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Kurzes #82 – Daphne

15. Januar 2017

Fortsetzung von »Die neue Zimmerwirtin«.

 

Nachdem alles an seinem Platz, stattete Gero Daphne einen Besuch ab.

Daphne war eine renommierte Kunstkritikerin. Er hatte sie er vor einigen Jahren über Wolf kennengelernt, und längst war sie der beste Freund, den er zur Zeit besaß, von Wolf abgesehen. Wolf und Daphne waren für kurze Zeit liiert gewesen. Zumindest bezeichnete Wolf es so. Zu jener Zeit kannten Gero und Wolf sich noch nicht. Von Daphne mußte Gero, daß Wolf und sie lediglich einige Male miteinander gevögelt hatten, und das auch nur, weil Daphne letztlich Wolfs besonderem Charme irgendwann nicht mehr widerstehen konnte – Wolfs Lesart – und um endliche ihre Ruhe vor ihm zu haben – Daphnes Erklärung – wobei auch Neugierde von ihrer Seite aus mitspielte. Er war an sich kein schlechter Liebhaber, aber ihre ›besonderen‹ sexuellen Präferenzen, von denen er wußte, schließlich machte sie kein Geheimnis daraus, gingen in eine Richtung, mit der er nun gar nichts anzufangen wußte, aber sein männlicher Ehrgeiz einerseits und ihre Persönlichkeit und ihre starke erotische Ausstrahlung andererseits hatten ihm keine Ruhe gelassen. Daß es zu kaum mehr als einige wenige Male Sex zwischen ihnen kommen würde, war ihr vorher bewußt. Er sah auch schnell ein, wie unterschiedlich ihrer beider sexuellen Vorlieben tatsächlich waren, und sich nicht nur dabei nie eine gemeinsame Basis finden lassen würde. Mit nichts anderem schien er von Anfang an gerechnet zu haben, wie er Gero gegenüber mehr oder weniger offen erklärte. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen blieb er einer ihrer glühendsten Verehrer.

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Kurzes #81 – Die neue Zimmerwirtin

14. Januar 2017

Das Zimmer war geräumig, die Möbel unübersehbar neu. Das breite Bett, dessen Matratze sogar noch neu zu riechen schien, der Kleiderschrank wie auch das hohe schmale Regal, bislang ohne Inhalt, wollten erst noch in Besitz genommen werden. Nur der Schreibtisch und die beiden, um einen niedrigen Tisch mit einer farbenfrohen flachen Keramikschale darauf, aufgestellten bequemen Sessel waren eindeutig älteren Datums, jedoch sehr gut gepflegt.

»Es ist hier den ganzen Tag über sehr ruhig«, war ihr Bemühen offensichtlich, daß er das Zimmer nahm.

Sie stand mit vor dem Schoß gefalteten Händen im Türrahmen und beobachtete ihn erwartungsvoll, während er sich umschaute.

Die Art wie er das Zimmer durchmaß, verunsicherte sie leicht. Es gelang ihr nicht, die Befürchtung zu unterdrücken, daß es ihm nicht gefallen könnte.

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Zitat des Tages #116

12. Januar 2017

Rendezvous

Ich bin verdammt zu warten
in einem Bürgergarten
auf das geliebte Weib.
Nun sitz ich hier als Beute
gewissenloser Leute
mit breitem Unterleib.
Sie sind so froh beim Biere,
bald zwei, bald drei, bald viere —
und reden vom Geschäft.
Die Gattin spricht vom Hause,
die Töchter trinken Brause,
und Flock, das Hündchen, kläfft.
Die Kellnerinnen schwirren.
Die Tischgeschirre klirren.
Der Himmel scheint so blau.
Wie süß ist’s doch, zu warten
in einem Bürgergarten
auf die geliebte Frau.

Erich Mühsam (6.04.1878–10.07.1934), aus: Der Krater, 1904–08

Anaïs Nin »Wien war die Stadt der Statuen«

8. Januar 2017

Anaïs Nin (21.02.1903–14.01.1977) dürfte den meisten als Autorin erotischer Werke weithin bekannt sein, bei denen es in erster Linie um Auftragsarbeiten gehandelt hat. Weniger bekannt dagegen dürfte ihr übriges erzählerisches Werk sein, zu dem »Wien war die Stadt der Statuen« zählt, und das seine besondere Faszination besitzt. Wer hier offenherzige Erotik sucht, wird wohl ‚leider‘ enttäuscht werden.

 

Die Malerin Renate wächst in Wien auf. Von ihrem Fenster aus sieht viele Statuen. Ihre Ansicht nach starben die Menschen nicht, sie verwandeln sich in Statuen, von denen jede ihre eigene Geschichte besitzt.

