Schlagwort-Archiv »Literatur«

Jostein Gaarder »Das Kartengeheimnis«

Anita hat Mann und Sohn vor Jahren von einem Tag auf den anderen verlassen und ist nach Athen gefahren, »um sich selbst finden«, wie sie sagte. Eines Tages machen sich Vater und Sohn mit dem Auto auf den Weg von Norwegen nach Griechenland, um Anita zu suchen. Ihre Reise führt sie mitten durch Europa. Unterbrochen durch notwendige Übernachtungen und Zigarettenpausen, die mehr Rituale als bloße Pausen sind. Sie werden vom Vater stets mit Überlegungen eingeleitet, die er während der Fahrt hatte. Mal geht es um Anita, oft aber auch um tiefgründige Betrachtungen, die Hans-Thomas’ Vater als Philosoph im Ursinn des Begriffs zeigen – als jemand, der auf der Suche nach Weisheit ist. (mehr …)

Zitat des Tages #31

Zur Kunst des Schenkens – Eine Gabe ausschlagen zu müssen, nur weil sie nicht auf die rechte Weise angeboten wurde, erbittert den Geber.

Friedrich Nietzsche (1844–1900): Menschliches, Allzumenschliches · Ein Buch für freie Geister

Zitat des Tages #30

Verbotene Freigiebigkeit – Es ist nicht genug Liebe und Güte in der Welt, um noch davon wegschenken zu dürfen.

Friedrich Nietzsche (1844–1900): Menschliches, Allzumenschliches · Ein Buch für freie Geister

Kurzes #28 · Die ›Unnahbare‹

»Kennst du eine unnahbare Frau«, fragte mich Hansegon unvermittelt.
»Wie meinst du das?« verstand ich nicht so recht, worauf er hinauswollte.
Ich setzte meine Tasse Kaffee, die ich gerade zum Mund führen wollte, wieder auf die Untertasse zurück.
»Ich meine, ob du jemals einer Frau begegnet bist, bei der du sofort wußtest, daß, egal, was du auch versuchst, du niemals Erfolg haben würdest«, fuhr er fort.
»Ja, ich erinnere mich an eine, die aus einem katholischen Elternhaus kam und nur als Jungfrau in die Ehe gehen wollte. Oder meinst du die, die sich ausschließlich einen wohlhabenden Mann vorstellte?« beantwortete ich seine Frage alles andere als in seinem Sinne, das sah ich schon an seiner Miene.
»Witzbold. Natürlich meine ich nicht diese Art von Unnahbarkeit.« (mehr …)

Henning Mankell »Die italienischen Schuhe«

Der Chirurg Frederik zieht sich nach einer mißglückten Operation, die er selbst nebulös mit »Die große Katastrophe« bezeichnet, auf eine abgelegene Schäreninsel zurück, die er von seinen Großeltern geerbt hat. Seine einzigen Gefährten in der selbstgewählten Einsamkeit sind ein alter Hund und eine alte Katze. Mehrmals in der Woche kommt das Postboot vorbei. Der hypochondrische Briefträger holt sich bei Frederik immer wieder Rat bezüglich seiner eingebildeten Krankheiten. Obwohl Frederik ihm stets versichert, daß ihm nichts fehle, beruhigt ihn das nicht. An einem eisigen Wintertag taucht plötzlich Harriet auf. Mit ihr hatte Frederik vor vielen Jahren eine Beziehung, verschwand aber plötzlich aus ihrem Leben und hat seitdem nie wieder etwas von ihr gehört. Harriet ist krebskrank und hat nur noch wenige Monate zu leben. Sie erinnert ihn an ein Versprechen, das er ihr damals gegeben hat: Ihr den Waldsee zu zeigen, in dem Frederik als Kind mit seinem Vater geschwommen ist. Mehr widerwillig macht Frederik sich mit Harriet auf die Reise, auf der er nicht nur Menschen kennenlernt, die scheinbar nicht in ein gutbürgerliches Schema passen, die aber auf ihre Weise ihren Platz gefunden haben und diesen zu behaupten wissen. (mehr …)

Zitat des Tages #29

Feinheit der Scham – Die Menschen schämen sich nicht, etwas Schmutziges zu denken, aber wohl, wenn sie sich vorstellen, daß man ihnen diese schmutzigen Gedanken zutraue.

Friedrich Nietzsche (1844–1900): Menschliches, Allzumenschliches · Ein Buch für freie Geister

Blog-Notizen #1

Regelmäßigen Lesern meines Blog dürfte nicht entgangen sein, daß sich alle Kurzgeschichten, die ich in der letzten Zeit in meinem Blog veröffentlich habe, um das Thema Fetischismus drehen. Diese Kurzgeschichten sind nicht nur in Ergänzung meines Artikels »Fetischismus – Kultivierung des Sexuellen« zu sehen, als positive Beispiele, sondern sollen auch den lustvollen Reiz verdeutlichen, der dem Fetischismus inne wohnt, daß Fetischismus auf jeden Fall eine bereichernde Facette im phantasievollen Spiel der Erotik darstellt und für die Betreffenden mitunter eine Überraschung bereit hält, wenn plötzlich ein Element ins Spiel kommt, das anders gedacht war, oder erst gar keine erotische Komponente zu haben scheint. Und oft genug Fetischismus mit im Spiel ist, ohne daß es den Beteiligten überhaupt bewußt ist.