Auszug aus »Der Bibliothekar«

 

1.

 

Nachdem er sich gezwungenermaßen über mehrere Jahre von einem Zeitvertrag zum anderen gehangelt hatte, war Meinald bereit, jede Stelle anzunehmen, die auch nur annähernd etwas mit seinem Beruf als Bibliothekar zu tun hatte, solange er einen unbefristeten Arbeitsvertrag bekam. Seine Lebensplanung hatte er längst an einem Zwölfmonatsrhythmus orientiert, solange liefen im Schnitt seine Verträge. Manchmal wurden sie zumindest um ein weiteres Jahr verlängert, oft aber nicht und meist wurde ihm letzteres erst wenige Wochen vor Vertragsende lapidar mitgeteilt, weshalb er sich grundsätzlich einige Monate vor Ablauf auf Stellen bewarb, die auch nur annähernd mit seinem Beruf zu tun hatten. Jetzt befand er sich fast am Ende der zweiten Hälfte seiner Dreißiger und war seit seinem Studienabschluß vor annähernd fünfzehn Jahren karrieremäßig wie finanziell nicht wirklich vorwärtsgekommen.

Den ganzen Beitrag lesen

»Sonntag« aus »Golos Erbe«

 

Golos Erbe Titel

Der Wind stand so, daß Sankt Bonifazius’ Läuten zur sonntäglichen Frühmesse deutlich zu hören war, was Falk sofort in die Kindheit zurückversetzte. Er lauschte unwillkürlich auf Geräusche aus dem Bad, denn Golo stand sonntags eine halbe Stunde zuvor auf. Martha war mitten in den Vorbereitungen fürs Frühstück, das, je nach Witterung, entweder am großen Eßtisch oder auf der Terrasse serviert wurde. Kaum war Golo mit der morgendlichen Toilette fertig, weckte Martha ihn, wenngleich er fast immer schon eine Zeitlang wach war. Er verbrachte kaum mehr als zehn Minuten im Bad. Sonntags wurde stets gemeinsam gefrühstückt.

Den ganzen Beitrag lesen

Seiten:  Vorherige 1 2 3 4 5 ... 85 86 Nächste