Kurzes #25 – Wahre Schönheit

von
Armin A. Alexander

Eine weitere Kurzgeschichte zum Thema Fetischismus und daß erst eine faszinierende Persönlichkeit wahre Schönheit ausmacht.

 

Vom Äußeren her läßt sie sich als jemand beschreiben, der weder auffallend attraktiv noch das Gegenteil ist, ohne dabei durchschnittlich zu sein; unauffällig zwar aber nicht unscheinbar – unscheinbar im Sinne einer grauen Maus. Eine solche ist sie in keiner Weise. Sie zieht ihre Attraktivität überwiegend aus ihrer Persönlichkeit. Sie gehört zu den Frauen, die mit sich selbst im Einklang sind, ihren Körper vorbehaltlos akzeptierten, trotz oder vielleicht gerade wegen der kleinen »Makel« – vermeintlich zu breite Hüften, vielleicht ein wenig stämmige Beine, Brüste, die vielleicht zu sehr vor der Schwerkraft kapitulieren und daher das Tragen eines BHs zwingend notwendig werden lassen, eine sichtbare Cellulitis, Fettpölsterchen und Hautfalten, die nicht dorthin gehören, überhaupt alle die kleinen und größeren Problemzonen, wo sie sind – die aber gerade das Reizvolle sein können, weil sie seine angenehmen, seine erfüllenden Seiten nur zu gut kennen und darum strahlen sie eine Faszination aus, der sich letztlich niemand entziehen kann. Ihre Persönlichkeit ist ungekünstelt, sie versucht erst gar nicht es jedem recht zu machen und geht das Risiko ein, sich zwischen alle Stühle zu setzen. Sie besitzt ihren – charmanten – Dickkopf ist es erforderlich, aber sie gibt auch überraschend schnell nach, erkennt sie, daß eine Position kaum zu halten ist oder wenn sie damit jemandem, an dem ihr viel liegt, einen Gefallen tun kann und es für sie kein schmerzlicher Kompromiß darstellt. Ihre äußeren Vorzüge bestehen im schönen, dichten dunklen Haar, das sie relativ lang trägt und wohl geformten Beinen, die vielleicht nicht den Puristen erfreuen können, da ihre Waden zu stämmig erscheinen, die Fesseln zum Ausgleich jedoch auffallend schmal sind, und mit ihren muskulösen Schenkeln, die wie bei vielen Frauen von einer leichten Zellulitis zwar ein wenig »verunziert« werden, aber insgesamt ein harmonisches Ganzes bilden. Ihre Beine sind relativ lang für ihre eigentlich nur wenig über dem Durchschnitt liegenden Körpergröße. Sie mag für machen auf den Blick etwas Bäuerliches an sich haben, doch wirkt ihre Haltung damenhaft elegant. Sie geht mit Make-up sorgsam um, betont ihre vollen weichen Lippen und ihre schönen dunklen Augen, um die stets ein leises Lächeln zu spielen scheint. Ihr Parfum ist leicht fruchtig. Ihre Hüften sind breit, breiter jedenfalls als es für ihre Figur angemessen wäre, was aber wiederum ihre Taille schmaler erscheinen läßt. Sie trägt selten Hosen, weil sie weiß, daß sie optisch darin noch breiter wirkt. Ungeachtet dessen bevorzugt sie knielange oft enge schicke Röcke, zarte Strümpfe und hochhackiges Schuhwerk, das ihre schönen Beine betonen. Die Absätze ihrer Schuhe können ihr eigentlich gar nicht hoch genug sein. Sie bewegt sich sicher darauf wie manch andere Frau nicht auf flachen Sohlen.

Als Wolf ihr zum ersten Mal begegnete, wäre er nie auf den Gedanken gekommen, sie als unscheinbar zu bezeichnen, aber auch nicht sonderlich schön, obschon er spürte, daß sie sich aus der Masse der Frauen hervorhob.

Sie war in Begleitung von Freunden seiner Freunde zu dieser ebenso langweiligen wie offiziellen Feier, die im Gemeindesaal stattfand, gekommen. Keiner von beiden hätte absagen können, ohne Menschen, an denen ihnen etwas lag, vor den Kopf zu stoßen.

