Kleine BDSM-Terminologie

von
Armin A. Alexander

 

24/7

Bezeichnung für 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche. Bei dieser Variante wird das vorgegebene Machtgefälle rund um die Uhr gelebt.

Vergleich: TPE, bzw Total Power Exchange.

Adult Baby (Erwachsenen Baby)

Dabei schlüpft der Passive in die Rolle des Babys und wird vom Aktiven wie ein solches umsorgt. Genossen wird nicht nur das liebevolle Umsorgtwerden, sondern z. B. auch das Einnässen in die Windeln.

Age Play

Dabei nimmt mindestens einer der Beteiligten ein Alter an, das deutlich von seinem realen abweicht, meist ein pubertäres oder gar vorpubertäres – das Schulmädchen, das Baby. Siehe auch Adult Baby (Erwachsenen Baby)

BDSM

Ist als Erweiterung von SM im angloamerikanischen Sprachraum im Laufe der 1990er Jahre entstanden, um dem Spektrum, was SM umfaßt, gerechter zu werden, da er auch Bondage und Disziplin bzw D/S mit einschließt. BDSM = Bondage and Disziplin, Domination and Submission, Sadism and Masochism (dt.: Bondage und Disziplin, Dominanz und Unterwerfung, Sadismus und Masochismus)

Bondage

Oberbegriff für – etwas aufwendigere – Fesselspiele. Bondage reicht von einer Fixierung des Submissiven, um anschließend weiteres mit ihm machen zu können, oder ist ausschließlicher Teil der Session. Eine Bondage kann so gestaltet sein, daß der Gefesselte entweder bei Bewegung Unbehagen oder große Lust empfinden kann. War im Westen früher vor allem die sogenannte Western-Bondage – man fesselt den Partner mit möglichst viel Seil, daß er sich nicht mehr bewegen kann und man mit ihm macht, was man »will«, so dominiert mittlerweile das eindeutig kunstvolle japanische Shibari, das auf eine lange Tradition verweisen kann und dessen Schwerpunkt nicht nur im ästhetischen, sondern auch im Genuß des Gefesseltseins liegt.

CFNM

Abkürzung für Clothed Female, Naked Men [dt. Bekleidete Frauen, nackte Männer], wobei Nackt nicht im Wortsinne zu sehen ist, die männlichen Subs tragen dabei oft genug einen Harneß und/oder knappe Slips, wobei letztere im gastronomischen Bereich der meisten CFNM-Parties aus hygienischen Gründen vorgeschrieben wird. Siehe auch als Gegenstück CMNF.

CMNF

Abkürzung für Clothed Men, Naked Female [dt. Bekleidete Männer, nackte Frauen]. Hierbei sind die Männer angezogen und die Frauen – weitgehend – nackt. Siehe als Gegenstück: CFNM.

Crossdressing

Das Tragen von Kleidung die explizit dem anderen Geschlecht zugeordnet wird. Da in der heutigen Gesellschaft für Frauen das Tragen von ehemals reiner Männerkleidung – Hosen, etc – akzeptiert und auch Teil der Mode ist, ist der Reiz fast nur noch für die Männer gegeben, die spezifische Kleidung des anderen Geschlechts – Kleider, Röcke, High-Heels, Nylons, Strapse, etc – zu tragen. Anders als TVs feminisieren Crossdresser in der Regel nicht ihr Äußeres.

D/S

Abkürzung für Dominanz und Submission. In der Reinform kommt diese Variante ohne körperliche »Bestrafung« aus.

DSM

Abkürzung für Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, seit Mai 2013 gilt Version 5. Es wird von der American Psychiatric Association herausgegeben. Homosexualität wurde 1973 als behandlungsbedürftig gestrichen, seit der Version IV (1994) gilt auch BDSM nicht mehr per se als behandlungsbedürftig und ist seit 2013 ganz daraus gestrichen worden.

