Kurzes #94 – Der »Hausdiener«

21. Februar 2017

Fortsetzung von »Der Einzug« und »Die Wette«

 

Der Tisch im Wohnzimmer war gedeckt, der Tee fertig gezogen, das Teelicht im Stövchen angezündet, das Gebäck ansprechend kredenzt, als Nora das Wohnzimmer betrat.

Er ist nicht nur fürs grobe Handwerkliche zu gebrauchen, dachte sie anerkennend.

Dafür staunte er nicht schlecht, als er sie sah. Er kannte sie bisher ja nur in legerer Kleidung und meist ungeschminkt. Zwar war die beige Seidenbluse fast züchtig geschlossen, aber dafür betonte sie ihre ansehnlichen Brüste umso mehr. Der enge elegante Rock aus schwarzer Seide legte sich wie eine zweite Haut um ihren schönen Po, die langen Beine umhüllten zarte schwarze Nahtnylons. Es war das erste Mal, daß er sie in Schuhen mit derart hohen Absätzen sah. Die Absätze waren so dünn, daß er sich fragte, wie sie überhaupt hielten. Noras Make-up machte sie reifer. Ja, sie wirkte wie eine Dame, für die es selbstverständlich ist, sich einen Diener zu halten.

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Kurzes #93 – Die Wette

19. Februar 2017

Fortsetzung von »Der Einzug«

 

»So, das Regal hängt«, verkündete Steffen nicht ohne Stolz.

Es war schließlich nicht leicht gewesen, es zu montieren und nicht allein wegen der Glasplatte. Die beiden Halterungen waren zwar schön anzusehen, jedoch stellte ihr Mechanismus den Monteur vor eine Herausforderung. Dafür waren die Befestigungsschrauben aber nun unsichtbar. Abgesehen davon hatte die beiliegende Montageanleitung mehr zur Verwirrung als zur Klärung beigetragen. Was heutzutage aber nicht unbedingt ungewöhnlich ist.

»Ich hätte das nicht gekonnt«, sagte Nora mit ehrlicher Bewunderung. »Aber es sieht toll aus, nicht wahr?«

Nora blickte Steffen freudestrahlend aus großen Augen wie ein junges Mädchen an.

›Toll‹ war in Steffens Augen vielleicht etwas übertrieben, aber schlecht sah das Regal wirklich nicht aus.

»Ich finde, im Bad kann man gar nicht genug Ablagemöglichkeiten haben«, fuhr sie in naiver Bewunderung fort.

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Kurzes #92 – Der Einzug

17. Februar 2017

Es war spät geworden, viel zu spät für Steffens Empfinden. Selbst für einen Samstag und daß ein Sonnenaufgang mitten im Frühling einen nicht zu unterschätzenden Reiz besitzt. Andererseits wird man nur einmal im Leben dreißig. Außerdem war Holger sein bester Freund noch aus gemeinsamen Kindergartentagen; wie hätte er also dessen Bitte, bis zum Schluß zu bleiben, ablehnen können?

Mit einem herzhaften langanhaltenden Gähnen und dem bleiernen Gefühl, das typisch für eine Übernächtigung ist, zog er sich aus und war, nach einem letzten Blick auf die Uhr, bereits eingeschlafen, kaum hatte er mit dem Kopf das Kissen berührt. Sein letzter Gedanke vor dem Einschlafen war, so lange als möglich in Morpheus’ Armen zu ruhen, ganz gleich was da kommen mochte.

Ein heftiges Rumoren und Poltern im Treppenhaus, begleitet von lauten Stimmen, ließ Steffen richtiggehend im Bett hochfahren. Für einen Moment glaubte er, es wäre nicht bloß im Treppenhaus, sondern tatsächlich in seiner Diele. Noch zu verschlafen, um wirklich verärgert zu sein, blickte er auf die Uhr. Es war nicht einmal neun. Demnach konnte er höchstens zwei Stunden geschlafen haben.

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Zitat des Tages #120

17. Februar 2017

Das seltsame Rezept

Es ist sonst kein großer Spaß dabei, wenn man ein Rezept in die Apotheke tragen muß; aber vor langen Jahren war es doch einmal ein Spaß. Da hielt ein Mann von einem entlegenen Hof eines Tages mit einem Wagen und zwei Stieren vor der Stadtapotheke still, lud sorgsam eine große tannene Stubentüre ab und trug sie hinein. Der Apotheker machte große Augen und sagte: »Was wollt Ihr da, guter Freund, mit Eurer Stubentüre? Der Schreiner wohnt um zwei Häuser links.« Dem sagte der Mann, der Doktor sei bei seiner kranken Frau gewesen und habe ihr wollen ein Tränklein verordnen, so sei in dem ganzen Haus keine Feder, keine Tinte und kein Papier gewesen, nur eine Kreide. Da habe der Herr Doktor das Rezept an die Stubentüre geschrieben, und nun soll der Herr Bachin so gut sein und das Tränklein kochen.