Wolf unterhielt sich gerade im Foyer des Festsaals mit jemandem, den er schon seit längerem nicht mehr gesehen hatte und der aus ähnlichen Gründe hier war wie er, als sie in Begleitung ihrer Freunde hereinkam und nur wenige Schritte von ihm entfernt stehen blieb, ihm das Halbprofil zuwendend. Was ihm als Erstes an ihr auffiel, war ihr körperbetontes Kostüm aus schwarzem, weichem Leder mit engem Rock und taillierter Jacke, zu dem sie schwarze Nahtstrümpfe und Stiefel mit fast turmhohen Absätzen aus schwarzem Veloursleder trug. Er erkannte sofort, daß sie sich nicht auf Grund des besonderen Anlasses so gekleidet hatte – dafür war sie wiederum auf besondere Weise »overdressed« – sondern weil sie sich mit offensichtlich fetischistischem Vergnügen auf diese Weise kleidete – weil es für sie »Wohlfühlsachen« waren. Eine gute Freundin von Wolf bezeichnete damit alles, in dem jemand sich besonders wohl fühlte; das konnte ebenso der alte labberige Pullover, oder, wie in diesem Fall, ein schickes Lederkostüm sein.

Er hörte nur noch mit halben Ohr seinem Gesprächspartner zu, was diesen aber nicht zu stören schien, war er doch froh, mit jemanden reden zu können, der mit derselben Begeisterung hier weilte. Vermutlich bemerkte er nicht mal, wer Wolfs Aufmerksamkeit gefesselt hatte.

Wolfs Herz schlug beim Anblick dieser interessanten Frau in schickem schwarzen Leder höher. Er sah, wie sie sich eine Haarsträhne aus der Stirn strich und kurz darauf amüsiert auflachte und dabei leicht mit dem Absatz auf dem Boden scharrte, was seinen Blick unwillkürlich auf ihre Füße zog. Ihre Stiefel waren liebevoll gepflegt, doch ihnen war anzusehen, daß sie diese häufig trug. Sie war nicht schön im eigentlichen Sinn, aber auch nicht durchschnittlich und doch fühlte er sich von ihr weitaus mehr angezogen als von einigen anderen Frauen, auf die Terminus Schönheit weitaus mehr zutraf. Ihm erging es offenkundig nicht allein so, konnte er doch manche mehr oder weniger verstohlene Blicke von anderen Männern entdecken.

Noch bevor er überlegen konnte, wie er mit dieser Frau ins Gespräch kommen könnte, wurde sie ihm von ihren gemeinsamen Bekannten vorgestellt.

Sein Herzschlag beschleunigte sich noch ein wenig mehr und ein eigentümliches Kribbeln machte sich in seiner Magengegend breit. Das war ihm in Gegenwart einer Frau seit längerem nicht mehr passiert. Er bemühte sich, das zu ignorieren, denn seine Aufregung erschien ihm etwas übertrieben, schließlich war kein verliebter Jüngling mehr.

Jetzt, als er sie das erste Mal aus der Nähe sah, mußte er feststellen, daß sie nicht wirklich sein Typ war, sondern ihre Art sich zu kleiden, zuerst seine Aufmerksamkeit erregt hatte. In einem schlichten Kleid, auf Schuhen mit halbhohen Absätzen, wie sie von der Mehrzahl der anwesenden Frauen getragen wurde, und mit einem weniger auffälligen Make-up, das ihr aber sehr gut stand, und davon zeugte, daß sie die Kunst des Schminkens beherrschte, würde sie sich nicht von den anderen abheben, unabhängig davon, daß ihr ganze Haltung etwas ausstrahlte, dem er sich nicht entziehen konnte. Er gehörte zwar nicht zu den Männern, die grundsätzlich bemüht sind, eine Frau zu finden, die ihrem vermeintlichen Ideal entspricht, doch im großen und ganzen versuchte er doch, sich daran zu orientieren.

Seine »Enttäuschung« – wenn man sie denn so nennen wollte – währte nur wenige Augenblicke, er war bereits wieder von ihrer Erscheinung, ihrer Persönlichkeit, ihrer schönen, warmen und sanften Stimme, gefesselt, vermutlich noch mehr als aus der Ferne.

Er sah, daß sie ein enges hochgeschlossenes Oberteil aus Leder trug, das ihre üppigen Brüste betonte und ihr Bauch auf eine ansprechende Weise gewölbt war.

