Schlagwort-Archiv »Literatur«
Montag, den 4. Januar 2010 von: Armin A. Alexander

’s Moralisieren is leicht, wenn man die Welt vom grünen Talgrund aus betrachtet, ich aber schau’ sie vom Gipfel der kahlsten aller Felsen, vom Kulminationspunkt alles Elends an, und in dieser Vogelperspektiv’ haben die bausbackigen Sentenzen eine hohle, nichtige Gestalt!
Johan Nestroy (1801–1862) aus: Nestroy zum Vergnügen
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Donnerstag, den 31. Dezember 2009 von: Armin A. Alexander

Eine weitere Kurzgeschichte zum Thema »Fetischismus«.
Marius fuhr den Rechner hinunter. Er hatte doch länger gearbeitet, als er vorgehabt hatte, war aber fertig geworden. Er stand auf und streckte die vom langen Sitzen steifen Glieder. Er trat auf den Balkon hinaus. Es war ein schöner Spätsommertag. Stimmengemurmel drang von den Nachbarbalkonen zu ihm. Er atmete tief durch und ging wieder ins Wohnzimmer zurück. Er wollte nach Maren sehen. Sie hatte sich vor zwei Stunden ins Schlafzimmer zurückgezogen, um zu lesen.
Er blieb im Türrahmen des Schlafzimmers stehen. Maren lag schräg auf dem Bett mit dem Rücken zu ihm. Sie hatte den Kopf auf den linken Arm aufgestützt, das linke Beine ausgestreckt und das rechte angewinkelt, mit den Fingern der Rechten hielt sie das vor ihr liegende Buch auf der Matratze fest. Sie war derart in ihre Lektüre vertieft, daß sie ihn nicht zu bemerken schien. Marius nutzte die Gelegenheit, um Maren zu betrachten und lehnte sich mit der Schulter an den Türrahmen.
Maren blätterte eine Seite um und rieb dabei mit dem rechten Bein leicht am linken. Marius glaubte zu hören, wie der Stoff ihrer zarten hautfarbenen Strümpfe leise knisterte. (mehr …)
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Donnerstag, den 31. Dezember 2009 von: Armin A. Alexander

Die zweite Kurzgeschichte zum Thema Fetischismus.
Wohl oder übel würde Tillmann das letzte Stück Weg laufen müssen, wollte er nicht bis auf die Haut durchnäßt werden. Im allgemeinen mochte er den Frühlingsregen, aber nicht unbedingt, wenn er sich mittendrin und ohne Schirm befand. Diese praktische Erfindung lag wieder einmal dort, wo sie in einer solchen Situation nicht liegen sollte: bei ihm zu Hause in der Diele auf dem Schuhschrank. So konnte er ihn unterwegs zwar nirgendwo liegen lassen, doch dafür war ihm jetzt eine kostenlose Dusche sicher.
Natürlich war der Himmel bereits mit dichten grauen Wolken tief verhangen gewesen als er das Haus verlassen hatte. Zeichen genug zu überprüfen, ob man denn nun das tragbare Regendach mitgenommen hatte und wenn nicht, noch einmal bequem umkehren konnte um es zu holen. Doch wie dem meist so ist; man vertraut naiv auf sein mehr als zweifelhaftes Glück und fordert mit dieser Gleichgültigkeit der Macht der Elemente gegenüber, diese geradezu heraus, einem zum ungezählten Male zu beweisen, daß ihre eindeutigen Vorankündigungen stets Ernst zu nehmen sind. (mehr …)
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Dienstag, den 29. Dezember 2009 von: Armin A. Alexander

Wenn Müßigang aller Laster Anfang ist, so seh’ ich nicht ein, warum gerade die arbeitende Klasse schlecht sein soll.
Johan Nestroy (1801–1862) aus: Nestroy zum Vergnügen
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Montag, den 21. Dezember 2009 von: Armin A. Alexander

