Kurzes #35 – Sommerlicher Spaziergang

von
Armin A. Alexander

Als sollte der lange kalte Winter so bald als möglich in diesem Jahr ausgeglichen waren, war der Juni bereits zu Anfang von beinahe subtropischen Temperaturen geprägt. Aber nicht nur das Wetter hielt in diesem Jahr Ungewohntes bereit. Auch für Till hatte es eine – angenehme – Überraschung parat.

Sonja war etwas mehr als mittelgroß, mit einem wunderbar femininem Körper, dichtem, langem schwarzen Haar, das sie meist zu einem Zopf geflochten trug. Ihr fröhliches Wesen, ihr Humor und die Lebensfreude, die sie ausstrahlte, hatten ihn sogleich gefangen genommen. Ihre Spontanität stand fast schon im Gegensatz zu seiner Bedächtigkeit in manchen Dingen. Es war ihrer Spontanität geschuldet, die ihn noch immer nicht so recht glauben ließ, daß sie mit ihm zusammen war. Dabei litt er in keiner Weise an Selbstunterschätzung.

Es war bereits der vierte ausgesprochen warme Tag infolge. Sonja und Till machten einen Spaziergang hinunter zum kleinen Fluß.

So sehr Till auch Sonjas Eleganz gefiel, aber er fragte sich, ob ihr in ihrem Kostüm aus rotem Satin mit dem knielangen engen Rock, dem gelben hochgeschlossenen Oberteil, durch dessen leichten Stoff sich die Warzen ihrer schweren weichen Brüste durchzeichneten und den zarten schwarzen Nahtnylons nicht möglicherweise etwas zu warm sei. Jedenfalls war ihm in seinem leichten Hemd bereits zu warm.

Doch ihr schien die Hitze nichts auszumachen. Sie spazierten den asphaltierten Weg zum Flußufer entlang, der zwischen in voller Blüte stehenden Weizenfeldern verlief. Ihre hohen Absätze klackten bei jedem Schritt auf eine Weise auf dem harten leicht rissigen Asphalt, die pure Lebensfreude ausstrahlte und die sein Herz höher schlagen ließen.

Sie hielten sich mit ineinanderverschränkten Fingern an der Hand. Er hätte am liebsten die ganze Welt umarmt, so wohl fühlte er sich an dieser Seite dieser begehrenswerten Frau.

»Bei dieser Wärme glaubt man kaum, wie lange und kalt der Winter gewesen ist«, riß sie ihn mit ihrer warmen weichen Stimme aus den Gedanken.

»Während des Winters ist einem das umgekehrte schwergefallen«, erwiderte er und bemerkte, daß sie es hauptsächlich gesagt hatte, um ihr gemeinsames Schweigen zu brechen.

Er drückte zärtlich ihre Hand.

Schweigend gingen sie ein Stück weiter.

Sie schienen die einzigen Spaziergänger zu sein, was beide aber in keiner Weise störte.

Hinter einer scharfen Biegung, zwischen hohen, in dichtem Laub stehenden Bäumen, stieß der Weg auf den am Flußufer entlang führenden.

Das Ufer war zu beiden Seiten mit Bäumen gesäumt, deren ausladende Äste angenehmen Schatten spendeten.

Sie entschieden sich ein Stück flußaufwärts zu gehen.

Sie löste ihre Hand aus seiner und legte ihm den Arm zärtlich um die Hüften. Sie fühlte sich in seiner Nähe nicht weniger wohl als er in ihrer. Schon lange hatte sie kein solches Vertrauen mehr zu einem Mann verspürt, wie zu ihm. Leider ging er zu wenig aus sich heraus. Das würde sie noch ändern müssen.

Im Schatten der Bäume war die Hitze weniger intensiv zu spüren.

»Man bekommt Lust zu baden«, meinte sie und warf einen Blick über den Fluß.

»An einigen Stellen ist der Fluß so tief, daß man nicht mehr darin stehen kann, und an anderen wiederum kaum knietief, so daß man bequem ans andere Ufer waten kann. Am Wochenende und während der Ferienzeit baden viele hier. Aber im Augenblick dürfte das Wasser dafür noch zu kalt sein«, bemerkte er fast ein wenig schulmeisterlich.

Sie gingen wieder ein Stück schweigend, bis sie zu einer Stelle kamen, bei der er sagte:

»Ab hier beginnt ein relativ tiefer Abschnitt. Das Wasser reicht einem in der Mitte fast bis zur Brust. Das ist eine der Stellen, die im Sommer gerne zum Baden genutzt werden.«

Sie blieb im Schatten einer großen alten Buche stehen und schmiegte sich zärtlich an ihn, der liebevoll den Arm um sie legte.

»Mir ist warm geworden. Ein erfrischendes Bad wäre jetzt nicht schlecht«, sagte sie scheinbar mehr zu sich selbst.

Till, der sofort damit rechnete, daß sie ihren Gedanken in die Tat umsetzen könnte, wollte schon erwidern, daß das Wasser noch ganz schön kalt sein dürfte, doch da sie keinerlei Anstalten traf, sich aus seiner Umarmung zu lösen, behielt er es für sich.

