und den Fortschritt der Renovierungsarbeiten in der gegenüberliegenden Wohnung zu beobachten. Wenn er auch am zweiten Tag nicht viel zu sehen bekam. Anscheinend war der Handwerker in den anderen Räumen beschäftigt. Durch die offenen Fenster in Bad und Schlafzimmer hörte Rolf das Radio spielen.
So vergingen weitere Tage. An dem einen sah Rolf den Handwerker, am anderen hörte er überwiegend nur das Radio. Rolf sah, wie der Handwerker zuerst Rauhfaser klebte und sie anschließend in einem leichten Beigeton strich. Wurde Rolf das Zusehen doch zu eintönig, las er ein paar Seiten in seinem Buch. Um die Mittagszeit kam Maria und kochte oder wärmte die Reste von gestern auf. Am Nachmittag erschien Bernd und hin und wieder kam auch jemand von Rolfs übrigen Freunde auf einen Sprung vorbei.
Das Brummen eines Staubsauger kann auch etwas Einschläferndes haben. Rolf saß mit innerer Zufriedenheit in seinem Sessel, die Augen geschlossen und die Hände vor dem Bauch gefaltet, der Dank dem vorzüglichen, von Maria zubereitetem Essen, satt gefüllt war. (weiterlesen…)

Kurzes #40 – Der Rekonvaleszent

Dienstag, den 23. März 2010

Der folgende Text ist die Fortsetzung von »Der Gipsfuß«

Die folgende Nacht schlief Rolf besser. Im Grunde gab es für ihn kein Anlaß zum Klagen. Ihm fehlte es an nichts. Maria kümmerte sich fast schon mütterlich rührend um ihn. Bernd war kaum weniger aufmerksam, im Gegenzug war Rolf aber auch gezwungen, sich anzuhören, wie trostlos das Abendessen mit Kathrins Kollegin und deren Mann verlaufen war. In ihm sah Bernd wieder einmal seine Vorurteile über Manager im allgemeinen und im besonderen bestätigt. Für Bernd schien es unverständlich, daß eine dermaßen attraktive und mindestens zehn Jahre jüngere Frau, einen derart furztrockenen Typen überhaupt hatte nehmen können. Zudem sei er, was Kunst betraf, ein Banause, der einen Rubens nicht von einem Beuys unterscheiden könne. Wie könne man überhaupt nichts von Kunst verstehen, wenn man mit einer Kunstwissenschaftlerin verheiratet sei!
Rolf verkniff sich der alten Freundschaft wegen und weil Bernd gestern seinen Sessel so bereitwillig unters Fenster gerückt hatte, zu sagen, daß Kathrin in etwas gemäßigter Form und mit einem lachenden Auge das auch über ihren Bernd sagte. Bernd war, hatte er sich einmal an einem Thema festgebissen, nur schwer wieder davon abzubringen, ganz gleich wie seine Umgebung dazu stand. (weiterlesen…)

Kurzes #39 – Der Gipsfuß

Samstag, den 20. März 2010

»Und dann war’s passiert. Ich spürte einen stechenden Schmerz im rechten Fuß und Sterne tanzten mir vor den Augen«, schloß er seine etwas blumenreiche Erzählung über den Unfallhergang.
»Und was sagt der Arzt«, fragte Bernd, der ihm aufmerksam und – wie er meinte – mit leichter Schadenfreude zugehört hatte.
»Daß er schon lange nicht mehr einen so sauberen Bruch eines Sprungbeins gesehen hätte, seit er die Universität verlassen habe«, erwiderte Rolf, trotz allem nicht ohne einen gewissen Stolz, denn er vertrat den Grundsatz, wenn man schon etwas macht, dann sollte man es auch richtig machen, selbst wenn’s weh tut.
»Der Mann hat jedenfalls Humor«, war Bernd nicht sehr beeindruckt. »Und wie lange muß der Fuß in Gips bleiben?« (weiterlesen…)

