Kategorie-Archiv »Kurze Geschichten«

Kurzes #65 · Nachgang und Ausblick

Die Fortsetzung von »Die Belohnungt«, »bloß gestellt«, »Ein »blinde date« im Wortsinn« und »Der unbekannte nächtliche Anrufer«

 

Nachdenklich ging er nach Hause. Er hatte diesen Nachmittag außerordentlich genossen, dennoch konnte er sich im Nachhinein nicht wirklich daran erfreuen. Ihr schnelles Zurückziehen, nachdem sie ihn zum Orgasmus gebracht hatte, ließ ihn nicht los. Dabei war es nicht auffällig schnell abgelaufen, nicht im Sinne von hastig oder gar fluchtartig. Er war sich sicher, daß sie den Blick noch eine Weile auf ihn hat ruhen lassen, bevor sie ihn verlassen hatte. Vielleicht hatte sie ihn sogar mit einem liebevollen Lächeln betrachtet.

Als er seine Wohnungstür aufschloß, wußte er, was ihn bedrückte; sie hatte in jedem Augenblick bestimmt, was abzulaufen hatte, und – was für ihn ebenso schwerwiegend war – er hatte sie anschließend nicht in die Arme nehmen können. (mehr …)

Kurzes #64 · Die Belohnung

Die Fortsetzung von »bloß gestellt«, »Ein »blinde date« im Wortsinn« und »Der unbekannte nächtliche Anrufer«

 

»Auch diese Prüfung hast du bestanden«, sagte sie voll Zufriedenheit und hörbarem Stolz über das Erreichte. Ja, sie konnte Stolz auf sich sein, er konnte sich nicht erinnern, jemals soweit einer Frau entgegengekommen zu sein und wollte nichts sehnlicher, als ihr noch weiter zu folgen. Für ihn war es seit langem das schönste Lob, das er erhalten hatte. Er wuchs um mindestens drei Zentimeter.

»Weil ich unerwartet für einige Tage verreisen muß, muß ich das geplante nächste Treffen verschieben«, ein unangenehmer schmerzhafter Stich durchfuhr ihn, sollte er sie für länger nicht sehen? Konnte SIE ihm das zumuten? »Heute in genau einer Woche findest du dich wieder am bekannten Ort ein. Du bringst das Tuch mit. Du setzt dich wieder nackt auf den Stuhl. Das Tuch legst du auf den Tisch ab. Ich werde es wieder benötigen. Und damit du etwas hast, auf das du dich freuen kannst; dich erwartet eine kleine Belohnung für deine Folgsamkeit.«

Diese Woche wurde für in die längste, an die er sich erinnern konnte. War es nur die Aussicht auf eine ›Belohnung‹ oder weil er es generell nicht erwarten konnte, SIE wiederzusehen? Aber war das eine nicht untrennbar mit dem anderen verknüpft? Seine Gedanken waren fast immer bei IHR. (mehr …)

Kurzes #63 · »bloß gestellt«

Die Fortsetzung von »Ein »blinde date« im Wortsinn« und »Der unbekannte nächtliche Anrufer«

 

Am Abend hätte es Simon viel mehr überrascht, hätte das Telefon nicht pünktlich um Mitternacht geläutet.

»Ich muß dich loben«, erscholl die vertraute Stimme ohne Gruß, »obwohl ich nichts anderes von dir erwartet habe, als daß du soviel Disziplin besitzt, meinen Anweisungen bedingungslos Folge zu leisten.«

»Und wenn ich nicht so diszipliniert gewesen wäre«, fragte er und versuchte den Kloß im Hals, der sich einstellte, weil er die Antwort schon vor der Frage kannte, sie nicht hören zu lassen.

»Ich bin überzeugt, daß du die Antwort bereits weißt«, entgegnete sie und er glaubte zu sehen, wie ein diabolisches Lächeln ihre Lippen umspielte.

»Naja, es gibt auch nur eine mögliche Antwort«, versuchte er nonchalant zu klingen, war sich aber sicher, daß ihm das nur unzureichend gelang.

»Darum sehe ich deine Frage auch als rein rhetorische an. Wie gesagt, ich war mir ziemlich sicher, daß du nicht den Versuch machen würdest, dich umzudrehen. Ich kenne dich mittlerweile besser als du dir vorstellen kannst.«

»Klar, wir haben in der letzten Zeit ja häufig miteinander gesprochen«, meinte er leger.