»Hattest du schon einmal Lust verspürt, vollständig angezogen ein Bad zu nehmen? Zuhause in der Wanne oder auch hier im Fluß«, fragte sie ihn mit einem verschmitzten Lächeln.

»Nein«, blickte er sie leicht irritiert an, nicht wissend, worauf sie hinaus wollte.

»Ich schon«, erwiderte sie fröhlich.

»Hast du es denn auch getan«, zeigte er sich ein wenig verwundert über ihren Gedanken.

»Schon oft«, erwiderte sie, als sei es das selbstverständlichste von der Welt, vollständig angezogen ein Bad zu nehmen. »Es ist ein einzigartig angenehmes Gefühl, saugen sich die Kleider sich voll, sie dir am Körper kleben, deine Formen nachzeichnen. Ganz abgesehen davon, daß gerade leichte Stoffe halbtransparent zu werden scheinen. Und es ist sehr erfrischend, gerade wenn es so warm ist wie heute.«

»Ich nehme an, daß du es zuhause in der Badewanne machst«, es war mehr eine Hoffnung als eine Feststellung, wie er bemerkte, kaum daß er es gesagt hatte.

»Nein, nicht nur«, meinte sie und sah ihn mit leicht glänzenden Augen und einem schelmischen Grinsen an.

Er begann zu ahnen, was sie vorhatte. Schließlich war sie immer für eine Überraschung gut.

Sie gab ihm einen Kuß auf die Wange und sagte unternehmungslustig: »Und genau das werde ich jetzt tun.« Dann löste sie sich aus seiner Umarmung.

»Was«, fragte er, als sie bereits die wenigen Meter die flache Böschung zum Fluß hinunterging.

»Ein Bad nehmen«, rief sie ihm lachend über die Schulter zu.

Er erwartete, daß sie am Fuß der flachen Böschung stehen blieb und sich ausziehen würde, doch sie ging weiter und bevor er begriff, daß sie gar nicht vorhatte, sich auszuziehen, stand sie schon bis zu den Waden im Wasser. Eigentlich hätte ihn das nach ihren Worten überraschen sollen.

Das leicht kiesige Ufer fiel an dieser Stelle relativ steil ab, so daß sie kaum drei Meter vom Ufer entfernt bereits bis zur Hüfte im Wasser stand.

Sie drehte sich um, fuhr mit den Händen durchs Wasser und blickte ihn ausgelassen an. Ihre Jacke und das leichte Oberteil saugten sich voll.

Er hatte sich relativ schnell von seiner Überraschung erholt. Er blieb gut einen Schritt vom Wasser entfernt stehen und betrachtete sie ein wenig kopfschüttelnd.

Sie drehte sich um, ging noch einen Schritt weiter. Jetzt stand sie bis zu den Brüsten im Wasser.

»Hu, ist das frisch«, entfuhr es ihr und im nächsten Moment ging sie in die Knie, bis ihr das Wasser bis über die Schulter reichte. Einige Augenblicke blieb sie in dieser Stellung, dann schnellte sie förmlich aus dem Wasser.

»Für ein langes Bad ist es wirklich noch zu kalt«, rief sie aus und tat bereits wieder einen Schritt in Richtung Ufer, bis ihr das Wasser nur noch bis zur Taille reichte.

Er betrachte fasziniert, wie sich der dünne Stoff des Oberteils um ihre schweren Brüste schmiegte und die dunklen Warzen sich sichtbar durchzeichneten. Sie wischte sich das Wasser aus dem Zopf.

Sie sah, mit welchem Blick er sie betrachtete und lächelte zufrieden. Aber sie müßte sich schon sehr in ihm getäuscht haben, wenn er sie in nassen Sachen nicht sexy finden würde. Ein Mann mit einer derart starken Libido, die ihrer eigenen in nichts nachstand, war leicht empfänglich für diese Dinge.

Weil das Wasser wirklich kalt war und es sie bereits fröstelte, watete sie ans Ufer zurück.

»Das war herrlich«, sagte sie als sie neben ihm stand.

Das Wasser lief ihr aus den Kleidern, schnell hatte sich eine große Lache zu ihren Füßen gebildet.

»Und?« sah sie ihn vielsagend an.

»Du siehst absolut hinreißend aus«, sagte er ehrlich.

»Ich fühle mich auch so«, erwiderte sie mit einem Leuchten in den Augen, daß er bereits kannte und das ihm wohlige elektrisierende Schauer durch den Körper laufen ließ.

Jedenfalls stand bereits fest, was sie machen würden, waren sie wieder bei ihm zu Hause.

Sie küßte ihn zärtlich auf den Mund.

»Laß uns in die Sonne gehen. So schön es auch war, man merkt doch, daß wir noch nicht lange Sommer haben.«

Er zögerte einen Moment, denn ihm wurde bewußt, daß sie ja so naß wie sie war, den ganzen Weg zurückgehen mußte. Aber sie schien das nicht im geringsten zu stören. Und da sie es nicht störte, würde es ihn auch nicht stören.

Die ersten Meter ließ sie auf dem Asphalt eine feuchte Spur hinter sich. Doch der dünne Stoff konnte nicht viel Wasser halten und in der Sonne begannen die Sachen bereits zu trocken.

 

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