Schlagwort-Archiv »Literatur«

Kurzes #77 · Nachklang

Fortsetzung von »Das geheimnisvolle Rendezvous«, »Marlies« und »Zwölf erotische Aquarelle«.

 

Zu Hause zurück setzte er sich im Arbeitszimmer in den bequemen alten Sessel und betrachtete die Aquarelle, die von den zusehends schwächer werdenden Strahlen der Abendsonne beschienen wurden. Es war ungewöhnlich ruhig im Haus, das abendliche Konzert der Vögel war das einzige vernehmliche Geräusch, das von draußen hereindrang.

Mit zunehmender Dämmerung schienen die Szenen auf den Aquarellen lebendig zu werden. Er glaubte zu sehen, wie sich die schöne Unbekannte auf dem ersten Aquarell abtrocknete, wie sich das flauschige Badetuch bewegte, wie sie auf dem zweiten ein paar Tropfen Lotion aus dem Flakon in ihre Handfläche laufen ließ und mit zärtlicher Selbstverliebtheit auf der Innenseite ihres Schenkels verteilte. Er meinte, ihre Laute der Lust zu vernehmen, glaubte sogar, in dem angedeuteten Mann sich selbst zu erkennen. Und auf einmal befand er sich wirklich in dem lichtdurchfluteten Bad, sah, wie sie aus der Wanne stieg, ihn um ein Handtuch bat, das er ihr nur zu gerne reichte. Sie trocknete sich ausgiebig ab. Als sie sich eincremte, folgten seine Blicke ihrer Hand, mit der sie die Lotion in ihre schöne weiche und zugleich feste Haut massierte. Dann befanden sie sich im Schlafzimmer. Sie trug nun das Kleid aus dem leichten durchsichtigen Stoff. Er hielt sie in den Armen. Sie küßten sich leidenschaftlich genießend. Er spürte ihre warme, wohlriechende weiche Haut durch den dünnen Stoff auf seiner. Jetzt erst wurde ihm bewußt, daß er nackt war und eine heftige Erektion hatte. Sie lagen auf dem Bett und liebkosten sich mit den Händen mit der gleichen Leidenschaft wie sie sich küßten.

Plötzlich klingelte das Telephon und er erwachte aus seinem Tagtraum, die ihm jedoch wie eine Vision erschienen war, so intensiv war es gewesen. (mehr …)

Zitat des Tages #115

Mitt­ler­wei­le aber hatte sich, wie jeder Pro­phet hätte vor­aus­se­hen kön­nen, ein So­zi­al­de­mo­krat ent­wi­ckelt. Als der Kai­ser vor der Kir­chen­tür den ver­gol­de­ten kai­ser­li­chen Schub­kar­ren be­stieg, schoß der So­zi­al­de­mo­krat fünf­zehn- oder sech­zehn­mal nach ihm – aber mit so merk­wür­dig so­zi­al­de­mo­kra­ti­scher Un­si­cher­heit im Ziel, daß er kei­nen Scha­den an­rich­te­te.

 

»Ein Miniaturreich im Weltmeer«

Mark Twain (30.11.1835–21.4.1910)

Kurzes #76 · Das geheimnisvolle Rendezvous

Fortsetzung von »Marlies« und »Zwölf erotische Aquarelle«.

 

Marlies’ Besuch hatte seine innere Unruhe zwar besänftigten, aber nicht zerstreuen können. Am nächsten Tag lag wieder keine Nachricht der schönen Unbekannten im Briefkasten, wie auch am darauffolgenden. Fast eine Woche verging. Und mindestens einmal am Tag rief Marlies an, um sich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen, wie sie sich ausdrückte. Anteilnahme von Freunden ist etwas Schönes, kann mitunter aber auch reichlich lästig werden.

Die schöne Unbekannte beherrschte fast alle seine Gedanken. Seine größte Befürchtung war, nie zu erfahren, warum er diese zwölf schönen und sinnlichen Aquarelle erhalten hatte, was ihn mehr als einmal des Nachts schweißgebadet aufwachen ließ.

Auf den Tag eine Woche nach dem letzten Aquarell lag ein Standardbriefumschlag in seinem Kasten. Daß er von IHR sein mußte, erkannte er sogleich an der Handschrift, in der sein Name geschrieben war. Mit nervösen Fingern, zwischen Erleichterung und Furcht hin und her pendelnd, schließlich konnte er auch eine für ihn wenig angenehme Erklärung enthalten, riß er den Umschlag noch am Briefkasten auf. (mehr …)

Kurzes #75 · Marlies

Fortsetzung von »Zwölf erotische Aquarelle«.

 

Seit drei Tagen lag in seinem Briefkasten weder ein Umschlag mit einem neuen Aquarell noch ein Brief, der Aufklärung hätte bringen können. Was ihn langsam aber sicher unruhig werden ließ, schließlich war er überzeugt, daß die anonymen Aquarelle erst der Anfang war. Er bemühte sich um Geduld und versuchte sich in etlichen Erklärungen, die diese Unterbrechung verursacht haben könnten, unabhängig vom Grad der Wahrscheinlichkeit, was ihn folglich in keiner Weise beruhigte, da ihm im Gegenzug mindestens ebenso viele Argumente einfielen, weshalb die Übersendung des letzten Aquarells zugleich das letzte sein könnte, was er von der ihm unbekannten Künstlerin hörte. Er war sich selbst gegenüber ehrlich genug zuzugeben, das alles reine Spekulation war, außer den Aquarellen hatte er ja nichts, auf das er sich stützen konnte.

