Kategorie-Archiv »Literarisches«

Kurzes #86 – Die letzte Session mit Daphne?

Fortsetzung von »Der erste gemeinsame Abend«, »Gespräch im Café«, »Gero und Daphne«, »Daphne« und »Die neue Zimmerwirtin«.

 

»Ihr trefft euch mittlerweile fast jeden zweiten Abend und sprecht hauptsächlich über Literatur und das seit mehr als zwei Wochen, wobei sie sichtlich aufblüht. Beim Du seid ihr ebenfalls bereits angelangt«, faßte Daphne nicht ohne eine gewisse Zufriedenheit seine Worte kurz zusammen. »Wobei meines Erachtens ›aufblühen‹ nicht das richtige Adjektiv ist, nicht wie ich sie nach deinen Ausführungen einschätze. Aber das ist ein anderes Thema.«

Gero hatte bei seinem Bericht keinen Zweifel daran gelassen, wie sehr ihm die Abende mit seiner Wirtin gefielen, es aber wohlweißlich nur beiläufig erwähnt, daß er mit Vergnügen ihren mütterlich üppigen Busen, der ihm doch noch ein wenig üppiger als Daphnes erschien und die schönen, zartbestrumpften Beine betrachte, wodurch er sie gerade auf die richtige Fährte geleitet hatte. Daß seine Wirtin bereits zweimal wesentlicher Teil eines hocherotischen Traums gewesen war, nach dem er mit einer ansehnlichen Erektion erwacht war, verschwieg er jedoch aus gutem Grund. Er scheute aus diffusen Gründen bisher davor, seiner Wirtin eindeutig zu verstehen zu geben, daß er sexuelle Lust auf sie besaß, obschon auch er nicht mehr im Zweifel sein konnte, daß das auf Gegenseitigkeit beruhte und nicht nur, weil ihre Röcke spürbar kürzer geworden waren, sie sich offen verführerisch schminkte – die dezenten warmen Erdtöne waren kraftvollen Rottönen gewichen – sondern ihre Gestik und Blicke waren offen lasziv einladend. Nur ihre vermeintliche Schüchternheit – zumindest hielt er es dafür, obwohl es etwas anderes war, das mehr aus dem Wunsch entstand, daß der Mann die entscheidende Initiative greifen sollte, weil es das für sie nur schöner werden ließ – verhinderte, daß sie ihn wörtlich, von einem einladenden Lächeln begleitet, aufforderte, sie zu ficken.

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Kurzes #85 – Der erste gemeinsame Abend

Fortsetzung von »Gespräch im Café«, »Gero und Daphne«, »Daphne« und »Die neue Zimmerwirtin«.

 

Am Abend vor seiner Abreise mit Daphne nach Venedig nahm er zum ersten Mal die Einladung seiner Wirtin zum Tee an, schon allein um sich während der Tage in Venedig Daphnes Kommentare diesbezüglich zu ersparen. Seine Wirtin hatte sich Mühe gegeben, eine so anheimelnde Atmosphäre wie möglich zu schaffen, hatte sich in schlichte Eleganz gekleidet, ein dezentes Make-up gewählt, wohl wissend, daß ein allzu sexy wirkendes Äußeres, selbst wenn ihr danach gewesen wäre, ihn wie viele Männer nur verschreckt hätte, lediglich bei der Wahl der Absatzhöhe ihrer Schuhe war sie forsch vorgegangen. Das Teegeschirr und das liebevoll arrangierte, eindeutig selbstgemachte Gebäck verrieten Geschmack. Trotzdem schien das Gespräch nicht so recht in Gang kommen zu wollen. Gero bereitete es Mühe, es nicht als Verpflichtung aus purer Höflichkeit gegenüber seiner Vermieterin zu sehen, obwohl er sich ja durchaus erotisch von ihr angezogen fühlte, und mehr als einmal fand, daß ihre vollen weichen, vielleicht ein wenig zu üppigen, in einem dezenten warmen Erdton geschminkten Lippen zum Küssen einluden, er oft den Blick bemüht unauffällig auf ihren schönen Beinen ruhen ließ, wie auch auf ihren mütterlich üppigen Busen, den sie wie üblich durch ein engangliegendes, hochgeschlossenes Oberteil betonte. Hatte er das Gefühl, allzu offensichtlich auf ihre Beine oder ihr Dekolleté zu ›starren‹, verfing sich sein Blick wie von selbst auf ihre schönen schlanken gepflegten Hände mit den mehr als halblangen, wie meist in einem warmen Erdton lackierten Nägeln. Ihre warme Altstimme erschien ihm als Labsal für die Ohren.