EPE

Abkürzung für Erotic Power Exchange. Bei dieser Spielart gibt der Passive alle Macht lediglich im Bereich des Sexuellen an den Aktiven ab, bzw. kann der Aktive jederzeit eine Session beginnen. Siehe auch; TPE bzw. Total Power Exchange.

Erotic Power Exchange

Abkürzung für EPE.

Fetschismus

Fetischismus – Wortstamm: Fetisch. Ursprünglich wurde mit Fetisch ein religiöser Kultgegenstand von sogenannten Naturvölkern bezeichnet und Fetischismus als Verehrung und Glaube an die übersinnliche Kraft von Fetischen.

Der französische Psychologe Alfred Binet dehnte 1887 den Begriff des Fetischismus vom Bereich des Religösen auf das Sexuallebens aus. In den folgenden Jahren wurde nicht nur die sexuelle Hingabe zu Gegenständen, sondern auch zu einzelnen Körperteilen als Fetischismus bezeichnet und als grundsätzlich krankhaft beschrieben.

Klassische Material- bzw. Bekleidungsfetische sind Lack, Leder, Latex/Gummi, aber auch Seide, PVC, etc, Nylons, Korsetts, aber auch Körperteile wie Hände, Füße, Brüste, Haare und der Allerwerteste sind bevorzugte »Objekte« des Fetischisten.

Gummi/Latex

Gummi ist die Bezeichnung für einen Werkstoff, der aus Kautschuk durch Untermengung einer definierten Menge Schwefel – 5 bis 10 % für elastisches, 30 bis 50 % für Hartgummi – unter Erhitzen, dem sogenannten Vulkanisieren, hergestellt wird. Zur Unterscheidung von natürlichem und synthetischem Kautschuk, die beide unterschiedliche Eigenschaften aufweisen, hat sich für Gummi aus natürlichen Kautschuk Latex – eigentlich Latexmilch – der Saft, der aus den Kautschukbäumen gezapft wird, eingebürgert.

Gummisex

Hierbei ist Gummi/Latex wesentlicher Teil zur Empfindung und Steigerung sexueller Lust. Im »Extremfall« sind die daran Beteiligten vollständig in Gummi/Latex gekleidet, einschließlich Masken, gerne auch Gasmasken, Gummiregenmäntel, Gummi-(wat)-stiefel und dicke Gummihandschuhe – auch als »Heavy-Rubber« bezeichnet. Sexuell stimulierend wirkt das Gefühl auf der Haut (Entfernung der Körperbehaarung gibt beim Tragen von Gummi/Latex ein ganz besonders intensives Gefühl), das Aroma, bis dahin, daß starkes Schwitzen darunter von manchem als besonders lustvoll empfunden wird, vorausgesetzt, die Umgebungstemperatur ist nicht zu warm. Auch Natursekt wird gerne beim Gummisex miteinbezogen. Ein besonderer Reiz bildet das Einnässen in Gummi und nicht nur in Windelhosen aus Gummi.

Die meisten Gummifetischisten ziehen Gummi aus Naturkautschuk dem synthetischen vor, obwohl beide ihren besonderen haptischen und sexuellen Reiz besitzen. Synthetischer Gummi kann für diejenigen eine Alternative sein, die unter einer Latexallergie leiden und trotzdem nicht auf den erotisch sexuellen Reiz von Gummi verzichten wollen oder können.

ICD

International Classification of Diseases, aktuell gilt Version 10. Ein hauptsächlich in Europa verwendetes psychologisches Diagnosehand- und Abrechnungsbuch der eher konservativ ausgerichteten Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der aktuellen Fassung 10 gelten u. a. BDSM und Fetischismus immer noch als behandlungsbedürftige Störung der Sexualpräferenz, unabhängig davon, ob die Betroffen ihre Neigung als bereichernd empfinden. Aus dem ICD wurde erst Anfang 1993 Homosexualität als behandlungsbedürftig gestrichen, während dies beim DSM bereits 1973 erfolgte.

