Kurzes #41 · Rolf wird umsorgt
von
Armin A. Alexander

Der folgende Text ist die Fortsetzung von »Der Gipsfuß« und »Der Rekonvaleszent«
Rolf beeilte sich von nun an jeden Morgen mit dem Frühstück, um so schnell als möglich seinen Platz am Fenster einzunehmen und den Fortschritt der Renovierungsarbeiten in der gegenüberliegenden Wohnung zu beobachten. Wenn er auch am zweiten Tag nicht viel zu sehen bekam. Anscheinend war der Handwerker in den anderen Räumen beschäftigt. Durch die offenen Fenster in Bad und Schlafzimmer hörte Rolf das Radio spielen.
So vergingen weitere Tage. An dem einen sah Rolf den Handwerker, am anderen hörte er überwiegend nur das Radio. Rolf sah, wie der Handwerker zuerst Rauhfaser klebte und sie anschließend in einem leichten Beigeton strich. Wurde Rolf das Zusehen doch zu eintönig, las er ein paar Seiten in seinem Buch. Um die Mittagszeit kam Maria und kochte oder wärmte die Reste von gestern auf. Am Nachmittag erschien Bernd und hin und wieder kam auch jemand von Rolfs übrigen Freunde auf einen Sprung vorbei.
Das Brummen eines Staubsauger kann auch etwas Einschläferndes haben. Rolf saß mit innerer Zufriedenheit in seinem Sessel, die Augen geschlossen und die Hände vor dem Bauch gefaltet, der Dank dem vorzüglichen, von Maria zubereitetem Essen, satt gefüllt war.
Das Brummen des Staubsaugers wurde lauter. Rolf öffnete die Augen und sah Maria zu, wie sie gründlich den Wohnzimmerteppich bearbeitete, wobei sie ihm den Rücken zuwandte. Saugte sie unter dem Tisch oder den Stühlen, beugte sie sich weit vor und streckte ihm den schönen festen runden Po keck entgegen.
Früher hätte er dem Anblick nicht lange widerstehen können, besonders wenn sich wie jetzt ein kurzer schwarzer Lederrock über diese angenehm üppigen Formen spannte. Marias Lederrock war überhaupt sehr kurz, wie Rolf bewußt wurde. Sie trug ja mit Vorliebe kurze Röcke, aber dieser war selbst für ihre Begriffe kurz. Er konnte sich nicht erinnern, ihn jemals an ihr gesehen zu haben. Er war aus einem schönen, fast stoffweichen Glattleder, wirkte aber nicht wirklich neu. Der schwarze Blazer, der über einer Stuhllehne hing, war etwa eine Handbreit länger. Jedoch war der Rock nicht so kurz, daß er nur knapp ihren Hintern bedeckt hätte, und die Säume ihrer schwarzen Nahtnylons waren auch jetzt nur knapp zusehen.
Rolf erinnerte sich daran, wie er ihr ihr einmal gesagt hatte, daß er sie in einem engen Ledermini ungeheuer sexy fände. Rolf vertrat ohnehin den Standpunkt, daß eine entsprechend gekleidete Frau weitaus erotischer wirken konnte als eine nackte. Nacktheit ist der natürliche Zustand und der ist nicht wirklich erotisch. Eine Auffassung, die Maria teilte. Rolfs Phantasien waren dabei, sich auf einen Weg zu machen, der nicht mehr so recht zum freundschaftlichen Verhältnis, das zwischen ihm und Maria war, passen wollte.
Was man beim Staubsaugen doch für merkwürdige, scheinbar zweideutige Bewegungen macht, wunderte sich Rolf, weil ihm auffiel, daß Maria auf eine eigentümliche Weise die Hüften wiegte, die durchaus etwas kokettes besaß. Oder lag es nur an den hohen Absätzen ihrer schwarzen, zehenfreien Schuhe?
Maria schien dermaßen in ihre Arbeit versunken, daß ihr vermutlich gar nicht bewußt war, daß sie Rolf durch die vorgebeugte Haltung und weil sie auf Grund des warmen Wetter, die oberen Knöpfe ihrer graublauen Satinbluse soweit geöffnet hatte, einen tiefen Einblick in ihr üppiges Dekolleté ermöglichte. Ob sie wußte, welch reizvollen Anblick sie ihm bot?