Sie spürte seinen inneren Zwiespalt und mußte ein leichtes Schuldgefühl diesbezüglich unterdrücken, dennoch ließ sie sich nicht entmutigen.

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Kurzes #84 – Gespräch im Café

Fortsetzung von»Gero und Daphne«, »Daphne« und »Die neue Zimmerwirtin«.

 

Die erste Nacht in seinem neuen Domizil stellte für Gero eine Erholung dar. Seine neue Zimmerwirtin hatte wahrhaftig nicht zuviel versprochen; es war außerordentlich ruhig. Das bequeme breite Bett steuerte ein übriges dazu bei. Er konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal auf einer neuen, bisher noch unbenutzten Matratze geschlafen hatte. Fast hätte er sich gewünscht, Daphne neben sich liegen zu haben. Er mochte es neben einer Frau einzuschlafen und aufzuwachen. Seit sie sich kannten, war es aber dermaßen selten vorgekommen, daß er bei ihr übernachtete, daß er sich an jedes einzelne Mal erinnern konnte.

Er lebte sich schnell ein. Seine Wirtin hielt sich – für ihn erfreulich, obgleich er sich durchaus auf eine, für ihn schwer zu definierende Weise, von ihr angezogen fühlte – im Hintergrund. Nicht allein aus Höflichkeit – wie er annahm –, sondern weil sie spürte, daß er Zeit brauchte, um sich einigermaßen einzugewöhnen. Daß er sie physisch durchaus mehr als nur reizvoll fand, war ihr nicht entgangen. Er war ihr vom ersten Moment an als Mann erschienen, der sich, wenn auch eindeutig unbewußt, vor allem von üppigen Frauen angezogen fühlte und den sie sich tatsächlich nur an der Seite einer solchen vorstellen konnte. Sie wußte ja nicht, daß Daphne die bisher einzige üppige Frau in seinem Leben war, mit der er wirklich etwas begonnen hatte und durch die er, sich dessen erst langsam bewußt werdend, eine andere Sicht auf diese Thematik bekommen hatte. Wie dem auch sei, wieder einmal bestätigte sich, daß er für Frauen in bestimmten Grenzen ein offenes Buch war, was ihm selbst bisher nicht bewußt geworden war und vielleicht auch nie bewußt werden wird.

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Kurzes #83 – Gero und Daphne

Fortsetzung von »Daphne« und »Die neue Zimmerwirtin«.

 

»Wie ich von Wolf hörte, hast du endlich ein neues Zimmer gefunden«, begrüßte Daphne Gero mit einer herzlichen Umarmung, die er nur zu gerne erwiderte. »Ich habe vorhin mit ihm hinsichtlich seiner Vernissage Ende kommender Woche telephoniert.«

Sie waren in ihrer stets ein wenig unordentlichen, dennoch sauberen kleinen Küche. Er nahm sich aus der Blechdose, die auf einem kleinen unter dem Fenster stehenden Tisch stand, einen Keks.

»Es wurde langsam Zeit. Wolf ist zwar ein guter Kumpel, aber man kann einfach nicht sehr lange mit ihm zusammenleben«, sagte er von einem leichten Seufzer des Bedauerns begleitet.

Beim Anblick ihrer schön geschwungenen Waden wurde in ihm wieder das Bild lebendig, wie seine neue Zimmerwirtin die Beine übereinandergeschlagen hatte, während sie ihm die Quittung ausstellte. Unwillkürlich umspielte ein verklärtes Lächeln seine Lippen.

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Kurzes #82 – Daphne

Fortsetzung von »Die neue Zimmerwirtin«.

 

Nachdem alles an seinem Platz, stattete Gero Daphne einen Besuch ab.