So verbrachte er den dritten Tag ohne Nachricht bis zum frühen Nachmittag.

Als es an seiner Tür klingelte, schrak er heftig zusammen, hatte für einen kurzen Moment den Eindruck, ihm würde das Herz stehen bleiben. Mit rasendem Herzen und zitternden Fingern öffnete er die Tür.

»Ach, du bist es«, entfuhr es ihm zugleich erleichtert und enttäuscht. (mehr …)

Kurzes #74 · Zwölf erotische Aquarelle

Erst als er den großen grauen rückseitig mit Karton verstärkten Umschlag nebst der übrigen Post auf seinen Schreibtisch legte, sah er, daß er nicht mit der regulären Post gekommen sein konnte, da nur sein Name in einer ihm unbekannten Handschrift darauf stand, was verständlicherweise seine Neugierde weckte. Er schnitt ihn auf. Er enthielt lediglich ein Blatt rauhes Aquarellpapier.

Es war ausgezeichnet und mit großer Liebe zum Detail gearbeitet. Es zeigte eine große Frau mit einem ausgeprägt femininen, nahezu perfekten Körper und taillenlangen, dichten dunklen Haaren. Sie stand leicht nach links gewandt im Kontrapost. Sie hielt ein großes beiges flauschiges Handtuch vor dem Bauch, den Blick leicht nach unten gerichtet, das Gesicht vollständig von den Haaren bedeckt. Im Gegensatz zur Detailverliebtheit, mit der sie dargestellt war, war der sie umgebende von warmem Licht durchflutete Raum lediglich mit zwei, drei Strichen angedeutet, die aber genügten, um ein Bad erkennen zu lassen.

Er wendete das Blatt mehrmals, doch es fand sich nicht die kleinste Spur einer Signatur.

Er setzte sich an den Schreibtisch und nahm das Blatt nun mit Hilfe einer Lupe näher in Augenschein. (mehr …)

Kurzes #73 · Ein Bewunderer

Die Beine der Frauen sind wie Zirkel, welche den Erdball in allen Himmelsrichtungen ausmessen
und ihm sein Gleichgewicht und seine Harmonie geben

aus « L’homme qui aimait les femmes »
von François Truffaut

 

Würde er gefragt, wie er sich sehe, so würde er ohne sonderlich nachzudenken und mit einem gewissen Stolz, vorausgesetzt, der Betreffende habe sein Vertrauen erweckt, antworten: als ein Verehrer schöner Beine, begleitet von einem Lächeln, das den dezenten Genießer verrät.

Je nach Naturell würde die Reaktion darauf von verständnislosem Kopfschütteln über eine derart wunderliche Eigenart bis hin zur Freude, einen Gleichgesinnten im Geiste getroffen zu haben, reichen. Wir gehen einmal davon aus, daß unser Frager sich vom Wesen her in der Mitte bewegt. Höflich würde er erwidern, doch mit unüberhörbarem Unterton, der keinen Zweifel daran ließ, daß er es nicht ganz nachvollziehen könne, weshalb er darin für sich etwas Besonderes sehen würde, schließlich erfreuen sich doch die meisten Männer an schönen Frauenbeinen, wenn sie auch selten zu sehen seien, und nicht nur, weil viele Frauen, vor allem die es sich ›leisten‹ könnten, lieber Hosen als Röcke tragen. (mehr …)

Zitat des Tages #114

»Was wollen Sie denn eigentlich, Sie Maiskolben, Sie Krautkopf, Sie Rübensprößling?! Schämen Sie sich Ihrer unverständigen Worte. Seit vierzehn Jahren arbeite ich als Redakteur und noch niemals, das versichere ich Ihnen, habe ich gehört, daß man besondere Kenntnisse haben müsse, um eine Zeitung zu redigieren. (mehr …)

Link-Tip · Gutenberg-DE epub-Generator

Wer die auf Projekt Gutenberg-DE online stehenden Texte im HTML-Format lieber bequem als E-Book im verbreiteten epub-Format auf seinem E-Reader lesen möchte, dem hilft diese Seite weiter: Gutenberg-DE epub-Generator. Einfach die Adresse der ersten Seite des Textes, den man als E-Book haben möchte, in das entsprechende Feld eingeben, die Schaltfläche zum Genenieren anklicken und nach wenigen Sekunden, je nach Umfang des Textes, steht das entsprechende E-Book zum Herunterladen bereit. Wer möchte, kann das Layout des E-Books mit dem Editor von Calibre, der freien E-Book-Verwaltung, seinen persönlichen Vorlieben anpassen und vielleicht ein liebevoll gestaltetes Titelbild hinzuf?gen, oder das E-Book genießen, wie es generiert wurde.

 

Nachtrag April 2021

Der Betreiber und Entwickler hat die Seite im März 2021 offline genommen, da ihm die Zeit fehlt, sie weiter betreiben zu k?nnen und es hat sich offenbar bisher niemand bereitgefunden, das zu ?bernehmen.

 

Nachtrag 2. Mai 2021

Die Seite ist wieder online.

 

Nachtrag März 2026

Aufgrund einer Neuaufsetzung von Gutenberg-DE funktioniert der bisherige Generatur nicht mehr und ist daher wieder offline. Es wird jemand gesucht, der ihn mit der neune Gutenberg-DE-Seite kompatibel macht. Es wird aber die Möglichkeit geboten, vor Januar 2026 temporär generierte Bücher hier herunterzuladen.