Kurzes #94 · Der ›Hausdiener‹
von
Armin A. Alexander

Fortsetzung von »Der Einzug« und »Die Wette«
Der Tisch im Wohnzimmer war gedeckt, der Tee fertig gezogen, das Teelicht im Stövchen angezündet, das Gebäck ansprechend kredenzt, als Nora das Wohnzimmer betrat.
Er ist nicht nur fürs grobe Handwerkliche zu gebrauchen, dachte sie anerkennend.
Dafür staunte er nicht schlecht, als er sie sah. Er kannte sie bisher ja nur in legerer Kleidung und meist ungeschminkt. Zwar war die beige Seidenbluse fast züchtig geschlossen, aber dafür betonte sie ihre ansehnlichen Brüste umso mehr. Der enge elegante Rock aus schwarzer Seide legte sich wie eine zweite Haut um ihren schönen Po und die breiten Hüften, die langen Beine umhüllten zarte schwarze Nahtnylons. Es war das erste Mal, daß er sie in Schuhen mit derart hohen schlanken Absätzen sah. Ihr Make-up ließ sie reifer erscheinen. Sie wirkte nun wie eine Dame, für die es selbstverständlich ist, sich einen Diener zu halten.
Sie begutachtete mit der Miene einer Hausherrin, die gewohnt ist, mit Personal umzugehen, alles aufmerksam.
»Ja, ich bin zufrieden mit dir«, wandte sie sich in herrschaftlichem Tonfall an ihn, an dem nichts gespielt wirkte. Sie ging ganz in ihrer Herrschaftsrolle auf.
Es bereitete ihm keinerlei Schwierigkeiten, sie sich als Hausherrin in einer herrschaftlichen Villa mit reichlich Personal vorzustellen. Er stand leicht abseits und weidete sich an ihrem Anblick. Ein eigenartiges Gefühl von Hingezogenheit zu dieser reizvollen jungen Frau, deren Körperhaltung kaum noch etwas mit jener gemein hatte, die er bisher kennengelernt hatte, durchströmte ihn. Da war nichts mehr von der Mädchenhaftigkeit, der scheinbaren Zurückhaltung zu spüren, die er bisher bei ihr kennengelernt hatte. Hatte er sich bisher durchaus vorstellen können, daß sich etwas zwischen ihnen entwickelte, so erschien ihm das nun in weite Ferne gerückt. Eine Frau wie die, die jetzt gemessenen Schrittes alles genau prüfend um den Tisch herumging, die vor Selbstbewußtsein und damenhafter Eleganz nur so zu strotzen schien, bevorzugte sicherlich Männer, die ihr ebenbürtig waren.
Bevor er irgend etwas sagen konnte, klingelte es.
Nora warf einen Blick auf die Wanduhr.
»Das ist Maren. Pünktlich wie immer. Gehe ihr öffnen.«
Erst als er fast die Wohnungstür erreicht hatte, wurde er sich bewußt, daß sein Aufzug, höflich gesagt, etwas ungewöhnlich war. Und wenn es nicht Noras Freundin war, sondern eine Nachbarin oder irgend jemand anderer ahnungsloser? Doch war es zu spät, noch einen Rückzieher zu machen. Mit wild klopfendem Herzen und feuchten Handflächen öffnete er.
»Dann hat Nora es also geschafft!« Die von Enttäuschung begleitete Aussage der Frau, die vor ihm stand, erleichterte ihn und sagte ihm, daß sie Maren sein mußte.
Maren trat an ihm vorbei in die Diele, wobei sie ihn kurz und leicht von oben herab musterte, wie man eben die neue Dienerschaft einer guten Freundin mustert.
Schnell schloß er die Tür hinter ihr, damit niemand Unbefugtes Gelegenheit bekam, zu sehen, was er nicht sehen sollte.
Hatte er zuerst geglaubt, in Nora den Prototyp der hochherrschaftlichen Dame zu sehen, so belehrte Marens Erscheinung ihn eines besseren. Ihr Auftreten war noch um einiges selbstsicherer. Zudem gehörte sie zu den Frauen, die man(n) eigentlich meist nur bestaunt; groß, traumhafte feminine Figur, von den Zehen bis zu den Haarspitzen perfekt gestylt, langes schweres schwarzes Haar, dunkle tiefgründige Augen, maßgeschneidertes rotes Lederkostüm, edle graue Seidenbluse, zarte rote Nylons, rote maßgefertigte zehenfreie Schuhe auf denen sich nicht das kleinste Stäubchen zeigte, mit atemberaubend hohen Absätzen, auf denen sie sicher und würdevoll ging. Nein, eine Frau wie Maren ging nicht, sie schritt und schwebte dabei beinahe über dem Boden, wenn nicht gar über den Dingen an sich. Gegen sie wirkte Nora auf ihn sofort wieder etwas mehr wie die ein bißchen zu brave junge Frau von nebenan.
