Kategorie-Archiv »Erotisches«

Kurzes #24 – Hundstage

Eine weitere Geschichte zum Thema Fetischismus, in der sich zwei Frauen an einem heißen Sommertag eine besondere Abkühlung verschaffen.

 

Ellen bewunderte ihre Freundin Isabelle zum Teil für das, was sie selbst nicht war, oder nicht glaubte zu sein. Sie bewunderte ihre Spontanität und ihren Esprit, daß sie es verstand sich mit damenhafter Eleganz zu kleiden, stets von einer Portion Koketterie und bisweilen auch von mehr als einer Portion begleitet. Ein wenig Neid verursachte ihr der Umstand, daß sie es verstand, auf den überwiegend beinahe turmhohen Absätze ihrer eleganten Schuhe ebenso damenhaft wie sicher zu gehen, in das sie nicht selten ein kaum mehr unterschwelliges laszives Wiegen der Hüften mischte, was Ellen zu ihrem Bedauern leider nicht gelingen wollte, obwohl sie gleichfalls eine Passion für hochhackiges Schuhwerk besaß. Bisher war sie nicht über eine mittlere Absatzhöhe hinausgekommen, worüber sie sich gelegentlich bei der Freundin beklagte, die ihr darauf – nicht unberechtigt – vorwarf, daß es ihr an der nötigen Geduld mangelte, es zu erlernen. Ellen mußte sich widerstrebend eingestehen, daß die Freundin richtig lag; Geduld war noch nie ihre Stärke gewesen. Somit fristeten die wenigen wirklich hochhackigen Schuhe, die sie sich im Laufe der Zeit angeschafft hatte, in ihrem Schuhschrank ein Schattendasein. Obwohl sie die attraktivere von ihnen war und sich in keiner Weise wie ein Mauerblümchen gab, richtete sich dennoch die Aufmerksamkeit stets auf Isabelle, erschienen beide Frauen gemeinsam irgendwo. Kleider machen halt doch Leute!

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Kurzes #23 – Ein Samstagnachmittag

Eine weitere Kurzgeschichte zum Thema »Fetischismus«.

 

Marius fuhr den Rechner hinunter. Er hatte doch länger gearbeitet, als er vorgehabt hatte, war aber fertig geworden. Er stand auf und streckte die vom langen Sitzen steifen Glieder. Er trat auf den Balkon hinaus. Es war ein schöner Spätsommertag. Stimmengemurmel drang von den Nachbarbalkonen zu ihm. Er atmete tief durch und ging wieder ins Wohnzimmer zurück. Er wollte nach Maren sehen. Sie hatte sich vor zwei Stunden ins Schlafzimmer zurückgezogen, um zu lesen.

Er blieb im Türrahmen des Schlafzimmers stehen. Maren lag quer auf dem Bett, ihm den Rücken zugewandt. Sie hatte den Kopf auf den linken Arm aufgestützt, das linke Beine ausgestreckt und das rechte angewinkelt, mit den Fingern der Rechten hielt sie das vor ihr liegende Buch auf der Matratze fest. Sie war derart in ihre Lektüre vertieft, daß sie ihn nicht zu bemerken schien. Er nutzte die Gelegenheit, um sie zu betrachten und lehnte sich mit der Schulter an den Türrahmen.

Sie blätterte eine weitere Seite um und rieb dabei mit dem rechten Bein leicht am linken. Er glaubte zu hören, wie der Stoff ihrer zarten hautfarbenen Strümpfe leise knisterte.

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Kurzes #22 – Begegnung im Café

Die zweite Kurzgeschichte zum Thema Fetischismus.

 

Wohl oder übel würde Tillmann das letzte Stück Weg laufen müssen, wollte er nicht bis auf die Haut durchnäßt werden. Im allgemeinen mochte er den Frühlingsregen, aber nicht unbedingt, wenn er sich mittendrin und ohne Schirm befand. Diese praktische Erfindung lag wieder einmal dort, wo sie in einer solchen Situation nicht liegen sollte: bei ihm zu Hause in der Diele auf dem Schuhschrank. So konnte er ihn unterwegs zwar nirgendwo liegen lassen, doch dafür war ihm jetzt eine kostenlose Dusche sicher.

Natürlich war der Himmel bereits mit dichten grauen Wolken tief verhangen gewesen als er das Haus verlassen hatte. Zeichen genug zu überprüfen, ob man denn nun das tragbare Regendach mitgenommen hatte und wenn nicht, noch einmal bequem umkehren konnte, um es zu holen. Doch wie dem meist so ist; man vertraut naiv auf sein mehr als zweifelhaftes Glück und fordert mit dieser Gleichgültigkeit der Macht der Elemente gegenüber, diese geradezu heraus, einem zum ungezählten Male zu beweisen, daß ihre eindeutigen Vorankündigungen stets ernst zu nehmen sind.

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Fetischismus – Kultivierung des Sexuellen

 

Ihm sagen die über die Knie reichenden Röcke, die nahezu wadenlangen, mehr zu. Die nur die Hälfte der Waden zeigen, den Beginn dieser mal mehr weniger ausgeprägt geschwungenen Linie, die Fesseln. Den Rest gibt er lieber seiner Phantasie anheim. Zarte Strümpfe in allen Farben und hochhackiges Schuhwerk, bevorzugt mit schlanken, nicht zwingend dünnen Absätzen, sind seinen Augen ein Labsal. Aber auch flache Schuhe können unter Umständen einen reizvoll harmonischen Abschluß bilden.

