Schlagwort-Archiv »Kurzgeschichten«

Kurzes #60 · Kaffee und Kuchen einmal anders

Am nächsten Morgen war Bernharda bereits vor ihm in der Villa.

»Guten Morgen, Meinald. Ich darf Sie doch Meinald nennen«, es war eindeutig eine Feststellung und keine Frage.

Er nickte lediglich als Antwort. Er spürte, daß es ihm schwerfallen würde, dieser Frau etwas abzuschlagen. Er hatte noch keinen Vorgesetzten gehabt, der eine derart aus sich selbst heraus entstehende Autorität ausgestrahlt hatte wie sie. Fast ein wenig verstohlen nahm er wahr, daß sie einen schwarzen Lederrock zu einer weißen Bluse aus einem leicht durchsichtigen Stoff und erneut keinen BH darunter trug.

Er sah sie stets in Bekleidung aus beinahe stoffweichem Glattleder, meist Röcke mit farblich passenden taillierten Jacken, hin und wieder auch Hosen, die sich wie eine zweite Haut um ihren Körper schmiegten, hochhackiges Schuhwerk, häufiger Stiefel als Schuhe und meist Blusen als zarten, teilweise halb transparenten Stoffen, die nur wenig den Blicken verbargen, manchmal auch Oberteile aus Leder und stets weiche Lederhandschuhe. Er konnte sich nicht helfen, aber mit der Zeit schienen die Stoffe ihrer Bluse immer transparenter zu werden. Gut, sie besaß eine ausgeprägte exhibitionistische Ader, das war bei derart selbstbewußten Frauen nicht wirklich ungewöhnlich. (mehr …)

Online-Lesung: »Nachhilfestunden · 4. Der Stuhl«

In dieser Online-Lesung lese ich das 4. Kapitel der Erzählung »Nachhilfestunden«
ISBN 978-3-8370-7706-3
88 S., PB, € 9,00

 

Klappentext
Ulla muß nur noch eine Prüfung machen, dann kann sie sich für die Abschlu?arbeit anmelden. Allerdings ist sie bereits zweimal durch diese gefallen, bei der es lediglich ums Auswendiglernen geht. Ihr bleibt nur noch ein Versuch. Sie bittet ihren Kommilitonen Rüdiger um Hilfe. So sehr dieser sich auch bemüht; ihr gelingt es nicht sich ausreichend zu konzentrieren. Er will bereits aufgeben, doch dann f?llt ihm ein alter speckiger Erziehungsratgeber aus dem 19. Jahrhundert in die Hand, der ihn mit seinen drastischen Methoden zu einem letzten Versuch inspiriert; und – es funktioniert. Ulla gelingt es, sich zu konzentrieren.

 

 

Kurzes #59 · Besser spät als nie

Gedämpft drang ausgelassenes Stimmengemurmel von den Nachbarbalkonen, begleitetet vom Vogelgezwitscher, durch das auf Kippstellung stehende Fenster ins Schlafzimmer. Der Frühherbst erinnerte noch sehr an Sommer, obwohl die Tage bereits spürbar kürzer und die Abende kühler wurden.

Sie lag in wohliger Trägheit auf der Seite, den Blick zum Fenster gerichtet, und beobachtete, wie der von draußen hereinkommende warme Luftzug, unter den sich ein schwaches Aroma nach Gegrilltem mischte, mit der Gardine spielte.

Ihre Handgelenke waren von den rauhen Seilen gerötet, die Brustwarzen als Folge der Klammern noch immer überempfindlich, doch das war nichts gegen das Brennen auf ihrem Hintern, der dabei war von einem intensiven Rot zu einem Schillern in allen Farben des Regenbogens zu wechseln. Sitzen war ihr zur Zeit nur auf einem weichen Kissen möglich. Doch machte ihr das nichts aus, denn es war ein wunderbares Brennen, das sie ausgiebig genoß.

Wie sehr hatte sie sich früher nicht nur nach diesem Brennen gesehnt. Wie schön war es, jeden seiner Schläge zu spüren, das laute Klatschen beim Auftreffen zu hören, um kurz darauf das einsetzende und schnell ansteigende Brennen zu fühlen.

Wie meist war sie dabei nackt gewesen, ein rauhes Hanfseil in mehreren Windungen um die Handgelenke geschlungen, die Arme über den Kopf, in eine von der Zimmerdecke an einem stabilen Haken befestigten Kette, eingehangen. Dieser Haken trug leicht das dreifache ihres Gewichts, so daß sie sich bedenkenlos in ihre Fesselung fallen lassen konnte, was sie spätestens nach dem dritten Schlag auch tat. (mehr …)

Kurzes #58 · Die Tote im Abbruchhaus

Der folgende Text ist ein Auszug aus dem ersten Kapitel meines Kriminalromans »Ein (fast) alltäglicher Fall«, Bestellmöglichkeit hier

 