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Mark Twain »Querkopf Wilson«

7. Januar 2017

Interpretationen

Im Staate Missouri, auf dem rechten Ufer des Mississippi, liegt die Stadt, welche der Schauplatz dieser Geschichte ist. Sie heißt Dawson, und man muß von St. Louis bis dahin noch sechs Stunden mit dem Dampfboot stromabwärts fahren.

Der Ort bestand im Jahre 1830 aus einer Anzahl freundlicher ein- oder zweistöckiger, weißgetünchter Häuser, die über und über mit einem Gewirre von Schlingrosen, Jelängerjelieber und vielfarbigen Winden bedeckt waren. Zu jeder dieser hübschen Heimstätten gehörte auch ein Vorgärtchen mit weiß angestrichenem Staketenzaun. Dort blühten Goldlack, Stockrosen, Federnelken, Balsaminen und anders altmodische Blumen in üppiger Fülle, während auf den Fensterbrettern Holzkästen mit Moosrosen prangten und Geranien in Blumentöpfen ihr feuriges Rot mit der zarteren Farbe der Schlingrosen mischten, die an der Mauer in die Höhe kletterten. Wenn draußen auf dem Blumenbrett neben Kästen und Töpfen noch Raum war, so lag – falls die Sonne schien – sicher eine Katze da. […]

 

Mit dem Stilmittel des Idylls beginnt Mark Twain seinen 1894 erschienen Roman „Querkopf Wilson“, im Deutschen auch als »Knallkopf Willson« betitelt.

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Franz Werfel »Eine blaßblaue Frauenschrift«

5. Januar 2017

Interpretationen

Leonidas hat vor kurzem seinen fünfzigsten Geburtstag gefeiert. Noch immer befinden sich Glückwunschbriefe unter der Post. Es ist einer jener Oktobertage, die noch mehr dem Sommer zugehörig scheinen, aber jederzeit in herbstlich stürmisches Wetter umschlagen können. Seine Lebensbilanz scheint auf der Habenseite sehr üppig aufgefallen. Als Sohn eines armen Schullehrers, dem er in einem Anflug von Selbstbewußtsein, den vermeintlich hochtrabenden Vornamen verdankt, und über den er mittlerweile gar nicht mehr unglücklich ist, der sich während seiner Studienzeit eine Zeitlang aus Hauslehrer verdingen mußte, ist ein angesehener Sektionschef im Ministerium für Kultur in Wien geworden, der zudem eine reiche Heirat getätigt hat, mit Amelie, einer Frau, die in der Wiener Gesellschaft für ihre Schönheit berühmt und begehrt war und die heute noch alles unternimmt, um für ihren Mann die gertenschlanke Schönheit zu bleiben, das Zierliche zu behalten, für das ihr Mann sie begehrt. Auch an ihm scheinen die Jahre äußerlich beinahe spurlos vorübergegangen zu sein.

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Kurzes #80 – Das Ende oder vielleicht doch erst der Anfang?

2. Januar 2017

Fortsetzung von »Marlies redet ihm ins Gewissen«, »Erneutes Rendezvous mit der schönen Unbekannten«, »Nachklang«, »Das geheimnisvolle Rendezvous«, »Marlies« und »Zwölf erotische Aquarelle«.

 

Anfänglich war er zwar ein wenig überrascht, aber dachte sich erstaunlicherweise nicht wirklich viel dabei, als nach der üblichen Woche, die zwischen ihren Rendezvous’ verstrich, der gewohnte Umschlag mit den Schlüsseln nicht in seinem Briefkasten lag. Er versuchte sich mit der Erklärung zu beruhigen, daß ihr etwas Unvorhersehbares dazwischen gekommen sein mußte. Er vertröstete sich auf den morgigen Tag und versuchte nicht unruhig zu werden, was ihm nicht vollständig gelang. Doch auch am nächsten Tag erhielt er keine Nachricht von IHR, ebensowenig wie am darauffolgenden. Langsam aber stetig stieg seine innere Unruhe und wurden seine Befürchtungen größer, daß sie ernstlich erkrankt sein könnte, oder vielleicht sogar schlimmeres, was er vermied, sich vorzustellen. Er versuchte sich damit zu beruhigen, daß wirklich schwerwiegende Ereignisse den wenigsten Menschen zu stoßen. Noch vermied er es, Marlies davon in Kenntnis zu setzen. Er fürchtete, daß sie auf eine, für ihn höchst unangenehme Weise, die entsprechenden Schlüsse ziehen könnte.

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