Ihr tiefes unverhohlenes Auflachen irritierte ihn. (mehr …)

Kurzes #62 · Ein ›blinde date‹ im Wortsinn

Der folgende Text ist die Fortsetzung von »Der unbekannte nächtliche Anrufer«

 

Weil Simon an den beiden darauffolgenden Abenden keinen weiteren Anruf von der Unbekannten erhielt, festigte es in ihm die Überzeugung, daß es ein einmaliges Gespräch gewesen war. Doch am nächsten Abend läutete das Telefon Punkt Mitternacht, so wie beim ersten Mal. Er schrak heftig zusammen. Schon vor dem Abheben war ihm klar, daß SIE es war.

»Ja?« meldete er mit leicht unsicherer Stimme.

»Hast du meinen Anruf erwartet«, es war eine Feststellung und keine Frage. Es war der gleiche ruhige, scheinbar aus leichter Entfernung kommende Tonfall wie beim ersten Mal.

»Ja«, antwortete er ohne nachzudenken, was ihm erst bewußt machte, daß er nie an ihrem erneuten Anruf gezweifelt hatte.

»Was anderes hätte mich auch gewundert«, fuhr sie ohne eine Spur von Selbstgefälligkeit fort.

»Du … Du hast eine wundervolle Stimme«, platzte er heraus.

Das Kompliment geschah aus einem inneren Zwang heraus. Er mußte ihr einfach sagen, wie nachhaltig ihn ihre Stimme beeindruckt hatte.

Ein warmes, herzliches, ja beinahe zärtliches Lachen folgte als Antwort. (mehr …)

Kurzes #61 · Der unbekannte nächtliche Anrufer

Das reizvolle Hell-Dunkelmuster, das das durch das Laub der großen Buche gebrochene Sonnenlicht auf den gepflegten Kiesweg warf und das durch den leichten Frühlingswind, der das Laub leise rauschen ließ, einer fortwährenden Änderung unterworfen war, entging Simons Aufmerksamkeit, obwohl er seit mehr als einer viertel Stunde wie gebannt darauf blickte.

Wie üblich zu früh, hätte er allein und entspannt auf dieser Bank sitzend, die vereinbarte Stunde abwarten und sich der Ruhe und der Schönheit dieses Parks, des bilderbuchhaften Frühlingswetters an diesem frühen Nachmittag erfreuen können, aber er saß, innerlich aufgewühlt, auf der Kante, wie ein Pennäler, der vor dem Direktorzimmer auf den mehr oder weniger verdienten Rüffel wartet.

Du bist ein Mann von vierzig Jahren, stehst sozusagen mitten im Leben, hast schon eine Menge Höhen und Tiefen erlebt und doch gebärdest dich wie ein pubertierender Jüngling vor seinem ersten Rendezvous.

Er schüttelte über sein Verhalten den Kopf. Was aber nichts an seiner inneren Unruhe änderte. Andererseits war seine augenblickliche Lage auch nicht gerade alltäglich. Ein blind date ist an sich nichts Ungewöhnliches und sich dazu in einem kleineren Hotel zu treffen, das in einem relativ ruhigen aber dennoch einigermaßen zentral gelegenen Stadtteil lag, ist ebensowenig etwas, über das man sich großartig Gedanken machen müßte. Doch war einem von seinem date außer einer Stimme am Telefon nicht einmal der Name bekannt, konnte das durchaus Anlaß zur Nervosität geben. Bis vor gut einem Monat hätte er sich absolut nicht verstellen, jemals in einem solch aufgewühlten Zustand zu geraten. (mehr …)

Kurzes #60 · Kaffee und Kuchen einmal anders

Am nächsten Morgen war Bernharda bereits vor ihm in der Villa.

»Guten Morgen, Meinald. Ich darf Sie doch Meinald nennen«, es war eindeutig eine Feststellung und keine Frage.

Er nickte lediglich als Antwort. Er spürte, daß es ihm schwerfallen würde, dieser Frau etwas abzuschlagen. Er hatte noch keinen Vorgesetzten gehabt, der eine derart aus sich selbst heraus entstehende Autorität ausgestrahlt hatte wie sie. Fast ein wenig verstohlen nahm er wahr, daß sie einen schwarzen Lederrock zu einer weißen Bluse aus einem leicht durchsichtigen Stoff und erneut keinen BH darunter trug.