Kurzes #38 – Die schöne Üppige

Sonntag, den 14. März 2010

Das warme Licht der Abendsonne schien ins Zimmer. Durch das ein wenig geöffnete Fenster drang Vogelgezwitscher und leises Murmeln vom Nachbarbalkon herein. Der hereinströmende Luftzug blähte leicht die Gardine. Die Zeit schlich auf eine angenehme Weise dahin, eine wohlige Zufriedenheit des Augenblicks in Begleitung.
Holger konnte sich kaum entsinnen, wann er das letzte Mal derart mit sich im reinen gewesen ist. Er saß die Beine lang ausgestreckt im bequemen Sessel, ein Buch auf den Knien, in dem er aber nicht las. Statt dessen galt seine ganze Aufmerksam Marietta, die ihm gegenüber auf der Couch saß, die Beine mit damenhaft lässiger Eleganz übereinandergeschlagen, und fast selbstversunken in einem Buch las.
Ein wohlig sehnsüchtiges Gefühl durchströmte ihn beim Anblick ihrer schönen langen zartbestrumpften Beine. (weiterlesen…)

Blog-Notizen #2

Sonntag, den 14. März 2010

Regelmäßigen Lesern meines Blogs dürfte sicherlich nicht entgangen sein, daß sich meine Kurzgeschichten in erster Linie um das Thema Beziehungen drehen mit unverkennbarer erotischer Komponente und dabei oft genug das vermeintlich »Außergewöhnliche« beschreiben – Fetischismus, Hydrophilie, etc. Sie sollen vor allem die Lebenfreude beschreiben, in der sich Erotik widerspiegelt, denn Erotik ist in erster Linie Ausdruck von Lebensfreude. Sie hilft eine Auszeit aus dem täglichen Allerlei zu nehmen, lehrt das unbeschwerte – gemeinsame – Genießen, einen Weg zu sich selbst, zum anderen, zum eigenen Körper zu finden.
Den Gegenpool bilden die Zitate, die Interpretationen und die Rezensionen, von denen sich bisher nur letztere mit Büchern beschäftigt haben, die explizit Erotik als Thema haben. Die Rezensionen betreffen Texte, die mich auf irgendeine Weise beeindruckt haben, die einfach beeindruckend sind! Zeitlos in ihrer Aussage, und oft genug trotz ihres Alters noch immer erschreckend aktuell, auch wenn sie mitunter – sprachlich – ein wenig angestaubt erscheinen mögen. Wie z. B. »Frankenstein« von Mary Shelley oder »Ein Weihnachtslied« von Charles Dickens oder die die Kurzgeschichten von Wolfgang Borchert.

Kurzes #37 – Quälende Hoffnung

Sonntag, den 14. März 2010

Die letzten Strahlen der Juniabendsonne bahnten sich mühsam einen Weg durch den schmalen Spalt des dichten, leicht staubigen Vorhangs. Das Fenster war ein wenig geöffnet, damit die frische Luft Zugang in dieses spärlich möblierte Zimmer, dessen Tapeten schon lange ihre ursprüngliche Farbe eingebüßt hatten und stumpf und fleckig geworden waren, fand. Die Einrichtung bestand lediglich aus einem schmalen Bett mit leicht durchgelegener Matratze, einer niedrigen Kommode, deren Oberfläche längst ihren Glanz eingebüßt hatte, einem altersschwachen Schrank, dessen knarrende Türen im ganzen Haus zu vernehmen waren; ein kleiner runder Eßtisch mit drei wackligen Stühlen vervollständigte die Einrichtung. Es war das Zimmer eines einsamen alten Menschen, der sich mit einer kargen Rente kaum über den Monat bringen konnte, obwohl er ein ganzes Leben hart gearbeitet hatte, der ein düsteres Leben ohne rechte Freuden führen mußte. (weiterlesen…)

Kurzes #36 – Eine Vernissage

Sonntag, den 14. März 2010

Der folgende Text ist Ausszug aus »Ein neues Zimmer« aus dem Erzählband »Felizia & Felix«

Als Gero sich auf den Weg zu Wolfs Vernissage in einer kleinen ein wenig vom Zentrum entfernt gelegenen Galerie machte, dachte er bereits nicht mehr an Marlies. Im Prinzip ging er nur aus der damals noch relativ frischen Freundschaft zu Wolf dorthin. Vernissagen langweilten Gero in der Regel. Sie besaßen für ihn immer etwas Verpflichtendes, war ihm der Künstler persönlich bekannt. Ansonsten waren ihm zu viele Leute anwesend, die aus allen möglichen Gründen dorthin gingen, jedoch nur selten der Kunst allein wegen. (weiterlesen…)