Ehe er sich versah, war er in ein anregendes Gespräch mit ihr vertieft. Ihren ungekünstelten Charme, ihren Esprit vermißte er mitunter sehr an den Frauen, denen er überwiegend begegnete und ihre natürliche Eleganz sowieso.

Als alle in den Gemeindesaal drängten, um dem Konzert beizuwohnen, entschieden sie sich in spontaner Übereinkunft statt dessen in das nahegelegene Café zu gehen und dort ihre Unterhaltung fortzusetzen. Ohnehin schien sie niemand zu vermissen, am allerwenigsten diejenigen, mit denen sie gekommen waren.

Sie gingen die wenigen Schritte über den Vorplatz zum Café, wobei er einen angenehmen Eindruck von ihrem anmutigen Gang, wobei sie die Hüften auf eine fast schon kokette Weise wiegte. Aber es geschah nicht aus bewußter Provokation, sondern war ihr eigen.

Da die meisten sich im Gemeindesaal befanden, waren nur wenige Außentische besetzt. Sie entschieden sich für einen, von dem aus sie den Eingang zum Gemeindesaal im Blick hatten und der im angenehmen Licht der frühen Abendsonne stand. Weil es warm war, zog sie ihre Jacke aus und er sah, daß das Oberteil ärmellos war, das Leder fast stoffweich und ihrer rechter, ein wenig kräftiger Oberarm von einer kunstvollen mehrfarbigen Tätowierung verziert war, was ihn nicht wirklich verwunderte. Er vermutete sogleich, daß es nicht die einzige Tätowierung war, die sie besaß.

Sie setzte sich ihm so gegenüber, daß er ungehindert den Blick auf ihren Beinen ruhen lassen konnte, und schlug sie mit damenhafter Eleganz übereinander.

Er erkannt sofort ihre exhibitionistische Ader, die eine reizvolle Allianz mit ihrem gesunden Narzißmus eingegangen zu sein schien, daß es ihr gefiel, betrachtete ein Mann ihre Beine, ließ er den Blick auf ihrem schicken Lederoutfit ruhen.

Sie wippte hin und wieder mit den Fuß.

Sie erregte selbstverständlich bei den wenigen anderen Gäste Aufmerksamkeit.

Er fühlte sich in ihrer Gegenwart wohl und ein wenig auch geschmeichelt, daß eine Frau wie sie, seine Gesellschaft jener Feier im Gemeindesaal vorzog. Es bereitete ihm Freude, daß die anderen ihn ein wenig mit Neid ansahen, weil er in ihrer Gesellschaft war. Daß sie nicht sein Typ war, war ohnehin längst vergessen.

Sie plauderten angeregt, tranken ihren Kaffee. Er betrachtete sie fast schon ungeniert, erfreute sich an ihrem Anblick, ihrer Nähe. Er machte ihr ein Kompliment über ihre geschmack- und phantasievolle Tätowierung. Sie nahm es mit einem besonderen Lächeln entgegen und klärte ihn über die Geschichte der Themenfindung auf. Sie zeigte ihm auf ihrem Smartphone Photos von ihren anderen Tätowierungen, die fast den ganzen Rücken bedeckten, sich über ihr Gesäß hinzogen und auf ihren Oberschenkeln ausliefen. Auch die, die sich über den halben Bauch zog, um eine häßliche Narbe zu bedecken, die Folge einer vollständig schief gelaufenen Blinddarmoperation. Die Wunde hatte sich aus nicht mehr eindeutig nachvollziehbaren Grund einige Wochen nach erfolgter Operation gefährlich entzündet, eine dieser Komplikationen, die bei aller Routine unter tausend einmal vorkommen. Der halbe Bauchraum war in Mitleidenschaft gezogen worden und einige Zeit hatte sie zwischen Leben und Tod geschwebt. Die Wunde mußte offen gehalten werden und anschließend konnte das Gewebe nicht mehr sauber zusammengewachsen. Damals war sie Anfang zwanzig gewesen. Ihre übrigen Tätowierungen hatten aber nichts mit der Narbe zu tun. Die ersten hatte sie schon davor machen lassen, allerdings waren sie in den späteren aufgegangen, so daß sie manchmal selbst erst überlegen mußte, wo sie begannen und endeten. Sie hatte es mit einem Schmunzeln gesagt.

