Lisa Stern »Süße feuchte Lust«
von
Armin A. Alexander


In ihrem Buch »Süße feuchte Lust« schreibt Lisa Stern über ein anderes Thema sexueller Lust, das neben BDSM gleichfalls lange tabuisiert wurde und es bedeutend schwerer hat als eine weitere Möglichkeit die eigene Sexualität phantasievoll und erfüllt zu leben; »Wasserspiele«.
»Wasserspiele«, im engl. Sprachraum meist mit »Wet Sex« bezeichnet, andere Synonyme wären bspw. »Natursekt«, »Goldener Regen« oder »Golden Shower«. Alle meinen dasselbe; das sexuelle Spiel mit Urin. In einer Gesellschaft mit einem ausgeprägten Hygienewahn scheint die Tabuisierung kaum verwunderlich. »[…] gerade im Kindesalter wird Urin immer als schlechte und eklige Körperausscheidung dargestellt. […] Damit wird erreicht, daß sich im Unterbewußtsein einprägt, […] daß Urin fast das schmutzigste ist, was es überhaupt gibt. Wasserlassen sollte man nur auf der Toilette und ja nicht anfassen. Danach gleich die Hände waschen und um Gottes Willen nicht darüber reden […]« schreibt die Autorin im Nachwort, einem leidenschaftlichen Plädoyer für ihre Vorliebe.
Daß der Urin eines gesunden Menschen nahezu steril ist und daß seine Inhaltsstoffe wertvoll sind, dürfte sich langsam herumgesprochen haben. Einen nicht unerheblichen Anteil daran trägt das Anfang der 1990er Jahre von der Kölner Journalistin Carmen Thomas veröffentlichte Buch »Ein ganz besonderer Saft.« Urin ist unter anderem ein wichtiger Teil der Naturheilkunde in vielen Kulturen auch in der Abendländischen, selbst wenn das zeitweise in Vergessenheit geraten war. Etliche Bücher beschäftigen mittlerweile mit dem Thema.
Doch als Teil der Erotik wird Urin außerhalb der BDSM-Szene – dort besitzt er oft einen anderen Stellenwert – eher stiefmütterlich behandelt, obwohl »Wasserspiele« als sexuelle Spielart relativ verbreitet zu sein scheinen, schaut man sich das entsprechende Angebot an (Bild-)Seiten im Internet an. (Die einfache Regel von Nachfrage und Angebot!)
Lisa Stern erzählt auf frische, offene und kurzweilige Weise ohne falsche Zurückhaltung oder gar unterschwelligen Schuldgefühlen, wie sie ihre Vorliebe entdeckte, wie sie ihr Leben bereichert und manch – amüsante – Anekdote, die ihr in Verbindung mit »Wasserspielen« widerfahren ist. Das schmale Bändchen, gerade 88 Seiten, besitzt keine Längen, man liest es in einem Stück und wünscht sich mehr. Es regt einen an, darüber nachdenken, daß gewisse gesellschaftliche Normen sich nicht hinreichend begründen lassen und daß es letztlich gleich ist, was man tut, Hauptsache man macht es freiwillig und respektiert sein Gegenüber. Sich wie ein Erwachsener benimmt, der eigentlich verantwortungsvoll genug sein müßte um zu wissen, was ihm guttut.
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