Kategorie-Archiv »Literarisches«

Zitat des Tages #120

Das seltsame Rezept

Es ist sonst kein großer Spaß dabei, wenn man ein Rezept in die Apotheke tragen muß; aber vor langen Jahren war es doch einmal ein Spaß. Da hielt ein Mann von einem entlegenen Hof eines Tages mit einem Wagen und zwei Stieren vor der Stadtapotheke still, lud sorgsam eine große tannene Stubentüre ab und trug sie hinein. Der Apotheker machte große Augen und sagte: »Was wollt Ihr da, guter Freund, mit Eurer Stubentüre? Der Schreiner wohnt um zwei Häuser links.« Dem sagte der Mann, der Doktor sei bei seiner kranken Frau gewesen und habe ihr wollen ein Tränklein verordnen, so sei in dem ganzen Haus keine Feder, keine Tinte und kein Papier gewesen, nur eine Kreide. Da habe der Herr Doktor das Rezept an die Stubentüre geschrieben, und nun soll der Herr Bachin so gut sein und das Tränklein kochen.

Item, wenn es nur gut getan hat. Wohl dem, der sich in der Not zu helfen weiß.

Johann Peter Hebel (10.5.1760–22.9.1826)

Gummifetischismus – Eine (Liebes-)Erklärung

Einleitung

 

Sexueller Fetischismus, der wohl die harmloseste und unschuldigste sexuelle Vorliebe überhaupt sein dürfte und der seinen Grund vermutlich in der stark optischen und haptischen orientierten Wahrnehmung des Menschen hat, ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit. Die auf Gummi bezogene Variante ist notwendigerweise an die Erfindung des Materials gebunden und zählt daher zu den noch relativ jungen Material-Fetischen. Jünger ist die Variante für PVC und vergleichbare Kunststoffe, die in ihrer Form Überschneidungen zum Gummifetischismus aufweist und so mancher Gummifetischist, mich eingeschlossen, kann auch dem PVC beziehungsweise mit PVC beschichteten Geweben, hauptsächlich in Form von Regenbekleidung, einen erotischen Reiz abgewinnen. PVC erscheint vielen als allerdings auch als weniger edel, was nicht zwingend sein muß. Hier jedoch ist in erster Linie der Fetischismus für Gummi das Thema.

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Kurzes #91 – Eine Hochzeitsnacht

Eine gummifetischistische Geschichte

Karen, laut Selbstbeschreibung eine ›ganz gewöhnliche Gummifetischistin‹, womit sie hervorzuheben pflegt, daß sie darüber hinaus eine lupenreine Vanilla sei – was auch alter Freundschaft unkommentiert bleiben sollte – sammelt ›historische‹ – also längst nicht mehr hergestellte – Gummimäntel, bevorzugt von Klepper. Ihren ersten Kleppermantel hatte sie vor vielen Jahren erstanden, schließlich üben diese auf viele Gummifetischisten eine besondere Faszination aus, bei manchen bezieht sich ihr Fetischismus besonders auf diese. Ihren ersten in natura hatte sie während des Besuchs ihrer zweiten oder dritten Fetischparty bei einer Frau in mittleren Jahren gesehen und war vom ersten Moment an von der Leichtigkeit des Materials und der seidigen Oberfläche optisch wie haptisch begeistert. Sie mußte unbedingt auch einen in ihrem Besitz haben. Es blieb nicht bei diesem einen, sondern es wurde recht schnell eine Sammelleidenschaft daraus, die sich bald auf alle Arten von Gummimäntel und Regenbekleidung aus Gummi überhaupt ausgedehnt hat. Wie jeder Sammler kann sie lange und mit Verve von ihrer Leidenschaft berichten. (mehr …)

Zitat des Tages #119

Das wohlfeile Mittagessen

Es ist ein altes Sprichwort: Wer andern eine Grube gräbt, fällt selber darein. – Aber der Löwenwirt in einem gewissen Städtlein war schon vorher darin. Zu diesem kam ein wohlgekleideter Gast. Kurz und trotzig verlangte er für sein Geld eine gute Fleischsuppe. Hierauf forderte er auch ein Stück Rindfleisch und ein Gemüs für sein Geld. Der Wirt fragte ganz höflich: ob ihm nicht auch ein Glas Wein beliebe? »O freilich ja!« erwiderte der Gast, »wenn ich etwas Gutes haben kann für mein Geld.« (mehr …)

Zitat des Tages #118

Das Mittagessen im Hof

Man klagt häufig darüber, wie schwer und unmöglich es sei, mit manchen Menschen auszukommen. Das mag denn freilich auch wahr sein. Indessen sind viele von solchen Menschen nicht schlimm, sondern nur wunderlich, und wenn man sie nur immer recht kennete, inwendig und auswendig, und recht mit ihnen umzugehen wüsste, nie zu eigensinnig und nie zu nachgiebig, so wäre mancher wohl und leicht zur Besinnung zu bringen. (mehr …)

Zitat des Tages #117

Woher, wohin?