Daphne war eine renommierte Kunstkritikerin. Er hatte sie er vor einigen Jahren über Wolf kennengelernt, und längst war sie der beste Freund, den er zur Zeit besaß, von Wolf abgesehen. Wolf und Daphne waren für kurze Zeit liiert gewesen. Zumindest bezeichnete Wolf es so. Zu jener Zeit kannten Gero und Wolf sich noch nicht. Von Daphne mußte Gero, daß Wolf und sie lediglich einige Male miteinander gevögelt hatten, und das auch nur, weil Daphne letztlich Wolfs besonderem Charme irgendwann nicht mehr widerstehen konnte – Wolfs Lesart – und um endliche ihre Ruhe vor ihm zu haben – Daphnes Erklärung – wobei auch Neugierde von ihrer Seite aus mitspielte. Er war an sich kein schlechter Liebhaber, aber ihre ›besonderen‹ sexuellen Präferenzen, von denen er wußte, schließlich machte sie kein Geheimnis daraus, gingen in eine Richtung, mit der er nun gar nichts anzufangen wußte, aber sein männlicher Ehrgeiz einerseits und ihre Persönlichkeit und ihre starke erotische Ausstrahlung andererseits hatten ihm keine Ruhe gelassen. Daß es zu kaum mehr als einige wenige Male Sex zwischen ihnen kommen würde, war ihr vorher bewußt. Er sah auch schnell ein, wie unterschiedlich ihrer beider sexuellen Vorlieben tatsächlich waren, und sich nicht nur dabei nie eine gemeinsame Basis finden lassen würde. Mit nichts anderem schien er von Anfang an gerechnet zu haben, wie er Gero gegenüber mehr oder weniger offen erklärte. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen blieb er einer ihrer glühendsten Verehrer. (mehr …)

Kurzes #81 – Die neue Zimmerwirtin

Das Zimmer war geräumig, die Möbel unübersehbar neu. Das breite Bett, dessen Matratze sogar noch neu zu riechen schien, der Kleiderschrank wie auch das hohe schmale Regal, bislang ohne Inhalt, wollten erst noch in Besitz genommen werden. Nur der Schreibtisch und die beiden, um einen niedrigen Tisch mit einer farbenfrohen flachen Keramikschale darauf, aufgestellten bequemen Sessel waren eindeutig älteren Datums, jedoch sehr gut gepflegt.

»Es ist hier den ganzen Tag über sehr ruhig«, war ihr Bemühen offensichtlich, daß er das Zimmer nahm.

Sie stand mit vor dem Schoß gefalteten Händen im Türrahmen und beobachtete ihn erwartungsvoll, während er sich umschaute.

Die Art wie er das Zimmer durchmaß, verunsicherte sie leicht. Es gelang ihr nicht, die Befürchtung zu unterdrücken, daß es ihm nicht gefallen könnte. (mehr …)

Zitat des Tages #116

Rendezvous

Ich bin verdammt zu warten
in einem Bürgergarten
auf das geliebte Weib.
Nun sitz ich hier als Beute
gewissenloser Leute
mit breitem Unterleib.
Sie sind so froh beim Biere,
bald zwei, bald drei, bald viere —
und reden vom Geschäft.
Die Gattin spricht vom Hause,
die Töchter trinken Brause,
und Flock, das Hündchen, kläfft.
Die Kellnerinnen schwirren.
Die Tischgeschirre klirren.
Der Himmel scheint so blau.
Wie süß ist’s doch, zu warten
in einem Bürgergarten
auf die geliebte Frau.

Erich Mühsam (6.04.1878–10.07.1934), aus: Der Krater, 1904–08

Anaïs Nin »Wien war die Stadt der Statuen«

Anaïs Nin (21.02.1903–14.01.1977) dürfte den meisten als Autorin erotischer Werke weithin bekannt sein, bei denen es in erster Linie um Auftragsarbeiten gehandelt hat. Weniger bekannt dagegen dürfte ihr übriges erzählerisches Werk sein, zu dem »Wien war die Stadt der Statuen« zählt, und das seine besondere Faszination besitzt. Wer hier offenherzige Erotik sucht, wird wohl ‚leider‘ enttäuscht werden.

 

Die Malerin Renate wächst in Wien auf. Von ihrem Fenster aus sieht viele Statuen. Ihre Ansicht nach starben die Menschen nicht, sie verwandeln sich in Statuen, von denen jede ihre eigene Geschichte besitzt. (mehr …)

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