Eine leichte Wehmut erfaßt ihn, wenn er daran dachte, wie sehr Maria es mochte, wurden ihre hübschen vollen Brüste ausgiebig auf vielfältigste Weise liebkost und wie gerne er es stets gemacht hatte.
Rolf wurde langsam von einer leichten inneren Unruhe befallen. Ihm wurde ein wenig schmerzlich bewußt, daß es schon etwas her war, seit er das letzte Mal mit einer Frau gevögelt hatte. Es war ja keine Böswilligkeit von Maria. Sie war nun einmal eine äußerst anziehende Frau mit einer starken erotischen Ausstrahlung und wenn auch noch die Erinnerung an gemeinsam verbrachte Stunden hinzukam…
Rolf versuchte den Blick abzuwenden, was ihm aber nicht gelang. Zumal Maria jetzt dicht bei ihm stand.
Sie saugte wirklich sehr gründlich unterm Tisch. Außerdem duftete sie noch verführerisch.
Wäre Rolf nicht in einer seiner Rekonvaleszenz geschuldeten Trägheit gepaart mit Selbstzufriedenheit, wäre ihm früher bewußt geworden, daß Maria entschieden zu gründlich saugte. Noch etwas mehr und der Teppichboden hatte keinen Flor mehr.
Als sie den Staubsauger mit der Spitze ihres schönen Fußes abschaltete, die dunkelrot lackierten Nägel schimmerten perlmutten durch den zarten Stoff ihrer hautfarbenen Nylons, ihr rundes zartbestrumpftes Knie war kaum einen halben Meter von seinen Gesicht entfernt, traf ihn die plötzlich eintretende Stille wie ein kleiner Schock.
Rolf blickte auf und sah, Marias eigenartiges, ein wenig zweideutiges und auch selbstzufriedenes Lächeln, ließ ihn merkwürdiges Kribbeln den Rücken hinunter verspüren.
Maria hantierte noch einen Augenblick auffällig mit dem Staubsauger, dann verließ sie das Wohnzimmer und ließ Rolf verwirrt zurück.
Hatte er es sich nur eingebildet, oder hatte sie ihn wirklich ein wenig ›verführt‹? Rolf kam in dieser Frage zu keinem Entschluß. Da er in den letzten Tagen häufiger an die Zeit zurück dachte, während der sie ihre Beziehung gehabt hatten, schloß er nicht aus, daß er einem Wunschdenken aufgesessen sein könnte.
Rolf hörte Maria in der Küche mit Geschirr klappern.
Er sah konzentriert zu der anderen Wohnung hinüber. Leider hörte er nur das Radio spielen. Das Schlafzimmer und das Bad waren fertig. Vermutlich war die ganze Wohnung so gut wie fertig. Und in den nächsten Tagen würden sicherlich die neuen Mieter einziehen. Vielleicht sollte er auch mal wieder das eine oder andere in der Wohnung ändern, sobald der Gips runter war. Obwohl er ja erst seit drei Jahren hier wohnte und eigentlich alles in bestem Zustand war. Er würde Bernd nachher fragen, was er dazu meinte. Bernd gab in solchen Dingen brauchbare Ratschläge.
Als Maria mit einem Tablett hereinkam, hatte Rolf sich wieder gefangen.
»Ich habe uns einen Tee gemacht«, verkündete sie und stellte das Tablett auf dem Couchtisch ab.
Sie schenkte zwei Tassen ein, reichte ihm eine davon und setzte sich auf die Lehne des anderen Sessels, die Beine lässig übereinandergeschlagen, wobei der kurze Lederrock scheinbar unbeabsichtigt soweit hochrutschte, daß Rolf die Säume ihrer hautfarbenen Nylons sehen konnte, die er im übrigen erotischer fand als die berüchtigten schwarzen.