Wo sich Ewigkeiten dehnen,
    Hören die Gedanken auf,
Nur der Herzen frommes Sehnen
    Ahnt, was ohne Zeitenlauf.

Wo wir waren, wo wir bleiben,
    Sagt kein kluges Menschenwort;
Doch die Grübelgeister schreiben:
    Bist du weg, so bleibe fort.

Laß dich nicht aufs neu gelüsten.
    Was geschah, es wird geschehn.
Ewig an des Lebens Küsten
    Wirst du scheiternd untergehn.

Wilhelm Busch (1832–1908)

Kurzes #90 – Daphne hatte Recht – wieder einmal

Fortsetzung von »Regenspaziergang – Fortsetzung«, »Regenspaziergang«, »Der entscheidende Schritt«, »Die letzte Session mit Daphne?«, »Der erste gemeinsame Abend«, »Gespräch im Café«, »Gero und Daphne«, »Daphne« und »Die neue Zimmerwirtin«.

 

»So, nun erzähle mir, wie es zwischen Simone und dir steht. Du hast am Telephon reichlich aufgekratzt geklungen, so daß ich annehmen kann, es hat sich zum Positiven entwickelt.«

Es war kaum eine Woche später. Da Gero seit ihrem Spaziergang in der Rheinaue nichts mehr von sich hören ließ, hatte sie die Initiative ergriffen, ihn angerufen und für den nächsten Tag zum Essen eingeladen, was Gero nur zu gerne angenommen hatte. Er war derart voll von Überschwang, daß er sich unbedingt jemanden anvertrauen mußte und niemand war in seinen Augen dazu geeigneter als Daphne.

Sie saßen beim Essen, mit dem sie sich Mühe gegeben hatte, und hatten bisher lediglich über Belanglosigkeiten geplaudert. Wenigstens hatte er ihr ein Kompliment über ihren engen neuen schwarzen Lederrock, der weißen Bluse, dem Taillenkorsett aus schwarzem Leder, den schwarzen Nahtstrümpfe und den schwarzen hochhackigen Lackschuhen gemacht, was an sich schon auffallend genug war.

»Was soll ich sagen. Du hast so ziemlich in allem, was deine Einschätzung Simones betrifft, richtig gelegen.«

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Kurzes #89 – Regenspaziergang – Fortsetzung

Fortsetzung von »Regenspaziergang«, »Der entscheidende Schritt«, »Die letzte Session mit Daphne?«, »Der erste gemeinsame Abend«, »Gespräch im Café«, »Gero und Daphne«, »Daphne« und »Die neue Zimmerwirtin«.

 

Der Regen hatte aufgehört, der Himmel aber blieb eine einzige schmutzig graue Fläche. Das Laub der mächtigen Kastanien zu beiden Seiten des breiten Weges hing schwer von der Nässe herab. In regelmäßigen Abständen waren Bänke am Wegrand aufgestellt. Auf der einen Seite schloß sich eine große Rasenfläche an, auf der anderen Seite verlief ein Kanal, der die beiden Weiher, einen kleinen und einen großen, auf einer Länge von einigen hundert Meter miteinander verband. Der größere der beiden Weiher befand sich bereits in Sichtweite. Simone hatte die Kapuze zurückgeschlagen und sich bei ihm untergehakt, nachdem er den Schirm geschlossen hatte. Es waren nur wenige Leute unterwegs, die fast alle ihren Hund spazieren führten.

»Wir sollten dir auch eine Regenjacke besorgen. Es gibt schöne hochwertige aus PVC-beschichtetem Gewebe in dezentem Dunkelblau oder gar Schwarz, was dir lieber ist und ebenso Gummistiefel, am besten wie ich sie gerade trage. Ich würde gerne mit dir gemeinsam Regenspaziergänge machen. Schließlich magst du ja lange Spaziergänge. Außerdem würde ich dich gerne in einer solchen Regenjacke und Gummistiefeln sehen.«

Im Regen ging er zwar nicht so gerne spazieren, aber das sagte er ihr nicht, andererseits empfand er die Aussicht, diese mit ihr zu machen, als gar nicht so unangenehm. Ihr angeregtes Gespräch hatte ihn ohnehin den Regen vergessen lassen.

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