Kurzes #56 – Chambre d’Amour
Montag, den 25. April 2011
Blitze zuckten. Der Donner grollte unnatürlich laut. Das Gewitter befand sich genau über dem Stadtteil. Er schaffte es gerade noch, den schützenden Hausdurchgang zu erreichen, bevor der fast schwarze Himmel seine Schleusen öffnete.
Der Regen peitschte durch die Straßen. Das Wasser konnte gar nicht so schnell abfließen, wie es von oben kam. Die auftreffenden Tropfen bildeten auf der dünnen, alles überziehenden Wasserschicht Blasen. In den Straßenrinnen hatten sich kleine reißende Bäche gebildet. Keine Menschenseele war mehr zu sehen.
Er lehnte sich mit der linken Schulter an die Wand des Durchgangs und beobachtete interessiert das Naturschauspiel. Was blieb ihm auch anderes übrig, wollte er nicht innerhalb kürzester Zeit bis auf die Haut durchnäßt werden?
Es waren nur wenige Augenblicke vergangen, als er hinter sich eine Tür gehen und das Klacken hoher Absätze auf Betonplatten hörte. Diese Melodie erfüllte ihn stets mit einem leichten, angenehm sinnlichen Gefühl. Es waren kraftvolle, entschlossene Schritte, die sich schnell näherten. Er widerstand dem Drang, sich umzudrehen, weil er kaum mehr als Umrisse gesehen hätte, lag doch der ganze Durchgang im Dunkel.
Die Schritte verstummten auf seiner Höhe. Zugleich hörte er einen ungehaltenen Seufzer, der zur Hälfte in einem erneuten Donner unterging. Er blickte leicht zur Seite. Weil sie jetzt auf seiner Höhe war, konnte er es unauffälliger tun.
Also, in diesem Fall konnte das Gewitter ruhig noch was dauern, war sein erster Gedanke. Sie war groß. Das mittellange, üppige blonde Haar erweckte den Eindruck gepflegter Nachlässigkeit, daß frau gerade aus den Armen ihres Liebhabers kommt und es gar nicht einsieht, warum sie die Spuren der genossenen Lust schamhaft verstecken soll. Ihren blauen Trenchcoat hatte sie enggegürtet, was ihre Taille schmaler wirken ließ und ihre Oberweite betonte. Ihre Schuhe waren aus schwarzem feinem Leder, handgenäht und unübersehbar auf ihren schlanken Fuß gearbeitet. Schwarze hauchzarte Nahtnylons umhüllten ein Paar schmaler Fesseln und wohlgeformter Waden. (weiterlesen…)

