In ihm entstand der Wunsch, sie im Original zu sehen. Er besaß eine heimliche Vorliebe für Tätowierungen bei Frauen, heimlich insofern, daß er kaum einem etwas davon erzählte.

Die Schatten wurden länger und durchsichtiger. Die Feier im Gemeindesaal dauerte an. Er hatte das Gefühl, als kennten sie sich bereits länger. Natürlich reden sie nicht nur über ihre Tätowierungen und ihre mißglückte Blinddarmoperation. Sie stellen fest, daß sie einige gemeinsame Interessen teilten, die sie so beim anderen nicht erwartet hatten.

Er stellte sich unwillkürlich vor, wie es wäre, ihr die Hand auf den Schenkel zu legen, das weiche Leder über ihrer warmen Haut zu spüren.

Vielleicht erriet sie seine Gedanken, doch vermutlich war es mehr logische Konsequenz; das Gespräch bekam einen intimeren Charakter. Er hatte ihr bereits das eine oder andere Kompliment gemacht, nicht nur Tätowierungen, sondern auch über ihre schicken Ledersachen. Sie erwähnte fast wie beiläufig, daß sie nur selten etwas unter ihren Ledersachen trug, sie ihr am liebsten ungefüttert waren, sie das Gefühl auf der nackten Haut liebte und sie gerne auch beim Sex trug, wobei sie ihn auf eine Weise anlächelte, die ihre letzte Aussage als beiläufige Information wie als ein Versprechen betrachten ließ.

Es wunderte ihn nicht, daß sie unbefangen über Sexualität sprechen. Sie sprach offen darüber, daß Fetischismus die wohl harmloseste sexuell Neigung war, die man sich vorstellen konnte. Sie aus fetischistischer Sicht noch andere Materialien als Leder reizvoll finden würde.

Ihm wurde warm, wärmer als es allein von den schwächer werdenden Strahlen der Abendsonne herrühren konnte.

Er hatte schon lange keine Frau mehr derart offen über Sexualität sprechen hören, daher gab es Momente, in denen er tatsächlich etwas wie Verlegenheit an den Tag legte, was sie wiederum rührte, aber er gefiel ihr auch.

Als die anderen aus dem Festsaal strömten, plauderten sie noch immer miteinander. Sie waren gar nicht vermißt worden. Sie sahen, wie ihre Freunde sich bereits auf den Nachhauseweg machten, ohne sich darum zu kümmern, wo sie waren. Sie nahmen sicherlich an, daß sie schon längst nach Hause gefahren waren.

Sie störten sich nicht daran und blieben noch ein wenig sitzen, bevor in ein unweit gelegenes Restaurant wechselten. Der Hunger hatte sich bemerkbar gemacht.

Er war längst überzeugt, daß sie die faszinierendste Frau war, der er seit langem begegnet war.

Als sie sich irgendwann nach Mitternacht trennten, hatte sie ihn um seine Telephonnummer gebeten und ihm versprochen, ihn so bald als möglich anzurufen. Seinen Bemühungen, ihre Telephonnummer zu erfahren, war sie charmant aber entschieden ausgewichen. Zwar hätte er sie, wenn auch mit etwas Mühe in Erfahrung bringen können, aber das verbot ihm sein Respekt vor der Intimsphäre anderer.

Sollte sie ihre Ankündigung, ihn anzurufen, nicht wahr machen, konnte er sich wenigstens damit trösten, einen angenehmen Abend in der Gesellschaft einer interessanten Frau verbracht zu haben. Er tröstete sich damit, daß eine Frau mit ihrer Persönlichkeit ohnehin keinen Mangel an Verehrern besäße, und brachte damit nur zum Ausdruck, daß letztlich doch die Persönlichkeit und nicht oberflächliche Attraktivität zählt. Abgesehen davon war er bei nüchterner Überlegen unsicher, ob er ihr überhaupt gewachsen war. Er ging sicherlich nicht fehl in der Annahme, daß sie neben ihren fetischistischen Vorlieben auch andere nicht alltägliche sexuelle besaß.

Er war tatsächlich überrascht, als sie ihn einige Tage später anrief und ihn fragte, ob er Lust auf eine Fortsetzung ihres anregenden Gesprächs hätte. Selbstverständlich hatte er und sie verabredeten sich in einem Café, das er zwar kannte, aber nur selten aufsuchte.

