Kurzes #6 · Die anonymen Aquarelle
Montag, den 19. Januar 2009 von: Armin A. Alexander

Erst als ich den großen grauen kartonverstärkten Umschlag mit der übrigen Post auf meinen Schreibtisch legte, sah ich, daß er nicht mit der regulären Post gekommen sein konnte, da nur mein Name in einer mir unbekannten Handschrift darauf stand, was verständlicherweise meine Neugierde weckte. Ich schnitt ihn auf. Er enthielt lediglich ein Blatt rauhes Aquarellpapier.
Es war ausgezeichnet und mit großer Liebe zum Detail gearbeitet. Es zeigte eine große Frau mit einem ausgeprägt femininen, nahezu perfekten Körper und taillenlangen, dichten dunklen Haaren. Sie stand leicht nach links gewandt im Kontrapost. Sie hielt ein großes, beiges flauschiges Handtuch vor dem Bauch, den Blick leicht nach unten gerichtet, das Gesicht vollständig von den Haaren bedeckt. Im Gegensatz zur Detailverliebtheit, mit der sie dargestellt war, war der sie umgebende von warmem Licht durchflutete Raum lediglich mit zwei, drei Strichen angedeutet, die aber genügten, um ein Bad erkennen zu lassen. (mehr …)



