Filmentwicklung 3: Die Verarbeitung

So, da nun die einzelnen Bäder angesetzt sind, geht es ans eigentliche Filmentwicklen.
Die benötigten Mengen Chemie je Film gehen aus den Beipackzetteln der Entwickler hervor. Allerdings muß beachtet werden, daß die absolute Mindestmenge je Film von der Entwicklerdose abhängt, denn der Film muß bei der Kippentwicklung während der ganzen Zeit immer vollständig von den Bädern bedeckt sein. Bei den Jobo-Dosen der 1500er Serie sind das etwas mehr als 200ml. Bsp. im ID-11 lassen sich insgesamt 10 Filme entwicklen, das ergäbe 100ml je 1-Liter-Stammlösung. Man kann entweder 200ml Stammlösung nehmen, was Verschwendung wäre, denn wir wollen ja der besseren Qualität wegen nur Einmalentwickler nehmen, oder eben 1 zu 1 verdünnen, womit wir bei den 200 ml geforderten wären. Analog ist bei den Flüssigkonzentraten zu verfahren. Näheres dazu findet sich in den beigefügten Tabellen.

Einspulen des Films in die Spirale

Da es hierbei Unterschiede bei den Dosen verschiedener Hersteller gibt, verweise ich auf die in der Regel reichlich bebilderten Anleitungen, die den Dosen beiliegen. Nur so viel: Den Film nie ganz in die Patrone zurückspulen, denn dann muß sie im Dunklen aufgemacht werden und das ist selbst für erfahrene Anwender nervig. Denn so läßt sich kaum der Filmanfang sauber abschneiden und die Ecken mit der Schere leicht abrunden. Was das Einspulen in die diversen Spiralen enorm vereinfacht.
Wer eine Kamera mit Rückspulkurbel besitzt, dreht diese nur kurz über den leichten Widerstand hinaus, der entsteht, wenn der Filmanfang aus der Aufwickelspule gezogen wird. Wer über eine motorische Rückspulung verfügt, kann nur hoffen, daß sich im Menü eine Einstellung findet, die die Rückspulung stoppt, bevor der Fim ganz in der Patrone verschwunden ist. Ansonsten heißt es leider fummeln.
Man sollte ruhig einen Film opfern und das Einspulen in Ruhe im Hellen üben und anschließend im Dunklen bis die Handgriffe sitzen, bevor man sich an den ersten Film wagt.

Die eigentliche Filmentwicklung

Der Film ist glücklich in der Spirale eingespult, die Dose lichtdicht verschlossen und das Licht wieder an. Die Lösungen sind auch in den richtigen Mengen bereitgestellt, der Entwickler hat die Temperatur von 20° C. Als Zeiten nimmt man zu Anfang am besten die in den Beiblättern zum jeweiligen Film genannten. Das gibt gute Ergebnisse.
Jetzt wird die Uhr gestartet und der Entwickler gleichmäßig in die Dose gefüllt, Deckel drauf und drei bis viermal mit dem Handballen unten an die Dose schlagen, um eventuelle Luftblasen auf dem Film zu vertreiben. Die Dose wird jetzt viermal kurz hintereinander gekippt und wieder zurück.
Es gibt verschiedene Kipprhythmen. Viermal zu Beginn jeder Minute bis zum sogenannten 3sec Kipprhythmus, der eine schnellere Entwicklung ermöglicht. Der prägnanteste Unterschied zwischen diesen ist, daß der langsamere eine höhere Kantenschärfe erzeugt. Ist dasselbe was man im Bildbearbeitungsprogramm mit dem Schärfewerkzeug macht. Ich bevorzuge ein Kippen alle 15sec, also insgesamt viermal in der Minute.
Ist die angegebene Zeit herum, gießt man den Entwickler weg. Man sollte von den Entwicklungszeiten immer jeweils 10 bis 15 Sekunden fürs Ein- und Ausgießen rechnen. Also wenn die Entwicklung nach 10 Minuten abgeschlossen wäre, dann sollte man bei 9:45 mit dem Ausgießen beginnen.

Das Stoppbad

Ist der Entwickler ausgegossen, sofort das Stoppbad einfüllen. Damit der Entwicklungsprozeß gestoppt wird. Das ist wichtig für gleichmäßige Ergebnisse bei allen Filmen.
Den Film etwa 30 sec im Bad bewegen, bzw. die Dose ständig während der Zeit kippen. Anschließend das Stoppbad in die Flasche zurückgießen.

Das Fixierbad

Das Fixierbad eingießen und regelmäßg kippen. Der Rhythmus ist jetzt nebensächlich. Wichtig ist nur, daß ständig frisches Fixierbad an den Film kommt. Im Schnitt dauert die Fixage 5 bis 7 Minuten, lieber etwas länger, besonders wenn schon einige Filme darin fixiert worden sind.
Anschließend das Fixierbad wieder zurückgießen.

Wässeren

Beim Wässern hat sich für eine hohe Archivfestigkeit das Spülen mit fließendem Wasser bestens bewährt. Einfachste Methode ist, die offene Dose unter den Wasserhahn zu stellen und 10 bis 15 Minuten Wasser laufen zu lassen. Eleganter ist ein Schlauch, der bis zum Boden der Dose reicht und von dort das frische Wasser nach oben spült. Gibt es auch fertig von Jobo passend zu ihren Dosen. Durch gleichzeitige Luftzufuhr wird eine optimale Spülung schon nach 5 Minuten erreicht. Ich selbst dehne die Zeit immer auf 15 Minuten aus. Damit liege ich dann auf der absolut sicheren Seite.

Abschluß

Nach der Wässerung den Film noch gute eine Minute im Netzmittelbad baden, dann kann er herausgenommen und getrocknet werden. Das Wasser wird am besten leicht zwischen zwei Fingern vom Film gestreift. Von Abstreifern rat ich generell ab. Im nassen Zustand ist die Film-Emulsion so weich, daß sie sehr leicht zerkratzt werden kann und es läßt sich nie ausschließen, daß ein Staubkorn zwischen den Gummilippen des Abstreifers ist. Sind dann die berühmten Telegraphendrähte.
Den Film an einem staubfreien Ort zum Trocknen aufhängen. Das kann mit einer Wäscheklammer geschehen und unten sollte auch eine befestigt werden, am besten mit einem kleinen Gewicht, damit der Film schön plan hängt. Man sollte beachten, daß ein 36er KB-Film rund 1,70 m lang ist.

Ist der Film trocken wird er in 5er oder 6er Streifen geschnitten und eingetascht. Zur Aufbewahrung haben sich Pergamin-Hüllen oder Acetat bewährt. Erstere sind preisgünstig. Zweitere zeichnen sich dadurch aus, daß sie klar sind. So läßt sich der erste selbst entwickelte Film gut betrachten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.