Im Sammelband »Böse Geschichten & schmutzige Fotos« Nr. 30« des Hamburger Charon-Verlages, der unter anderem auch das renommierte und älteste deutschsprachige BDSM-Szene-Magazin »Schlagzeilen« herausgibt, sind meine beiden Kurzgeschichten »Evamarias Gummiregenmantel« und »Das kleine Schuhgeschäft« erschienen.
Ich kann mein Buch doch nennen, wie ich will
Und orthographisch nach Belieben schreiben!
Wer mich nicht lesen mag, der laß es bleiben.
Ich darf den Sau, das Klops, das Krokodil
Und jeden andern Gegenstand bedichten,
Darf ich doch ungestört daheim
Auch mein Bedürfnis, wie mir’s paßt, verrichten.
Was könnte mich zu Geist und reinem Reim,
Was zu Geschmack und zu Humor verpflichten? –
Bescheidenheit? – captatio – oho!
Und wer mich haßt, – – sie mögen mich nur hassen!
Ich darf mich gründlich an den Hintern fassen
Sowie an den avant-propos.
Im Sammelband »Böse Geschichten & schmutzige Fotos« Nr. 29« des Hamburger Charon-Verlages, der unter anderem auch das renommierte und älteste deutschsprachige BDSM-Szene-Magazin »Schlagzeilen« herausgibt, sind meine beiden Kurzgeschichten »Die Gouvernante« und »Nachbarschaftshilfe« erschienen.
Das Schicksal kann den Körper prügeln,
kann mit Kandare, Sporen, Bügeln
den Fuß, die Hand, die Stimme zügeln. –
Der Geist steigt auf mit freien Flügeln
und lacht ins Tal von Wolkenhügeln.
Der Vater zu dem Sohne spricht:
Zum Herz- und Seelengleichgewicht,
zur inneren Zufriedenheit
und äußeren Behaglichkeit
und zur geregelten Verdauung
bedarf es einer Weltanschauung.
Mein Sohn, du bist nun alt genug.
Das Leben macht den Menschen klug,
die Klugheit macht den Menschen reich,
der Reichtum macht uns Herrschern gleich,
und herrschen juckt uns in den Knöcheln
vom Kindesbein bis zum Verröcheln.
Und sprichst du: Vater, es ist schwer.
Wo nehm ich Geld und Reichtum her?
So merk: Sei deines Nächsten Gast!
Pump von ihm, was du nötig hast.
Sei’s selbst sein letzter Kerzenstumpen -
besinn dich nicht, auch den zu pumpen.
Vom Pumpen lebt die ganze Welt.
Glück ist und Ruhm auf Pump gestellt.
Der Reiche pumpt den Armen aus,
vom Armen pumpt auch noch die Laus,
und drängst du dich nicht früh zur Krippe,
das Fell zieht man dir vom Gerippe.
Drum pump, mein Sohn, und pumpe dreist!
Pump anderer Ehr, pump anderer Geist.
Was andere schufen, nenne dein!
Was andere haben, steck dir ein!
Greif zu, greif zu! Gott wird’s dir lohnen.
Hoch wirst du ob der Menschheit thronen!
Ein rechter Freund erscheint uns in der Not
Zu rechter Zeit und sicher wie der Tod.
Doch offen, Bester, sag ich dir,
Du hast eine ganz verwünschte Manier!
Du trocknest mir den Jammerschweiß,
Und machst mir doch die Hölle heiß,
Du bringst das ganze Jüngste Gericht
Mit dir – bei Gott, so meint ich’s nicht!
Kaffeeduft erfüllte wie jeden Morgen seit über fünf Jahrzehnten die kleine, zur Straße hinausliegende Küche im dritten Stock. Auf dem Küchentisch stand ein altmodischer Toastständer mit zwei frischen, leicht gebräunten Scheiben Toast neben einem Glas Erdbeermarmelade, einer Butterdose und einem Teller mit einem Stück Leberwurst und Holländerkäse.