Item, wenn es nur gut getan hat. Wohl dem, der sich in der Not zu helfen weiß.

Johann Peter Hebel (10.5.1760–22.9.1826)

Gummifetischismus – Eine (Liebes-)Erklärung

16. Februar 2017

Einleitung

 

Sexueller Fetischismus, der wohl die harmloseste und unschuldigste sexuelle Vorliebe überhaupt sein dürfte und der seinen Grund vermutlich in der stark optischen und haptischen orientierten Wahrnehmung des Menschen hat, ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit. Die auf Gummi bezogene Variante ist notwendigerweise an die Erfindung des Materials gebunden und zählt daher zu den noch relativ jungen Material-Fetischen. Jünger ist die Variante für PVC und vergleichbare Kunststoffe, die in ihrer Form Überschneidungen zum Gummifetischismus aufweist und so mancher Gummifetischist, mich eingeschlossen, kann auch dem PVC beziehungsweise mit PVC beschichteten Geweben einen erotischen Reiz abgewinnen. PVC erscheint vielen als allerdings auch als weniger edel, was nicht zwingend sein muß. Hier jedoch ist in erster Linie der Fetischismus für Gummi das Thema.

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Link-Tip – Acquo-Boots

14. Februar 2017

Die aus Schweden stammenden und in den 1970er Jahren hergestellten Acquo-Boots, hochwertige hochschaftige modische Gummistiefel mit Block-Absatz, im England auch als Wellies, die Abkürzung von Wellingstons, dem ersten Herrsteller vom Gummistiefeln in England nach dem Vorbild der hessischen Militärstiefel – im Deutschen prosaisch als Watstiefel bezeichnet – erfreuen sich unter Gummifetischisten nach wie vor besonderer Beliebtheit. Lange Zeit waren sie nur gebraucht zu bekommen. Seit kurzem werden sie wieder neu aufgelegt.

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Kurzes #91 – Eine Hochzeitsnacht

14. Februar 2017

Eine gummifetischistische Geschichte

Karen, laut Selbstbeschreibung eine ›ganz gewöhnliche Gummifetischistin‹, womit sie hervorzuheben pflegt, daß sie darüber hinaus eine lupenreine Vanilla sei – was auch alter Freundschaft unkommentiert bleiben sollte – sammelt ›historische‹ – also längst nicht mehr hergestellte – Gummimäntel, bevorzugt von Klepper. Ihren ersten Kleppermantel hatte sie vor vielen Jahren erstanden, schließlich üben diese auf viele Gummifetischisten eine besondere Faszination aus, bei manchen bezieht sich ihr Fetischismus besonders auf diese. Ihren ersten in natura hatte sie während des Besuchs ihrer zweiten oder dritten Fetischparty bei einer Frau in mittleren Jahren gesehen und war vom ersten Moment an von der Leichtigkeit des Materials und der seidigen Oberfläche optisch wie haptisch begeistert. Sie mußte unbedingt auch einen in ihrem Besitz haben. Es blieb nicht bei diesem einen, sondern es wurde recht schnell eine Sammelleidenschaft daraus, die sich bald auf alle Arten von Gummimäntel und Regenbekleidung aus Gummi überhaupt ausgedehnt hat. Wie jeder Sammler kann sie lange und mit Verve von ihrer Leidenschaft berichten.

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Zitat des Tages #119

13. Februar 2017

Das wohlfeile Mittagessen

Es ist ein altes Sprichwort: Wer andern eine Grube gräbt, fällt selber darein. – Aber der Löwenwirt in einem gewissen Städtlein war schon vorher darin. Zu diesem kam ein wohlgekleideter Gast. Kurz und trotzig verlangte er für sein Geld eine gute Fleischsuppe. Hierauf forderte er auch ein Stück Rindfleisch und ein Gemüs für sein Geld. Der Wirt fragte ganz höflich: ob ihm nicht auch ein Glas Wein beliebe? »O freilich ja!« erwiderte der Gast, »wenn ich etwas Gutes haben kann für mein Geld.«

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