Er sah sie stets in Bekleidung aus beinahe stoffweichem Glattleder, meist Röcke mit farblich passenden taillierten Jacken, hin und wieder auch Hosen, die sich wie eine zweite Haut um ihren Körper schmiegten, hochhackiges Schuhwerk, häufiger Stiefel als Schuhe und meist Blusen als zarten, teilweise halb transparenten Stoffen, die nur wenig den Blicken verbargen, manchmal auch Oberteile aus Leder und stets weiche Lederhandschuhe. Er konnte sich nicht helfen, aber mit der Zeit schienen die Stoffe ihrer Bluse immer transparenter zu werden. Gut, sie besaß eine ausgeprägte exhibitionistische Ader, das war bei derart selbstbewußten Frauen nicht wirklich ungewöhnlich. (mehr …)

Kurzes #59 · Besser spät als nie

Gedämpft drang ausgelassenes Stimmengemurmel von den Nachbarbalkonen, begleitetet vom Vogelgezwitscher, durch das auf Kippstellung stehende Fenster ins Schlafzimmer. Der Frühherbst erinnerte noch sehr an Sommer, obwohl die Tage bereits spürbar kürzer und die Abende kühler wurden.

Sie lag in wohliger Trägheit auf der Seite, den Blick zum Fenster gerichtet, und beobachtete, wie der von draußen hereinkommende warme Luftzug, unter den sich ein schwaches Aroma nach Gegrilltem mischte, mit der Gardine spielte.

Ihre Handgelenke waren von den rauhen Seilen gerötet, die Brustwarzen als Folge der Klammern noch immer überempfindlich, doch das war nichts gegen das Brennen auf ihrem Hintern, der dabei war von einem intensiven Rot zu einem Schillern in allen Farben des Regenbogens zu wechseln. Sitzen war ihr zur Zeit nur auf einem weichen Kissen möglich. Doch machte ihr das nichts aus, denn es war ein wunderbares Brennen, das sie ausgiebig genoß.

Wie sehr hatte sie sich früher nicht nur nach diesem Brennen gesehnt. Wie schön war es, jeden seiner Schläge zu spüren, das laute Klatschen beim Auftreffen zu hören, um kurz darauf das einsetzende und schnell ansteigende Brennen zu fühlen.

Wie meist war sie dabei nackt gewesen, ein rauhes Hanfseil in mehreren Windungen um die Handgelenke geschlungen, die Arme über den Kopf, in eine von der Zimmerdecke an einem stabilen Haken befestigten Kette, eingehangen. Dieser Haken trug leicht das dreifache ihres Gewichts, so daß sie sich bedenkenlos in ihre Fesselung fallen lassen konnte, was sie spätestens nach dem dritten Schlag auch tat. (mehr …)

Kurzes #58 · Die Tote im Abbruchhaus

Der folgende Text ist ein Auszug aus dem ersten Kapitel meines Kriminalromans »Ein (fast) alltäglicher Fall«, Bestellmöglichkeit hier

 

Das Klingeln des Mobiltelephons riß Evas aus ihren Gedanken. Sie holte es aus der Innentasche ihrer Jacke. Es war ihr Kollege Lars.
»Ja, was gibt’s?« blaffte Eva ihn an, die bisweilen gerne einen Teil ihres Frustes an ihm ausließ.
Lars arbeitete bereits zu lange mit Eva zusammen, um sich von den Launen seiner bildschönen Kollegin noch aus dem Konzept bringen zu lassen.
»Wo bist du, Eva?« fragte Lars gelassen.
»Zuerst einmal sagt man ›Guten Morgen‹, du Stoffel«, herrschte Eva ihn an, was Lars gleichfalls ignorierte. War sie in ihrer augenblicklichen Stimmung, war es letztlich gleich, was er sagte, Eva würde stets vergleichbar reagieren. Zwischen ihnen hatte sich über die Jahre eine Art Haßliebe entwickelt. »Wenn du wissen willst, wo ich bin; ich stecke mitten in einem Stau. Wo sollte man auch sonst an einem Montagmorgen um diese Zeit stecken? Von wegen, daß der Stadt bald der Verkehrsinfarkt droht; der ist doch schon längst da!«
Lars hörte sich ihre Tirade mit stoischem Gleichmut an und sagte, nachdem sie geendet hatte:
»Du fährst am besten sogleich nach … Moment …« Eva hörte Papier rascheln, anschließend nannte Lars ihr eine Adresse, die gar nicht weit von ihrem jetzigen Standort lag.
»Und warum soll ich das?« fragte Eva schon gemäßigter, denn sie ahnte den Grund; es gab nur eine Möglichkeit, wenn Lars sie bereits auf der Fahrt zum Präsidium anrief. (mehr …)