Früher war die Küche um diese Zeit stets von Lärm erfüllt gewesen, schien sie zu klein für die beiden Kinder, ihren Mann und sie selbst zu sein. Wie oft hatte sie sich damals gewünscht, hin und wieder allein frühstücken zu können. Dabei liebte sie die Geschäftigkeit am Morgen, das fröhliche Lachen der Kinder, der stets halbverschlafene Zustand ihres Mannes.
Die Kinder waren größer und ruhiger geworden, waren seltener zum gemeinsamen Frühstück erschienen. Mit ihrem Auszug war es mit einem Schlag ruhiger und ihr Mann noch wortkarger als früher geworden. Sie aßen schweigend. Er las die Zeitung, bis es für ihn Zeit war, zur Arbeit zu fahren.
Blitze zuckten. Der Donner grollte unnatürlich laut. Das Gewitter befand sich genau über dem Stadtteil. Er schaffte es gerade noch, den schützenden Hausdurchgang zu erreichen, bevor der fast schwarze Himmel seine Schleusen öffnete.
Der Regen peitschte durch die Straßen. Das Wasser konnte gar nicht so schnell abfließen, wie es von oben kam. Die auftreffenden Tropfen bildeten auf der dünnen, alles überziehenden Wasserschicht Blasen. In den Straßenrinnen hatten sich kleine reißende Bäche gebildet. Keine Menschenseele war mehr zu sehen.
Er lehnte sich mit der linken Schulter an die Wand des Durchgangs und beobachtete interessiert das Naturschauspiel. Was blieb ihm auch anderes übrig, wollte er nicht innerhalb kürzester Zeit bis auf die Haut durchnäßt werden?
Es waren nur wenige Augenblicke vergangen, als er hinter sich eine Tür gehen und das Klacken hoher Absätze auf Betonplatten hörte. Diese Melodie erfüllte ihn stets mit einem leichten, angenehm sinnlichen Gefühl. Es waren kraftvolle, entschlossene Schritte, die sich schnell näherten. Er widerstand dem Drang, sich umzudrehen, weil er kaum mehr als Umrisse gesehen hätte, lag doch der ganze Durchgang im Dunkel.
Die Schritte verstummten auf seiner Höhe. Zugleich hörte er einen ungehaltenen Seufzer, der zur Hälfte in einem erneuten Donner unterging. Er blickte leicht zur Seite. Weil sie jetzt auf seiner Höhe war, konnte er es unauffälliger tun.
Also, in diesem Fall konnte das Gewitter ruhig noch was dauern, war sein erster Gedanke. Sie war groß. Das mittellange, üppige blonde Haar erweckte den Eindruck gepflegter Nachlässigkeit, daß frau gerade aus den Armen ihres Liebhabers kommt und es gar nicht einsieht, warum sie die Spuren der genossenen Lust schamhaft verstecken soll. Ihren blauen Trenchcoat hatte sie enggegürtet, was ihre Taille schmaler wirken ließ und ihre Oberweite betonte. Ihre Schuhe waren aus schwarzem feinem Leder, handgenäht und unübersehbar auf ihren schlanken Fuß gearbeitet. Schwarze hauchzarte Nahtnylons umhüllten ein Paar schmaler Fesseln und wohlgeformter Waden.
Die Angst ist ein gefährliches Raubtier, das geduldig auf den Moment lauert, in dem sein Opfer am ahnungslosesten ist, um dann gnadenlos zuzupacken.
Die Leuchtziffern des Radioweckers zeigten 2:52 Uhr. Holger versuchte sich zu erinnern, was ihn geweckt hatte. Soweit er sich entsinnen konnte, waren seine Träume reichlich konfus gewesen. Er war aus einem erwacht, der irgendeinen Bezug zu einem längst vergangenen Abschnitt seines Lebens besaß. Er wollte aufstehen, doch schien es, als drücke ihn die unsichtbare Hand eines Riesen aufs Bett. Er war nicht in der Lage, auch nur ein Glied zu regen, obwohl er nicht den Eindruck besaß, plötzlich von einer Lähmung befallen worden zu sein. Er versuchte sich gegen diesen Druck zu stemmen, denn das Gefühl, unter dem Druck der Riesenhand zu ersticken, und einer sich ihm von hinten nähernden Bedrohung nicht ausweichen zu können, wurde immer stärker. So sehr er sich jedoch auch anstrengte, der Druck der unsichtbaren Hand war stärker. Ein Anflug von Panik stieg in ihm auf, die Angst nie mehr aufstehen zu können und hilflos der sich ihm unweigerlich nähernden Gefahr ausgeliefert zu sein, wurde immer stärker. Bevor es für ihn jedoch wirklich bedrohlich zu werden begann, war er schweißgebadet erwacht.
