Kurzes #23 · Ein Samstagnachmittag

von
Armin A. Alexander

Eine weitere Kurzgeschichte zum Thema »Fetischismus«.

 

Marius fuhr den Rechner hinunter. Er hatte doch länger gearbeitet, als er vorgehabt hatte, war aber fertig geworden. Er stand auf und streckte die vom langen Sitzen steifen Glieder. Er trat auf den Balkon hinaus. Es war ein schöner Spätsommertag. Stimmengemurmel drang von den Nachbarbalkonen zu ihm. Er atmete tief durch und ging wieder ins Wohnzimmer zurück. Er wollte nach Maren sehen. Sie hatte sich vor zwei Stunden ins Schlafzimmer zurückgezogen, um zu lesen.
Er blieb im Türrahmen des Schlafzimmers stehen. Maren lag schräg auf dem Bett mit dem Rücken zu ihm. Sie hatte den Kopf auf den linken Arm aufgestützt, das linke Beine ausgestreckt und das rechte angewinkelt, mit den Fingern der Rechten hielt sie das vor ihr liegende Buch auf der Matratze fest. Sie war derart in ihre Lektüre vertieft, daß sie ihn nicht zu bemerken schien. Marius nutzte die Gelegenheit, um Maren zu betrachten und lehnte sich mit der Schulter an den Türrahmen.
Maren blätterte eine Seite um und rieb dabei mit dem rechten Bein leicht am linken. Marius glaubte zu hören, wie der Stoff ihrer zarten hautfarbenen Strümpfe leise knisterte.
Maren frönte ihrer Passion für hochhackige Schuhe auch zu Hause. Das Paar weißer hochhackiger Riemchensandaletten, das sie trug, gehörte zu denen, die sie ausschließlich in der Wohnung anzog. Eigentlich zog sie ihre hochhackigen Schuhe nur zum Schlafen aus – meistens jedenfalls, wie Marius mit einem leichten Schmunzeln richtigstellte. Ihm war es am liebsten, wenn ihre Schuhe ihm einen nahezu ungehinderten Blick auf ihre schönen schlanken Füße gewährten und sie hautfarbene Strümpfe trug, die ihre stets in einem dunklen Rotton lackierten Zehennägel perlmutten schimmern ließen. Maren legte ihm die Füße gerne in den Schoß, und er massierte ihr mit Freude die Füße durch den zarten Stoff ihrer Strümpfe hindurch. Ja, nahm ihre zartbestrumpften Zehen auch hin und wieder gerne in den Mund und leckte und saugte an ihnen, bis der Stoff naß von seinem Speichel war. Ein wohliges Gefühl durchströmte ihn bei dem Gedanken und er hätte sich am liebsten sofort aufs Bett gesetzt und es in die Tat umgesetzt. Aber er wollte die Gelegenheit, Maren ungeniert betrachten zu können, noch etwas genießen. Überhaupt konnte Maren mit ihren bestrumpften Füßen sehr geschickt sein und hatte ihm schon manche Freude auf diese Weise bereitet.
Marius empfand Marens lange Beine als schön, gerade weil sie nicht makellos waren. Makellosigkeit langweilt, weil sie austauschbar ist. Nur zu häufig wird Schönheit mit Makellosigkeit verwechselt. Dabei sind es gerade die kleinen Abweichungen, die scheinbaren Mängel, die wahre Schönheit erst ermöglicht. Einen makellosen Körper kann jeder akzeptieren. Doch erst wer all die kleinen Abweichungen vom Ideal an sich akzeptiert, mit sich im reinen ist, der wird auch auf andere faszinierend wirken. Maren akzeptierte sich und ihren Körper ohne Einschränkung. Sie wußte, welche Lust er ihr bereiten konnte und genoß diese vorbehaltlos. Sie bemühte sich stets, ihm Gutes zukommen zu lassen, seine Reize zu betonen. Sie wußte, daß Marius sie hinreißend schön fand und sich gar nicht an ihr satt sehen konnte.
Maren besaß schmale Fesseln, so schmal, daß die Fesselriemchen ihrer Schuhe stets zwei zusätzliche Löcher benötigten. Die Waden schlossen sich mit einer angenehm geschwungenen Linie an, die fast vergessen ließ, daß sie relativ kräftig waren. Marens muskulöse Oberschenkel waren von einer leichten Zellulitis überzogen, die Marius sogar richtig sexy fand und an der Maren sich selbst nicht im geringsten störte. Wie gerne streichelte er die nackte Haut oberhalb ihrer Strumpfsäume.
