Kategorie-Archiv »Literarisches«

Kurzes #100 – Begegnung im Mondschein

Die Fortsetzung von: Der Einzug, Die ›Schöne Künstlerin‹, Der schöne Jüngling, Bettina und Ein Wochenende mit Bettina

 

Zu Beginn der neuen Woche zeigte sich der Frühling von einer weniger schönen Seite, nämlich einer nassen. Zudem wurde es kühler. Nur wenige Grade, doch war es nicht angebracht, ohne Jacke das Haus zu verlassen. Die ›Schöne Künstlerin‹ hatte die Atelierfenster daher die meiste Zeit geschlossen. Auch Schlaf- und Badezimmerfenster öffnete sie nur noch zum Lüften. Da die geschlossenen Fenster ihm lediglich einen schemenhaften Einblick ermöglichten, widmete er sich wieder verstärkt seiner Geschichte, wofür er ihr sogar dankbar war. So richtig Lust verspürte er derzeit ohnehin nicht, sie zu beobachten. Das ausgiebige Wochenende mit Bettina wirkte noch nach und ließ ihn auf eine Wolke der Glückseligkeit schweben, von der er nur langsam wieder herabsank.

Dennoch wollte die Handlung seiner Erzählung nicht so recht vorankommen. (mehr …)

Kurzes #99 – Ein Wochenende mit Bettina

Die Fortsetzung von: Der Einzug, Die ›Schöne Künstlerin‹, Der schöne Jüngling und Bettina

 

Nachdem er Bettina nachgesehen hatte, bis ihr Wagen seinen Blicken entschwunden war, ging er mit dem Vorsatz ins Haus zurück, das Bett zu machen, ein wenig aufzuräumen und mit der Arbeit an seiner Erzählung fortzufahren.

Beim Bettenmachen entdeckte er unter dem Kopfkissen auf Bettinas Seite ihren pfirsichfarbenen Slip. Er mußte unwillkürlich und angenehm berührt über ihre Eigenart, ihm beim Weggang ihren getragenen Slip zurückzulassen, schmunzeln. Er hielt ihn unter die Nase, sog ihren Duft tief ein, der noch sehr intensiv war. Dann schob er ihn in die Hosentasche. Hatte sich ihr Aroma sich nach zwei bis drei Tagen verflüchtigt, würde er ihn gewaschen in die Schublade der Kommode legen, bis sie ihn beim nächsten Mal wieder mitnehmen und ihm einen anderen dalassen würde.

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Kurzes #98 – Bettina

Die Fortsetzung von: Der Einzug, Die ›Schöne Künstlerin‹ und Der schöne Jüngling

 

Während er an die Decke sah, auf die hereindringenden Frühlingsgeräusche lauschte, aus den Augenwinkeln heraus sah, wie die Gardine im Luftzug des offenen Fensters leicht wehte, versuchte er, die Szene zwischen der ›Schönen Künstlerin‹ und dem Jüngling einzuordnen.

War es letztlich nur schwer vermeidbar, daß sich zwischen Künstler und Modell große Intimität aufbaute? So wie das Modell ein Teil seines Innersten offen legen mußte, mußte der Künstler bereit sein, das Wesen des Modells zu erfassen, um es adäquat darstellen zu können. Daß sich dabei eine erotische Spannung aufbaute, bedingt durch die große Nähe, war nur folgerichtig. Er konnte sich nicht vorstellen, daß ein Künstler mit einem Modell arbeitete, ohne gelegentlich und unter entsprechenden Umständen das Bedürfnis entwickelte, mit ihm intim zu werden.

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Kurzes #97 – Der schöne Jüngling

Die Fortsetzung von: Der Einzug und Die ›Schöne Künstlerin‹

 

Er hatte sich gerade an den Schreibtisch gesetzt. Es war früher Nachmittag. Der zweite Abschnitt seiner Erzählung stand. Hinterhergelaufen war er seiner Nachbarin nicht mehr. Ihm hatten die Beinmuskeln an jenem Abend verflucht geschmerzt. Außerdem war ihm in seinem Entschluß das Wetter der folgenden beiden Tage entgegengekommen, denn es waren zwei äußerst regnerische gewesen. Doch sie hatte sich dadurch nicht von ihrem Lauf abhalten lassen. Sie hatte zum Regenschutz lediglich eine Mütze übergezogen.

Das Quietschen des Gartentores seiner Nachbarin weckte seine Aufmerksamkeit. Er sah aus dem Fenster. Ein großer, sportlicher junger Mann von Anfang zwanzig ging, ein Fahrrad über den Kiesweg schiebend, auf das Haus zu. Er lehnte das Rad gegen die Hauswand. Seit sie zurück war, schien es das erste Mal zu sein, daß sie Besuch bekam.

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Kurzes #96 – Die ›Schöne Künstlerin‹

Die Fortsetzung von: Der Einzug

 

Dank Saskias tatkräftiger Hilfe ging das Auspacken und Einräumen zügiger vonstatten, als er vermutet hatte. Innerhalb weniger Tage schien es ihm, als wohne er bereits einige Jahre in diesem Haus, wozu die ländliche Ruhe ihr übriges beitrug. Nachdem er das Konzept seiner Erzählung überarbeitet und verschiedenes gestrichen hatte – nicht wenig davon beruhte auf Saskias durchaus berechtigten Einwänden –, machte er sich an den ersten Entwurf.

Das Arbeitszimmer hatte er im Eckzimmer im Obergeschoß eingerichtet. (mehr …)

Kurzes #95 – Der Einzug

Der Möbelwagen fuhr langsam über den an vielen Stellen löchrigen Asphalt der schmalen Zufahrtsstraße, die ein Stück weit hinter dem Haus in einen befestigten Feldweg überging. An der Einmündung hielt er für einen Moment an, um dann behutsam die enge Kurve zu nehmen. Nachdem der LKW seinen Blicken entschwunden war, trat er durch das leise quietschende, von Patina überzogene schmiedeeiserne Gartentor, das er noch würde ölen müssen, auf den schmalen schiefen Plattenweg, in dessen Fugen Moos und Gräser wuchsen, und ging auf das Haus zu.

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Herbert George Wells bei Projekt Gutenberg-DE

Interpretationen

Herbert George Wells’ (21.9.1866–13.8.1946) Todestag hat sich im vergangenen Jahr zum siebzigsten Mal gejährt und somit sind seine Werke aus der siebzigjährigen Schonfrist entlassen und ab dem 1.1.2017 in den Status der allgemeinen Verfügbarkeit übergegangen.

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