Das eigenartige Gefühl in seiner Magengegend, das er vorhin bei Marias Staubsaugen empfunden hatte, kehrte wieder. Hätte er nicht gewußt, daß sie nur noch gute Freunde waren…
Er bemühte sich, nicht allzusehr auf Marias schöne, muskulöse Schenkel zu schauen, deren Anblick ihm schon immer einen sinnlichen Schauder bereitet hatte, vor allem, wenn sie zarte Nylons trug. Ohne es zu wollen, dachte er daran, wie er früher oft ihre zartbestrumpften Beine mit den Fingerspitzen auf den empfindlichen Innenseiten der Schenkel gestreichelt hatte, bevor er sich auf den Weg ins Heiligste gemacht hatte. Und wie sie es mochte, durch ihre Nylons hindurch gestreichelt zu werden. Nylons und hochhackige Schuhe waren für Maria nicht einfach nur ein modisches Accessoire, sondern auch ein erotisches Stimulans. »Das sind meine Wohlfühlsachen«, hatte sie ihm zu Anfang ihrer Beziehung erklärt, als er aus irgendeinem unerfindlichen Grund eine nicht sehr kluge Miene aufgesetzt hatte, nachdem sie lediglich ihr schickes Kleid ausgezogen und ihre Schuhe gegen ein Paar vertauscht hatte, das schon allein auf Grund der Absatzhöhe in der Regel kaum alltagstauglich war und zu denen gehörte, die Maria nur im Haus trug. Dabei gefiel es ihm ausnehmend, wenn eine Frau verführerisch gekleidet war. Und wenn er daran dachte, wie geschickt sie mit ihren zartbestrumpften Füßen sein konnte…
Er trank einen Schluck von seinem Tee und versuchte an etwas anderes zu denken.
»Einen Keks«, fragte Maria und hielt ihm die Schale hin.
Rolfs nahm mit einer leicht fahrigen Bewegung einen.
Maria rieb leicht die Waden aneinander, so daß Rolf nicht anders konnte, als sich wieder ganz ihren Beinen zuzuwenden. Mittlerweile konnte es kaum noch einen Zweifel geben, daß sie es absichtlich tat, genauso wie vorhin beim Staubsaugen ihm ihren schönen üppigen Hintern ausgiebig präsentiert hatte. Sie wußte nur zu gut, womit sie seine Aufmerksamkeit fesseln konnte. Er wußte aber auch, daß sie das Kokettieren genoß, wenn sie wußte, daß sie einen aufmerksamen Zuschauer hatte.
Er erinnerte sich plötzlich daran, wie sie einmal mitten in einer Unterhaltung begonnen hatte vor seinen Augen zu onanieren. Erst hatte sie die Hand wie gedankenverloren unter den Rock geschoben, beinahe als jucke sie dort etwas, wobei sie ihren Plauderton nicht um ein Jota veränderte. Und als sie gesehen hatte, auf welche Weise er mit dem Blick auf ihrem Schoß förmlich klebte, war sie kühner geworden.
Selbstverständlich bestand keine Gefahr, daß Maria irgend etwas Vergleichbares in diesem Moment tun würde. Aber dennoch kokettierte sie mit ihm. Nur konnte Rolf nicht sagen, warum sie es tat.
Maria streckte das rechte Bein aus und winkelte das linke leicht an. Fast berührte sie mit dem rechten Fuß Rolfs gesunden. Rolf warf unwillkürlich einen Blick auf ihren Fuß, auf den Schuh, aus dem die Zehen frech herauslugten, und mußte einen Seufzer unterdrücken, denn er dachte daran, wie sie ihm oft die Füße in den Schoß gelegt hatte, hatten sie es sich auf der Couch gemütlich gemacht und wie er ihre stets zartbestrumpften Füße mit den meist in einem dunklen Rot lackierten Nägeln massiert hatte. Er hatte selten eine Frau mit derart schönen Füßen wie Maria kennengelernt.
Maria stellte ihre Tasse auf dem Couchtisch ab.
»Ich mache mich wieder auf den Weg«, erklärte sie freundlich, aber auch mit einer leichten Distanziertheit.