(Zitat aus der Erzählung »Ein Bewunderer« aus dem Band
»Geheimnisvolles Rendezvous«)

Ein Zitat mit unverkennbar fetischistischem Bezug, das zugleich gut das Wesen des Fetischismus beschreibt. Das Zitat ist aus der – männlichen – voyeuristischen Sicht; bezeichnen wir es einmal als passiven Fetischismus. Er genießt den Anblick zartbestrumpfter Frauenbeine nicht nur, weil sie für ihn ein erotisches Stimulans sind, sondern auch, weil sie nicht alle natürlichen Reize entblößen, sondern teilweise verhüllen. »[…] Den Rest gibt er lieber seiner Phantasie anheim. […]« Fetischismus als Reiz der verheißungsvollen Verhüllung, die zwar einiges sehen, aber noch mehr Raum für die Phantasie läßt. Doch davon später noch.

Fetischismus ist gleichermaßen die Freude am Betrachten einer reizvollen »Verpackung« wie auch der Genuß an »Verkleidung«, am Tragen dieser »Verpackung«.

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Kurzes #14 – Die Marmeladentörtchen

Er hörte das Wasser im Bad rauschen. Er schmunzelte vor sich hin. Sie machte sich für ihn frisch. Er suchte nach den Keksen. Es waren gekaufte, noch in Zellophan einpackt. Er berührte die Packung mit spitzen Fingern, als enthielte sie etwas ganz besonders Abstoßendes. Zwar war es eine bessere Marke, aber das war nichts gegen selbstgebackene! Nachdem er sich vorhin soviel Mühe gegeben hatte, erschien es ihm als Sakrileg, ihr fertige Kekse zum Tee zu servieren. Vor allem da ihre Tees sorgsam ausgewählte Mischungen waren. Wie konnte jemand mit soviel Stil bei einer Sache nur so nachlässig bei einer anderen sein? Nein, das würde er nicht mitmachen. Das war ein Fall für seine berühmten Marmeladentörtchen. (mehr …)

Kurzes #11 – Der Stuhl

Der folgende Text ist ein weiterer Auszug aus dem in kürze erscheinenden Buch »Nachhilfestunden«. Darin wird erzählt wie Rüdiger durch Zufall zu einem altersschwachen Stuhl kommt, der ihm aber gute Dienste bei der Lösung von Ullas Konzentrationsproblem leisten wird.

„Was macht dein Nachhilfeschüler“, fragte Rolf mehr mit beiläufigem Interesse, während er angestrengt im Küchenschrank kramte.
Er war ein ebenso passionierter Kaffeetrinker wie Rüdiger ein Teetrinker, weshalb er sich aus alter Freundschaft heraus und als guter Gastgeber gezwungen sah, Tee aufzugießen. Irgendwo mußte er noch welchen haben. Er hatte doch immer Tee im Haus. Man wußte ja nie, wer zu Besuch kam. Es wäre mehr als peinlich am bewußten Morgen danach auf die Frage: „Hast du auch Tee?“ antworten zu müssen: „Wie? Tee? Du trinkst Tee?“ Wie viele hoffnungsvolle Beziehungen hatten auf diese Weise schon ein jähes Ende genommen, bevor sie sich richtig entfalten konnten? (mehr …)

Kurzes #9 – Auf allen vieren

Da für die Neugierigen ein Titelbild sicherlich nicht genug ist. 😉 Hier noch ein weiterer Auszug aus den »Nachhilfestunden«

Für den heutigen Tag hatte er ihr per SMS mitgeteilt, was sie anziehen sollte. Im ersten Moment war für sie der Zusammenhang nicht klar, denn es war nichts Besonderes, was er verlangte, nichts was sie nicht sowieso gerne trug, aber vermutlich an diesem Tag nicht unbedingt ausgewählt hätte. Eine einfache weiße Bluse, einen schwarzen kurzen engen Rock, schwarze Nylons, schwarze hochhackige Schuhe und keine Dessous bis auf die nötigen Strumpfhalter war seine Anweisung gewesen. Vor dem Spiegel stehend, fand sie, daß sie allzu sehr wie eine brave Geschäftsfrau wirkte. Und weil sie das störte, schminkte sie sich die Lippen ziemlich stark in einem auffälligen Rotton, so sah sie weniger brav aus – glaubte sie. (mehr …)

Kurzes #6 – Die anonymen Aquarelle

Erst als ich den großen grauen kartonverstärkten Umschlag mit der übrigen Post auf meinen Schreibtisch legte, sah ich, daß er nicht mit der regulären Post gekommen sein konnte, da nur mein Name in einer mir unbekannten Handschrift darauf stand, was verständlicherweise meine Neugierde weckte. Ich schnitt ihn auf. Er enthielt lediglich ein Blatt rauhes Aquarellpapier.
Es war ausgezeichnet und mit großer Liebe zum Detail gearbeitet. Es zeigte eine große Frau mit einem ausgeprägt femininen, nahezu perfekten Körper und taillenlangen, dichten dunklen Haaren. Sie stand leicht nach links gewandt im Kontrapost. Sie hielt ein großes, beiges flauschiges Handtuch vor dem Bauch, den Blick leicht nach unten gerichtet, das Gesicht vollständig von den Haaren bedeckt. Im Gegensatz zur Detailverliebtheit, mit der sie dargestellt war, war der sie umgebende von warmem Licht durchflutete Raum lediglich mit zwei, drei Strichen angedeutet, die aber genügten, um ein Bad erkennen zu lassen. (mehr …)

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