Wer immer nur versucht das gerade Machbare zu erreichen, erreicht am Ende nichts.
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Mittwoch, den 16. Dezember 2009 von: Armin A. Alexander

Zwar ist bis Weihnachten noch eine Woche hin und der Frühling erscheint einem nicht nur auf Grund des Winters noch in weiter Ferne. Doch kann ein kleiner Ausblick darauf nicht schaden. Mein Roman »Adalberts Erbe« wird zwar aus mehreren Gründen wohl erst im kommenden Frühjahr erscheinen können, doch ist er im großen und ganzen einschließlich Einband fertiggestellt, den ich hier bereits vorab präsentiere nebst dem Klappentext.


Klappentext
Malte erbt von seinem geliebten Patenonkel zur Hälfte dessen großes altes Haus und Vermögen. Wer sein Miterbe ist, soll Malte von diesem selbst erfahren. Als Malte für einige Zeit in das Haus zieht, in dem er die schönste Zeit seiner Kindheit verbracht hat, begegnet er der faszinierenden Zoí«. Zwischen Malte und Zoí« entwickelt sich eine leidenschaftliche Beziehung. Bis Zoí« eines Tages plötzlich verschwindet. Malte glaubt, sie auf immer verloren. Als er einen Termin beim Notar bezüglich seiner Erbschaft wahrnimmt, erwartet ihn eine Überraschung, die das Bild, das er von seinem Patenonkel besitzt, in ein ganz neues Licht rückt.
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Montag, den 14. Dezember 2009 von: Armin A. Alexander

Ihm sagen die über die Knie reichenden Röcke, die nahezu wadenlangen, mehr zu. Die nur die Hälfte der Waden zeigen, den Beginn dieser mal mehr weniger ausgeprägt geschwungenen Linie, die Fesseln. Den Rest gibt er lieber seiner Phantasie anheim. Zarte Strümpfe in allen Farben und hochhackiges Schuhwerk, bevorzugt mit schlanken, nicht zwingend dünnen Absätzen, sind seinen Augen ein Labsal. Aber auch flache Schuhe können unter Umständen einen reizvoll harmonischen Abschluß bilden.
(Zitat aus der Erzählung »Ein Bewunderer« aus dem Band
»Geheimnisvolles Rendezvous«)
Ein Zitat mit unverkennbar fetischistischem Bezug, das zugleich gut das Wesen des Fetischismus beschreibt. Das Zitat ist aus der – männlichen – voyeuristischen Sicht; bezeichnen wir es einmal als passiven Fetischismus. Er genießt den Anblick zartbestrumpfter Frauenbeine nicht nur, weil sie für ihn ein erotisches Stimulans sind, sondern auch, weil sie nicht alle natürlichen Reize entblößen, sondern teilweise verhüllen. »[…] Den Rest gibt er lieber seiner Phantasie anheim. […]« Fetischismus als Reiz der verheißungsvollen Verhüllung, die zwar einiges sehen, aber noch mehr Raum für die Phantasie läßt. Doch davon später noch.
Fetischismus ist gleichermaßen die Freude am Betrachten einer reizvollen »Verpackung« wie auch der Genuß an »Verkleidung«, am Tragen dieser »Verpackung«.
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Samstag, den 12. Dezember 2009 von: Armin A. Alexander

Der folgende Text ist eine Passage aus dem noch mitten im Entstehen befindlichen Roman »Eine Lesereise«. Der Protagonist Kai stellt die Beziehung Verleger–Autor etwas deutlich dar.
»Weißt du schon, was du aus deinem Werk vorträgst?« wechselte Kais Verleger das Thema.
»Ich dachte einen Querschnitt aus meinem gesamten Schaffen«, meinte Kai von einem leichten Grinsen begleitet, das seinem Verleger leicht erschrocken aufhorchen ließ.
Kai lachte in sich hinein, wie leicht war es doch, seinen Verleger aus seiner scheinbar unerschütterlichen Ruhe zu bringen. (mehr …)
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