Die Freundinnen umarmten sich herzlich.
Steffen blieb im Rahmen der Wohnzimmertür stehen, wartete auf Anweisungen und genoß die Gegenwart zweier derart interessanter Frauen.
»Gratuliere, daß du es geschafft hast«, trug Maren ihre Niederlage mit Würde und Anerkennung für die Siegerin. »War es schwer?«
»Es ging«, meinte Nora leicht hin und wich seinem Blick für einen Moment sichtlich verlegen aus.
»Geschmack hast du jedenfalls. Obwohl der letzte …«
»Wir wollen nicht weiter daran denken«, fiel Nora ihr ins Wort, bevor Maren etwas sagen konnte, das ihn mißtrauisch machen könnte. »Setzen wir uns, Tee muß heiß getrunken werden.«
Ein schelmisches Lächeln umspielte Marens tiefrot geschminkte volle Lippen.
Beide Frauen setzten sich mit einer fließenden, damenhaft würdevollen Bewegung und schlugen die schönen langen Beine auf eine Weise übereinander, die elegant und kokett zugleich war und keinen Zweifel daran ließ, daß sie nicht nur um die Schönheit ihrer Beine wußten, sondern sie zugleich in stolzer Selbstverliebtheit gerne präsentierten, im Wissen darum, daß ein Bewunderer in ihrer Nähe war.
Steffen glaubte ein leises Knistern des zarten Stoffs ihrer edlen Nylons beim Übereinanderschlagen zu vernehmen und für den Moment wollte ihm der Atem stocken.
»Schenkst du uns ein?« Trotz der freundlichen Weise, mit der Nora es sagte, war es unüberhörbar ein Befehl.
Er gab sich einen Ruck und hoffte, daß er vor Aufregung nicht zitterte, wenn er den Tee einschenkte. Aber seine Hand blieb erstaunlich ruhig. Er wußte, daß jede Ungeschicklichkeit seinerseits negativ auf Nora zurückwirken und dieser überaus stolzen Maren einen Grund zur Häme geben würde. Zugleich glaubte er sicher zu sein, daß Nora ihn für seine Ungeschicklichkeit ›strafen‹ würde. Womöglich noch in Marens Gegenwart, um sich keine Blöße zu geben.
Er reichte Maren höflich als erste eine Tasse, nachdem er sich bei ihr mit serviler Freundlichkeit erkundet hatte, ob sie etwas in den Tee nehme.
Er ging ganz in seiner Rolle auf. Ihm wurde nicht einmal bewußt, daß es sich lediglich um eine Rolle handelte, die er spielte, und er, hätte man ihm von einer solchen Situation erzählt, nur schallend gelacht und behauptet hätte, daß es ihm anstelle des Mannes nicht eine Minute gelungen wäre ernst zu bleiben. Aber weil keiner der Anwesenden an dieser Situation etwas Erheiterndes oder gar Lächerliches fand, besaß es auch für ihn nichts Erheiterndes oder gar Lächerliches.
Maren nahm die von ihm dargebotene Tasse mit einem freundlichen, doch zugleich auch herablassenden Lächeln entgegen, wobei sie ihn musterte, als sei sie dabei einen Zuchthengst auf seine Qualitäten für ihre rossige Zuchtstute zu überprüfen, bevor sie sich zu einer Kaufzusage entschloß.
Ihm war dieser Blick nicht unangenehm; es mußte reizvoll sein, einer Frau wie ihr zu Willen zu sein.
Als er Nora ihre Tasse reichte, bemerkte er leichte Unsicherheit in ihrem Blick, auch glaubte er, daß ihr »Danke« etwas belegt klang. Doch beides schien nur für einen Augenblick vorhanden zu sein. Dann war sie wieder hochherrschaftliche Dame.
Nachdem beide Frauen ihren Tee entgegengenommen hatten, trat er einen Schritt zurück und blieb in angemessener Entfernung in aufrechter Haltung stehen, die Hände hinter dem Rücken gefaltet und auf weitere Anweisungen wartend.
Nora und Maren tranken ihren Tee, aßen von dem Gebäck und plauderten unbefangen miteinander, als seien sie allein. Steffen schien für sie zu einem Einrichtungsgegenstand geworden zu sein, der nur wahrgenommen wird, wird er benötigt.
Auf den Inhalt ihrer Gespräche achtete er kaum. Er bemühte sich, so würdevoll und unauffällig wie möglich dazustehen und ließ die Blicke von der einen zur anderen wandern.
