Kategorie-Archiv »Literarisches«

Unterschichten im Spiegel der Zeit

Sagt der arme Mann zum reichen Mann: »Wäre ich nicht arm, wärst du nicht reich.« (Berthold Brecht)

 

Verbale Entgleisung und Diskreditierungen gegenüber den Schwächsten einer Gesellschaft, den Armen, die auch gerne als Unterschicht bezeichnet werden oder neuerdings auch als Prekariat, was nur scheinbar weniger abwertend klingt, durchziehen die gesamte abendländische Geschichte. Verbale Entgleisungen gegen eine Gesellschaftsschicht, die zwar immer mit ihrer – billigen – Arbeitskraft half, den Wohlstand einer Gesellschaft zu mehren, aber zugleich von den Früchten dieses Wohlstandes ausgeschlossen war. »Wäre ich nicht arm, wärst Du nicht reich«, wie Brecht den armen zum reichen Mann sagen läßt, beschreibt in einfachen Worten treffend Ursache und Wirkung. Die Armen haben immer nur Arbeiten verrichten müssen, die von der Gesellschaft als niedere angesehen worden, oder wurden herangezogen, wenn die anfallende Arbeit für die regulären Kräfte allein nicht zu schaffen war, zur Erntezeit in der Landwirtschaft. Die Landwirtschaft war bis zur einsetzenden Industrialisierung der Wirtschaftszweig mit den meisten Beschäftigten. Sie wurden abwertend als Tagelöhner, heute euphemistisch Saisonarbeiter, bezeichnet, wodurch sie auch sprachlich vom Arbeitenden mit regulärem Beschäftigungsverhältnis abgesetzt wurden, der seinen Lohn wöchentlich erhielt.

Daß sie dumm seien, an ihrem Elend selbst Schuld, dem Trunk verfallen, derb, es nie zu etwas bringen würden, faul, an regelmäßiger Arbeit nicht interessiert, sich hemmungslos ihren Trieben hingeben würden, und was es an Vorurteilen mehr gibt, wurde ihnen fortwährend vorgehalten, ohne auch nur die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, daß hier Ursache mit Wirkung verwechselt wurde. Als ob Menschen, die systematisch ausgegrenzt und diffamiert werden, das auch noch mit Begeisterung und Dank und besonders vorbildlichem Verhalten quittieren würden! (mehr …)

Kurzes #58 · Die Tote im Abbruchhaus

Der folgende Text ist ein Auszug aus dem ersten Kapitel meines Kriminalromans »Ein (fast) alltäglicher Fall«, Bestellmöglichkeit hier

 

Das Klingeln des Mobiltelephons riß Evas aus ihren Gedanken. Sie holte es aus der Innentasche ihrer Jacke. Es war ihr Kollege Lars.
»Ja, was gibt’s?« blaffte Eva ihn an, die bisweilen gerne einen Teil ihres Frustes an ihm ausließ.
Lars arbeitete bereits zu lange mit Eva zusammen, um sich von den Launen seiner bildschönen Kollegin noch aus dem Konzept bringen zu lassen.
»Wo bist du, Eva?« fragte Lars gelassen.
»Zuerst einmal sagt man ›Guten Morgen‹, du Stoffel«, herrschte Eva ihn an, was Lars gleichfalls ignorierte. War sie in ihrer augenblicklichen Stimmung, war es letztlich gleich, was er sagte, Eva würde stets vergleichbar reagieren. Zwischen ihnen hatte sich über die Jahre eine Art Haßliebe entwickelt. »Wenn du wissen willst, wo ich bin; ich stecke mitten in einem Stau. Wo sollte man auch sonst an einem Montagmorgen um diese Zeit stecken? Von wegen, daß der Stadt bald der Verkehrsinfarkt droht; der ist doch schon längst da!«
Lars hörte sich ihre Tirade mit stoischem Gleichmut an und sagte, nachdem sie geendet hatte:
»Du fährst am besten sogleich nach … Moment …« Eva hörte Papier rascheln, anschließend nannte Lars ihr eine Adresse, die gar nicht weit von ihrem jetzigen Standort lag.
»Und warum soll ich das?« fragte Eva schon gemäßigter, denn sie ahnte den Grund; es gab nur eine Möglichkeit, wenn Lars sie bereits auf der Fahrt zum Präsidium anrief. (mehr …)

Zitat des Tages #89

Ein Dummer findet in der Regel stets einen noch Dümmeren, der ihn bewundert. Das ist das ganze Geheimnis vieler Erfolgreicher, deren Erfolg sich nicht über ihre Leistung und ihre Talente erklären läßt.

Alte Volksweisheit

Zitat des Tages #88

Wenn Erwachsene sich auch wie Erwachsene benehmen, das heißt, sie handeln verantwortungsvoll und vorausschauend und tun nur das, wozu sie selbst und andere ihr Einverständnis gegeben haben, ist jede weitere Diskussion über das, was sie tun, nicht nur müßig, sondern schlichtweg überflüssig.

Zwei Erzählungen in den »Böse Geschichten Nr. 30«

 

Im Sammelband »Böse Geschichten & schmutzige Fotos · Nr. 30« des Hamburger Charon-Verlages, der unter anderem auch das renommierte und älteste deutschsprachige BDSM-Szene-Magazin »Schlagzeilen« herausgibt, sind meine beiden Kurzgeschichten »Evamarias Gummiregenmantel« und »Das kleine Schuhgeschäft« erschienen.

Bestellm?glichkeit hier.

 
 

Zwei Erzählungen in den »Böse Geschichten Nr. 29«

 

Im Sammelband »Böse Geschichten & schmutzige Fotos · Nr. 29« des Hamburger Charon-Verlages, der unter anderem auch das renommierte und älteste deutschsprachige BDSM-Szene-Magazin »Schlagzeilen« herausgibt, sind meine beiden Kurzgeschichten »Die Gouvernante« und »Nachbarschaftshilfe« erschienen.

Bestellmöglichkeit hier.

 
 

Zitat des Tages #86

Trostspruch

Das Schicksal kann den Körper prügeln,
kann mit Kandare, Sporen, Bügeln
den Fuß, die Hand, die Stimme zügeln. –
Der Geist steigt auf mit freien Flügeln
und lacht ins Tal von Wolkenhügeln.

Erich Mühsam (6.4.1878–10.7.1934)