Rolf nickte lediglich. Er spürte einen leichten Kloß im Hals und ein wehmütiges Gefühl. Warum nur wollte diese Frau keine feste Beziehung mit ihm?
Sie brachte das Tablett mit der Kanne und den Tassen in die Küche zurück.
Als sie wieder bei ihm war, knöpfte sie ostentativ ihre Bluse soweit zu, daß es wieder schicklicher wirkte und zog die Jacke über.
»Bis morgen«, sagte sie und dabei umspielte ein leicht schelmisches Lächeln ihre vollen Lippen.
Rolf unterdrückte einen leisen Seufzer und bedauerte, daß er fast einen ganzen Tag warten mußte, bis er sie wiedersah.
Bernd kam wenig später und lenkte Rolf von seinen Gedanken an Maria ab. Noch unterließ Rolf es, Bernd seine Eindrücke mitzuteilen. Er traute ihnen ja selbst nicht so recht.
Während der Nacht lag Rolf noch lange wach. Er dachte an Marias Besuch zurück und wollte gar nicht so recht aus Marias Verhalten schlau werden. Irgendwann übermannte ihn dann doch die Müdigkeit und der Schlaf bescherte ihm reichlich wirre Träume, die sich alle irgendwie um Maria drehten und ein Gefühl der Sehnsucht nach ihr in ihm hinterließen.
Nach dem Frühstück versuchte er, ein wenig zu arbeiten, auch um die Gedanken an Maria zu verscheuchen, aber ihm fehlte die rechte Lust. Er stand zum Glück nicht unter Termindruck.
Über Nacht war das Wetter trübe geworden und am späten Vormittag zog ein ergiebiger Landregen über die Stadt hinweg. In der Wohnung gegenüber waren die Fenster geschlossen. Rolf sah in den Regen hinaus. Genoß ein wenig die Ruhe, die ein Regentag mit sich brachte.
Maria erschien gut eine halbe Stunde später als üblich kam, wofür sie sich entschuldigte. Der Gipsfuß hatte es verhindert, daß Rolf wartend am Fenster gestand hatte. Marias Hang zur Pünktlichkeit ließ ihn unruhig werden, wenn sie nicht zur vereinbarten Stunde erschien.
Dem Wetter geschuldet trug sie eine enge dunkelblaue, schon ein wenig speckige hautenge Lederhose – die einzigen Hosen, die sie trug – wodurch ihre Hüften fast schon bäuerlich breit wirkten, aber wiederum in seinen Augen auch sehr sexy.
Doch verhielt sie sich während der ganzen Zeit, als sei nichts Besonderes, als sei sie nur da, um für ihn zu kochen und sich ein wenig mit ihm zu unterhalten. Sie blieb ohnehin nicht lange. Am späten Nachmittag würde einer ihrer besten Käufer kommen und der erwartete von ihr persönlich betreut zu werden.
Marias rein freundschaftliches Verhalten ihm gegenüber, beruhigte Rolf wieder und in der folgenden Nacht schlief er entspannter.
Maria erschien am nächsten Tag sichtlich aufgekratzt bei Rolf. Sie hatte ein gutes Geschäft gemacht, ihr bester Käufer sei in unwahrscheinlicher Geberlaune gewesen. Und um sich dafür selbst zu belohnen, und weil es wieder ein strahlender Frühlingstag war, hatte sie sich am Morgen ein helles, großgemustertes körperbetontes Seidenkleid gekauft und es bereits angezogen. Sie zeigte es Rolf von allen Seiten. Es war so körperbetont, daß sie darunter nur wenig tragen konnte. Zumindest keinen BH, denn der hätte sich unschön durchgezeichnet. Lediglich die Halter ihrer Strapse zeichneten sich als leichte Schatten ab.
Ihre Begrüßung fiel herzlicher, doch immer noch geschwisterlich genug aus. Trotzdem erfüllte es Rolf erneut mit einem leichten Unbehagen.
Wie vor zwei Tagen, setzte sie sich wieder auf die Sessellehne, die langen Beine ausgestreckt und tat alles, damit sein Blick auf ihnen ruhte und erzählte ausführlich vom Verkaufsgespräch.
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