Kaviar

Abürzung KV. Bezeichnet die Einbeziehung von Kot zur Steigerung sexueller Lust. Während Natursekt relativ häufig im SM-Kontext benutzt wird, scheint Kaviar eher selten praktiziert zu werden. Fachwort: Koprophilie, Koprophagie

Klinikspiele

Es findet auch der Terminus Weiße Erotik Verwendung.

Klinikspiele umfassen ein weites Spektrum, das sich von »einfachen« Untersuchungen, wie Fieber messen, Plus fühlen, Abhören mittels Stethoskop, Einläufe, Anwendung von Spekulen, für die keine besonderen oder nur geringe medizinischen Grundkenntnisse erforderlich sind, bis hin zu Tätigkeiten, für die entsprechende medizinische Kenntnisse zwingend erforderlich sind, um ernsthafte und nachhaltige Schädigungen am »Patienten« zu vermeiden, wie Nadelspiele, Cuttings, Katheter setzen, Aufspritzungen mit Kochsalzlösung und sogar Schein-Operationen.

Natursekt

Abürzung NS. Bezeichnet die Einbeziehung von Urin zur Steigerung sexueller Lust. Fachwort: Urolagnie, Urophilie

Shibari

Shibari [dt. Fesseln] ist eine japanische erotische Fesselkunst, bei der es nicht allein um bloßes Fixieren des Passiven – im Jargon auch Bunny genannt, der Aktive wirf als Rigger bezeichnet – sondern vor allem auch um ästhetische Aspekte. In Japan selbst wird auch von Kinbaku [dt. straffes Fesseln] gesprochen. Shibari (Kinbaku) hat sich aus der ab dem 15 Jdh. angewandten polizeilichen Fesselung auch zur öffentlichen Vorführung von Gefangen und Foltermethode Hojojutsu entwickelt. Beim Shibari finden, anders als im westlichen Bondage, bei der alle Arten von Materialien benutzt werden können, ausschließlich Seile aus Hanf oder Jute Verwendung.

SM

Abkürzung für – sexuell motivierten – Sado-Masochismus. Die Begriffe Sadismus und Masochismus wurden von dem Psychiater Richard von Krafft-Ebing in seinem 1890 erschienen Buch »Neue Forschungen auf dem Gebiet der Psychopathia Sexualis« für ein, seiner Meinung nach von der Norm abweichenden Sexualverhalten, festgelegt. Pate für die Begriffe Sadismus und Masochismus standen die Schriftsteller Donatien Alphonse François Marquis de Sade (1740–1814) und Leopold von Sacher-Masoch.

Zwar beinhaltet SM in den meisten Fällen auch ein Machtgefälle zwischen den Akteuren, aber in der Reinform kann SM problemlos auf gleicher Ebene stattfinden – der Aktive (Sadist) fügt dem Passiven (Masochist) körperliche Schmerzen zu, die dieser als sexuell lustvoll empfindet. Der wesentliche Unterschied zwischen SM und realer sadistischer Gewalt liegt darin, daß die daran Beteiligten zur gemeinsamen Steigerung der sexuellen Lust tun.

Total Power Exchange

Abkürzung TPE

TPE

Abkürzung für Total Power Exchange. Bei dieser Spielart gibt der Passive dauerhaft alle Macht über sich an den Aktiven ab. Inwiefern sich das in der Praxis überhaupt ohne Kompromisse umsetzen läßt, steht auf einem anderen Blatt. Realitätsfreundlicher ist dagegen EPE bzw. Erotic Power Exchange.

Transvestit

Abkürzung TV

TV

Abkürzung für Transvestit. Als Transvestiten werden Männer bezeichnet, die sich vollständigen Feminisieren, aber anders als Transsexuelle sich nicht im falschen Körper fühlen und somit nicht dauerhaft und operativ eine Umwandlung ins andere Geschlecht anstreben.

Weiße Erotik

Siehe auch Klinikspiele

 

 

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