Obwohl Maren in seinen Augen eindeutig die aufregendere von beiden Frauen war, ihm vor allem ihr schickes Lederkostüm mit dem engen seitlich geschlitzten Rock, der einen schmalen Streifen des Strumpfsaumes sehen ließ, gefiel, fühlte er sich unzweifelhaft zu Nora hingezogen und stellte sich vor, wie gut ihr ein solches Kostüm stehen würde. Für ihn war es zur Herzensangelegenheit geworden, daß sie vor ihrer Freundin mit ihm glänzte. Er schien bereit, alles dafür zu tun. Zum Glück für ihn – oder auch nicht, das kam auf den Standpunkt an – war sich Nora nicht sicher, ob sie von ihm tatsächlich schon uneingeschränkte Ergebenheit erwarten konnte, ganz gleich, was sie vor den Augen ihrer Freundin von ihm verlangen würde. An diesem Nachmittag beschränkte sie sich noch darauf, sich von ihm bedienen zu lassen.
Im Grunde tat er die ganzen zwei Stunden, die Marens Besuch dauerte, nichts anderes als den Frauen Tee und Gebäck zu reichen und darüber hinaus möglichst würdevoll und unauffällig dazustehen. Daß er ihnen damit einen mindestens ebenso anregenden Anblick bot wie sie ihm, war ihm nicht einen Augenblick bewußt. Obwohl gerade Maren ihm immer wieder Blicke zuwarf, die ihn zum reinen Lustobjekt degradierten, ihm aber alles andere als mißfielen, auch wenn er sich lieber von Nora so ansehen ließ, die jedoch – noch – nicht die Ungezwungenheit besaß, ihn uneingeschränkt als reines Objekt ihrer Lust, als ihr ›Eigentum‹ zu sehen.
Als Maren wie beiläufig zu erzählen begann, wie reizvoll sie enge Lederhosen bei Männern fand, besonders wenn diese einen richtigen Knackarsch hatten und im Schritt bestens ausgestattet waren, wurde ihm auf einmal ganz schön warm, obwohl er wenig trug und im Raum eigentlich eine angenehme Temperatur herrschte. Obwohl sie sich mit keiner Silbe auf ihn direkt bezog, war weder für ihn noch für Nora unüberhörbar, daß sie ausschließlich von ihm sprach, zumal sie ihn immer wieder auf eine Weise ansah, als wollte sie ihn jeden Augenblick als praktisches Beispiel auf eine durchaus handfeste Weise vorführen, weshalb er für ihn ärgerlicherweise eine Erektion bekam, die in den engen Shorts sehr unangenehm war.
Er bemühte sich weiterhin um Haltung und nicht an das angespannte Gefühl in seinen engen Shorts zu denken, was ihm nicht wirklich half. Zumal mittlerweile auch Nora auf seinen Schritt mit einem Blick sah, der keinen Zweifel an ihren Gedanken ließ, wenn auch, anders als Maren, auf mehr zärtliche Weise.
Wohl mehr, weil Maren das Thema bald langweilig wurde und weil er Haltung bewahrte, wechselte sie zu einem anderen, unverfänglicheren Thema – unverfänglich vor allem für ihn – so daß sich die Lage in seinen Shorts bald entspannte, was ihn nur bedingt erleichterte, denn grundsätzlich hatte er es genossen, von Maren und Nora als reines Lustobjekt betrachtet zu werden.
Lange blieb Maren nicht mehr. Sie verabschiedete sich herzlich von ihrer Freundin. Er ging ihnen voran zur Tür. Er spürte körperlich, wie sie sichtlich lüstern auf seinen Hintern schauten, was erneut für Spannung in seinem Schritt sorgte.
Nachdem er die Tür hinter Maren geschlossen hatte und das Klacken ihrer hohen Absätze im Treppenhaus auf dem Weg nach unten verhallt war, atmete er tief durch.
Nora und er standen sich abwartend gegenüber. Das Verhalten einer Herrin wich etwas von ihr. Obwohl es besser gelaufen war, als sie gehofft hatte, fühlte sie leichte Verlegenheit in sich aufsteigen, die aber schnell einem Gefühl von liebevoller Zuneigung für ihn Platz machte.
Er war noch unschlüssig, wie er sich weiterhin verhalten sollte, verspürte noch wenig Lust, seine Rolle bereits jetzt aufzugeben.
Nora trat auf ihn zu, legte ihm die Hände auf die Schultern, küßte ihn zärtlich auf den Mund, wobei sie sich leicht hinunterbeugen mußte, denn auf ihren beinahe turmhohen Absätze war sie etwas größer als er. Er spürte ihren warmen, nach Tee und Gebäck riechenden Atem.
»So, und jetzt bekommst du deine Belohnung«, sagte sie aufgekratzt und mit leuchtenden Augen, schließlich verspürte sie, spätestens seit Maren sich über seine augenscheinlichen Vorzüge ausgelassen hatte, auch in ihrem Schritt Spannung.
Belohnung ist ein wichtiger Teil der Erziehung, auch wenn sich der Erzieher unter Umständen damit selbst mehr belohnt. Seine Erziehung zu ihrem persönlichen Diener hatte eben erst begonnen, wenn auch vielversprechend.
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