Mit den Blicken wanderte er langsam über ihre Beine und in Gedanken mit den Händen. Er wußte, wie sehr Maren es mochte, streichelte er ihr zärtlich die zartbestrumpften Beine. Maren war eine passionierte Strumpfliebhaberin. Nur selten zeigte sie ihre Beine nackt.
Maren mochte ihre langen Beine und zeigte sie gerne. Sie trug fast ausschließlich knielange Röcke, am liebsten aus weichem Leder.
Obwohl Marens schwarzes Hemdchen seitlich bis zur Hüfte geschlitzt und hochgerutscht war, ließ es nur im Ansatz den Saum ihrer Strümpfe sehen. Die schmalen Träger waren verrutscht und ließen die Träger eines schwarzen BHs, den sie darunter trug, sichtbar werden lassen.
Marius durchströmte ein angenehmes Kribbelns, als er sich vorstellte, welch herrlich üppige und weiche Brüste die Schalen des BHs beherbergten.
Maren strich sich eine Strähne ihres schweren Haars aus der Stirn. Sie schien ihn noch immer nicht bemerkt zu haben.
»Weißt du, ich stehe auf Strümpfe und hochhackige Schuhe«, hatte Maren ihm fröhlich erzählt, als sie sich gerade erst kennengelernt hatten. »Und das meine ich nicht nur modisch betrachtet. Es ist für mich ein besonderes sinnliches Erlebnis. Es sind Wohlfühlsachen für mich.«
Marius hatte scheinbar verstehend genickt, doch als er begriffen hatte, daß Maren damit nichts anderes ausdrücken wollte, als daß sie niemals Sex hatte, ohne mindestens hochhackige Schuhe und zarte Strümpfe dabei zu tragen, war er doch ein wenig erstaunt und verstand endlich, was sie mit ›Wohlfühlsachen‹ gemeint hat. Aber es hatte ihm gefallen, denn letztlich kam sie damit nur seinen eigenen Wünschen entgegen.
Er dachte an ihr erstes gemeinsames Mal zurück. Maren war nicht viel anderes gekleidet gewesen als jetzt, nur ohne BH. Es war hinreißend gewesen und hatte ihm zu Bewußtsein gebracht, wie zusätzlich stimulierend die richtige ›Verpackung‹ sein kann, daß Beiwerk nur selten wirklich Bei-werk ist, sondern dem Ganzen erst die richtige Würze gibt. Er hatte gar nicht damit aufhören können, ihre zartbestrumpften Beine zu streicheln, die Wangen an ihnen zu reiben. Maren hatte seine Liebkosungen mit einem zufriedenen Lächeln genossen, zufrieden darüber, daß er die gleiche Passion zu haben schien wie sie.
Maren rollte sich mit geschlossenen Augen auf den Rücken, streckte die Beine lang aus, dabei rutschte ihr das Hemdchen soweit hoch, daß Marius den Saum ihrer Strümpfe und einen Streifen nackter Haut sehen konnte. Maren räkelte sich genüßlich, schnaufte zufrieden mit halbgeöffneten Lippen. Einen Moment verharrte sie, dann öffnete sie die Augen, entdeckte ihn sofort und lächelte ihn liebevoll an.
»Stehst du schon lange da«, fragte sie und beim Gedanken, daß er sie bereits eine ganze Weile genüßlich beobachtet hatte, durchströmte sie ein leises Glücksgefühl.
Sie mochte es, delektierte er sich an ihrem Anblick. Es bediente ihre durchaus nicht schwach ausgeprägte exhibitionistische Ader.
»Es geht«, erwiderte er, denn er konnte nicht sagen, wie lange er sie bereits betrachtet hatte.
»Komm, setze dich zu mir«, forderte sie ihn und aus ihrem entspannenden Räkeln wurde ein lüsternes.
Es machte ihr Spaß, ihn mit koketten, lasziven Gesten zu ›verführen‹, obwohl es längst nicht mehr wirklich nötig war und nicht nur, weil es nicht zu übersehen, daß er Lust auf sie hatte.
Marius setzte sich zu ihren Füßen und legte den Kopf auf ihren Schenkel. Leicht rieb er die Wange am zarten Stoff, streichelte mit den Fingern ihre Waden, fühlte den zarten Stoff unter seinen Fingern. Maren schnurrte wohlig.
Er hob den Kopf, Maren spreizte leicht die Beine und zog den Saum ihres Hemdchen noch ein Stück höher. Sie lächelte Marius einladend an.
Es würde ein angenehmer Samstagnachmittag werden.

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