Doch war er jetzt tatsächlich wach? Schließlich hatte er zu Beginn jenes Traumes ja auch den Eindruck gehabt, wach zu sein. Oder befand er sich lediglich in einem erneuten Traum, der nur ein weiterer in einer Reihe von Träumen war, die ineinander verschachtelt zu sein schienen, wie diese berühmten russischen Puppen?
Wenigstens wußte er, daß ihn nichts daran hindern könnte, aufzustehen.
Holger lauschte auf Geräusche. Es war ruhig im Haus. Marianne schlief. Sie lag wie üblich auf der Seite, ihm den Rücken zugewandt. Ihre Atemzüge waren ruhig und gleichmäßig.
Wohl oder übel würde Marius das letzte Stück Weg laufen müssen, wollte er nicht bis auf die Haut durchnäßt werden. Im allgemeinen mochte er den Frühlingsregen, aber nicht unbedingt, wenn er sich mittendrin und ohne Schirm befand. Diese praktische Erfindung lag wieder einmal dort, wo sie in einer solchen Situation nicht liegen sollte: bei ihm zu Hause in der Diele auf dem Schuhschrank. So konnte er ihn unterwegs zwar nirgendwo liegen lassen, doch dafür war ihm jetzt eine kostenlose Dusche sicher.
Natürlich war der Himmel bereits mit dichten grauen Wolken tief verhangen gewesen als er das Haus verlassen hatte. Zeichen genug zu überprüfen, ob man denn nun das tragbare Regendach mitgenommen hatte und wenn nicht, noch einmal bequem umkehren konnte, um es zu holen. Doch wie dem meist so ist; man vertraut naiv auf sein mehr als zweifelhaftes Glück und fordert mit dieser Gleichgültigkeit der Macht der Elemente gegenüber, diese geradezu heraus, einem zum ungezählten Male zu beweisen, daß ihre eindeutigen Vorankündigungen stets Ernst zu nehmen sind.
Trotz allem war ihm das Glück doch noch ein wenig hold, denn bevor sich die Schleusen gänzlich öffneten, hatte er sein Ziel erreicht und trat durch die Eingangstür seines Stammbistros.
Hinter ihm ergossen sich jetzt wahre Sturzbäche. Auf dem Straßenpflaster stand innerhalb von Augenblicken eine dünne Wasserschicht, auf der die auftreffenden Tropfen große Blasen bildeten. Schnell waren die Wege wie leergefegt. Jeder versuchte eiligst einen schützenden Unterstand zu finden. Schirme boten bei einem derartigen Wolkenbruch kaum noch einen hinreichenden Schutz. Die Reifen der Autos schleuderten wahre Fontänen auf die Gehwege, die Scheibenwischer kamen trotz höchster Stufe nicht nach, die Windschutzscheiben einigermaßen blickfrei zu halten. In den Vertiefungen der abgefahrenen Fahrbahnteile bildeten sich schnell tiefe Pfützen, durch die viele Fahrer gedankenlos ihre Vehikel lenkten und manchem ahnungslosen Passanten, der sich nicht schnell genug mit einem beherzten Sprung in Sicherheit bringen konnte, von oben bis unten beschmutzten.
Mein Büdelein
Is noch so tlein,
Is noch so dumm,
Ein ames Wum,
Muß tille liegen
In seine Wiegen
Und hat noch keine Hos’.
Ätsch, ätsch!
Und ich bin schon so goß.