Er war zu früh. Er erschien immer etwas zu früh zu Verabredungen, denn nichts war ihm unangenehmer als zu spät zu kommen. Er suchte sich einen Tisch, von dem aus er bequem durch die große Glasfront blicken konnte und bestellte sich in Anbetracht des warmen Frühlingswetters ein erfrischendes Getränk. Pünktlich zur verabredeten Zeit erschien sie. Er hatte sich tief im Inneren gewünscht, sie erneut in Leder zu sehen, konnte es auf Grund ihres Fetischismus auch erwarten und doch war er äußerst angenehm überrascht, daß sie ein Kleid aus blauen Leder mit dreiviertel langen Ärmeln trug, das vorne hochgeschlossen war, mit einem tiefen Rückenausschnitt, der einen ungehinderten Blick auf ihre Rückentätowierung bot, wovon er im Augenblick jedoch nicht viel hatte. Das Haar hatte sie zu einem Zopf geflochten, was ihr ein strenges Aussehen gab. Sie trug ellenbogenlange enge Handschuhe aus weichem Leder.

Sie sah seine Überraschung und ein amüsiertes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel. Ihm kam gar nicht in den Sinn, daß sie ihm vielleicht damit auch eine Freude machen wollte, zumal sie wieder die schwarzen Velourslederstiefel trug, auf die an ihrem ersten Abend so oft die Blicke hatte ruhen lassen. Andererseits hatte sie an ihrem ersten Abend auch erwähnt, daß sie am liebsten Stiefel trug. Sogar an heißen Sommertagen konnte sie mitunter nicht davon lassen.

Erneut erregte sie mehr Aufmerksamkeit als einige der anderen sichtlich attraktiveren aber wesentlich weniger extravagant gekleideten Frauen.

Als sich seine Überraschung gelegt und sie sich herzlich begrüßt hatte, verflog seine vermeintliche Unsicherheit. Er sagte ihr, daß es ihm gefiele, trug eine Frau Handschuhe, das sei sehr damenhaft in seinen Augen, und ließ sich ausführlich darüber aus, wie es in den 1950er Jahren üblich gewesen war, daß Frauen nicht nur im Winter Handschuhe trugen. Man könne es ja heute noch in Filmen aus jener Zeit beobachten. Überhaupt habe es etwas hocherotisches, zögen in bestimmten Szenen Frauen auf bestimmte Weise ihre Handschuhe aus. Das strahle eine Erotik aus, die ihn bereits als jungen Mann, hatte er diese Filme gesehen, fasziniert hatte. Es habe für ihn etwas Besonders, einer Frau, die enge weiche Lederhandschuhe trage, die Hand zu geben.

Oder sich von ihr berühren zu lassen, ergänzte sie und berührte mit ihrer rechten Hand, sie hatte die Handschuhe bisher nicht ausgezogen, auch um ihm einen Gefallen zu tun, seinen nackten Unterarm, streichelte ihn auf eine Weise damit, die ihm ein elektrisierendes Gefühl bereitete und seine Härchen aufrichten ließ. Ein besonderer Glanz trat in seine Augen. Er wünschte sich, daß sie mit ihrem Streicheln nicht mehr aufhören würde. Mit der ihr eigenen Selbstverständlich fragte sie ihn, ob ihn schon einmal eine Frau mit Lederhandschuhen onaniert hätte, ob er sich vorstelle, wie es sei, von einer mit Lederhandschuhen zum Orgasmus massiert zu werden. Leider sei ihm das noch nicht widerfahren, erwiderte er, nachdem er sich von seiner Überraschung über ihre Direktheit erholt hatte, aber sie habe es richtig vermutet, das habe er sich schon früh und oft vorgestellt. Sie hatte mit einem besonderen, einem verheißungsvollen Lächeln geantwortet, und war auf weniger erotische Themen ausgewichen. Dennoch ließ sie durch ihre Gesten und Worte keinen Zweifel daran, daß sie sich zu mehr als nur zu einem Kaffee mit ihm verabredet hatte, und bald die Erfahrung machen würde, von einer Frau mit Lederhandschuhen zum Orgasmus massiert zu werden.

 

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