Das Klingeln des Mobiltelephons riß Evas aus ihren Gedanken. Sie holte es aus der Innentasche ihrer Jacke. Es war ihr Kollege Lars.
»Ja, was gibt’s?« blaffte Eva ihn an, die bisweilen gerne einen Teil ihres Frustes an ihm ausließ.
Lars arbeitete bereits zu lange mit Eva zusammen, um sich von den Launen seiner bildschönen Kollegin noch aus dem Konzept bringen zu lassen.
»Wo bist du, Eva?« fragte Lars gelassen.
»Zuerst einmal sagt man ›Guten Morgen‹, du Stoffel«, herrschte Eva ihn an, was Lars gleichfalls ignorierte. War sie in ihrer augenblicklichen Stimmung, war es letztlich gleich, was er sagte, Eva würde stets vergleichbar reagieren. Zwischen ihnen hatte sich über die Jahre eine Art Haßliebe entwickelt. »Wenn du wissen willst, wo ich bin; ich stecke mitten in einem Stau. Wo sollte man auch sonst an einem Montagmorgen um diese Zeit stecken? Von wegen, daß der Stadt bald der Verkehrsinfarkt droht; der ist doch schon längst da!«
Lars hörte sich ihre Tirade mit stoischem Gleichmut an und sagte, nachdem sie geendet hatte:
»Du fährst am besten sogleich nach … Moment …« Eva hörte Papier rascheln, anschließend nannte Lars ihr eine Adresse, die gar nicht weit von ihrem jetzigen Standort lag.
»Und warum soll ich das?« fragte Eva schon gemäßigter, denn sie ahnte den Grund; es gab nur eine Möglichkeit, wenn Lars sie bereits auf der Fahrt zum Präsidium anrief. (mehr …)

Zwei Erzählungen in den »Böse Geschichten Nr. 30«

 

Im Sammelband »Böse Geschichten & schmutzige Fotos · Nr. 30« des Hamburger Charon-Verlages, der unter anderem auch das renommierte und älteste deutschsprachige BDSM-Szene-Magazin »Schlagzeilen« herausgibt, sind meine beiden Kurzgeschichten »Evamarias Gummiregenmantel« und »Das kleine Schuhgeschäft« erschienen.

Bestellm?glichkeit hier.

 
 

Kurzes #57 · Der Brief

Kaffeeduft erfüllte wie jeden Morgen seit über fünf Jahrzehnten die kleine, zur Straße hinausliegende Küche im dritten Stock. Auf dem Küchentisch stand ein altmodischer Toastständer mit zwei frischen, leicht gebräunten Scheiben Toast neben einem Glas Erdbeermarmelade, einer Butterdose und einem Teller mit einem Stück Leberwurst und Holländerkäse.
Früher war die Küche um diese Zeit stets von Lärm erfüllt gewesen, schien sie zu klein für die beiden Kinder, ihren Mann und sie selbst zu sein. Wie oft hatte sie sich damals gewünscht, hin und wieder allein frühstücken zu können. Dabei liebte sie die Geschäftigkeit am Morgen, das fröhliche Lachen der Kinder, der stets halbverschlafene Zustand ihres Mannes.
Die Kinder waren größer und ruhiger geworden, waren seltener zum gemeinsamen Frühstück erschienen. Mit ihrem Auszug war es mit einem Schlag ruhiger und ihr Mann noch wortkarger als früher geworden. Sie aßen schweigend. Er las die Zeitung, bis es für ihn Zeit war, zur Arbeit zu fahren. (mehr …)

Kurzes #56 · Chambre d’Amour

Blitze zuckten. Der Donner grollte unnatürlich laut. Das Gewitter befand sich genau über dem Stadtteil. Er schaffte es gerade noch, den schützenden Hausdurchgang zu erreichen, bevor der fast schwarze Himmel seine Schleusen öffnete.
Der Regen peitschte durch die Straßen. Das Wasser konnte gar nicht so schnell abfließen, wie es von oben kam. Die auftreffenden Tropfen bildeten auf der dünnen, alles überziehenden Wasserschicht Blasen. In den Straßenrinnen hatten sich kleine reißende Bäche gebildet. Keine Menschenseele war mehr zu sehen.
Er lehnte sich mit der linken Schulter an die Wand des Durchgangs und beobachtete interessiert das Naturschauspiel. Was blieb ihm auch anderes übrig, wollte er nicht innerhalb kürzester Zeit bis auf die Haut durchnäßt werden?
Es waren nur wenige Augenblicke vergangen, als er hinter sich eine Tür gehen und das Klacken hoher Absätze auf Betonplatten hörte. Diese Melodie erfüllte ihn stets mit einem leichten, angenehm sinnlichen Gefühl. Es waren kraftvolle, entschlossene Schritte, die sich schnell näherten. Er widerstand dem Drang, sich umzudrehen, weil er kaum mehr als Umrisse gesehen hätte, lag doch der ganze Durchgang im Dunkel. (mehr …)