Wie die Griechen das Leben blühend und heiter darstellten und zur Aussicht gaben die trübe Schattenwelt des Todes, so hingegen ist nach christlichen Begriffen das jetzige Leben trüb und schattenhaft, und erst nach dem Tod kommt das heitre Blütenleben. Das mag Trost im Unglück geben, aber taugt nicht für den plastischen Dichter. Drum ist die »Ilias« so heiter jauchzend, das Leben wird um so heiterer erfaßt, je näher unsre Abfahrt zur zweiten Schattenwelt, z.B. von Achilles.
Ein Spaziergang im Auwald bringt eine unerwartete Begegnung.
Unser Tal war schon immer äußerst regenreich gewesen. Durch die besondere geographische Lage – unser Tal war umgeben von einem Mittelgebirgszug – waren die Winter mild und trocken, die Sommer zwar nicht allzu warm, dafür waren die Temperaturen bereits Ende März angenehm. Erst Anfang November wurde es kühler, zugleich mit dem Nachlassen der Niederschläge. Diese gingen die meiste Zeit des Jahres als anhaltender Nieselregen oder ergiebiger Landregen nieder. Richtig heftige Güsse gab es nur in den Sommermonaten, meist nach mehreren regenfreien und sonnigen Tagen. Dichte Wälder und üppige Weiden durchzogen unser Tal, nebst einem größeren Fluß und vielen kleineren Bäche. Das Tal war schon immer relativ dünn besiedelt gewesen, da die Feuchtigkeit nur bestimmte Formen der Landwirtschaft ermöglichte. Zwar sind unsere durchweichten Ackerböden sehr fruchtbar, aber sie lassen sich schlecht bearbeiten.
Die überwiegend nasse Witterung machte regenfeste Kleidung unentbehrlich, weshalb die meisten von uns wohl mehr Regenbekleidung und Gummistiefel besaßen als andere Sachen.
Für Ines gab es lange kaum etwas Unangenehmeres als den notwendigen Hausputz. Bis ihre Freundin Ursula ihr einen Tip gab, wie sie sich die Hausarbeit versüßen kann. Und als Ines beim Fensterputzen auch noch ein netter junger Mann von gegenüber zusieht, wird das Putzen beinahe zur Nebensache.
Die ins Schlafzimmer scheinende Frühlingssonne kitzelte Ines im Gesicht und weckte sie. Blinzelnd schlug sie die Augen auf. Sie fühlte sich wundervoll ausgeruht. Tief und fest hatte sie geschlafen. Das morgendliche Konzert der Vögel war im vollen Gang, der durch das gekippte Fenster hereinströmende Luftzug spielte mit der Gardine.
Ines verschränkte die Arme im Nacken und beobachtete eine Weile das Schattenspiel auf den türkisfarbenen Gardinen, bevor sie aufstand. Sie fühlte, daß es ein besonderer Tag war und nicht nur weil heute ihr Urlaub begann. Sie hatte sich für ihren ersten Urlaubstag einiges vorgenommen, jedoch nur, damit sie ihn ab morgen unbeschwert genießen konnte.
Ines gab sich einen inneren Ruck, damit sie nicht von einer wohligen Trägheit befallen wurde und es sich erneut in Morpheus Armen behaglich einrichtete. Dazu würden sich in den nächsten beiden Wochen noch genug Gelegenheit bieten.
Schwungvoll schlug sie die Decke zurück. Sie blieb für einen Moment auf der Bettkante sitzen, um ihrem Kreislauf die Möglichkeit zu geben, sich an eine aufrechte Haltung ihres Körpers zu gewöhnen. Dabei blickte sie fröhlich auf ihre schlanken gepflegten Füße, deren Nägel sie erst gestern abend in einem dunklen Rotton lackiert hatte.
Im renommierten Online-Magazin www.einseitig.info ist ein Artikel von mir erschienen mit dem Titel: »Eindeutig Chance und keine Bedrohung« – Mit Wikileaks könnte sich der Journalismus wieder stärker auf seine Tugenden besinnen
Eine freie, nicht von der öffentlichen Gewalt gelenkte, keiner Zensur unterworfene Presse ist ein Wesenselement des freiheitlichen Staates; insbesondere ist eine freie, regelmäßig erscheinende politische Presse für die moderne Demokratie unentbehrlich.
»Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus« Art 20.2 GG