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Heinrich Böll »Die verlorene Ehre der Katharina Blum«

Freitag, den 27. März 2009

Interpretationen

Die freiberuflich tätige Hauswirtschafterin Katharina Blum lernt auf der Karnevalsfete ihrer Tante den jungen Ludwig Götten kennen. Katharina, die als prüde gilt, nimmt ihn mit in ihre Wohnung und verbringt eine Liebesnacht mit ihm. Am nächsten Morgen findet bei ihr eine Razzia statt. Götten soll ein unter ständiger Polizeibewachung stehender gesuchter Raubmörder sein. (weiterlesen…)

Zitat des Tages #1

Donnerstag, den 26. März 2009

»Meinen zweiten Rat, Copperfield«, sagte Mr. Micawber, »kennen Sie. Zwanzig Pfund Jahreseinkommen, neunzehn Pfund neunzehneinhalb Schilling Jahresausgaben – Ergebnis: Glück. Zwanzig Pfund Jahreseinkommen, zwanzig Pfund Sixpence Jahresausgaben – Ergebnis Unglück. Die Blüte ist vernichtet, das Blatt verwelkt, der Gott des Tages steigt auf die vernichtete Blüte herab – und nach kurzer Zeit bist du für immer am Boden. Wie ich!«

aus: Charles Dickens: David Copperfield »Bei Amazon

Heinrich Spoerl »Der Maulkorb«

Dienstag, den 24. März 2009

Interpretationen

Eine beschauliche rheinische Kleinstadt im alten Kaiserreich. Jeder kennt jeden. Der Kreis der örtlichen Honoratioren ist überschaubar. Man trifft sich regelmäßig Samstagabends im gleichen Weinlokal. Man redet, debattiert über das, was der Landesvater gesagt haben soll und was die Zeitungen darüber nicht geschrieben haben. Man ereifert sich, erhitzt sich und löscht den Durst mit reichlich Wein. Es wird spät. Der Wein tut seine Wirkung. Staatsanwalt von Treskow verläßt mit starker Schlagseite begleitet von seiner Dogge August als letzter das Wirtshaus. Irgendwie gelangt er nach Hause. Der Sonntag beginnt mit einem schier unglaublichen Ereignis: Ein Streife gehender Polizist entdeckt etwas Ungeheuerliches: Das Denkmal des Landesvaters ist von einem Unbekannt mit einen ordinären abgenutzten Maulkorb »verziert« worden. Es herrscht kein Zweifel; das riecht nach vorsätzlicher Majestätsbeleidigung durch subversive Subjekte. Reaktion auf die Rede, die der Landesvater gehalten und in der er unter anderem gegen die notorischen Nörgler gewettert haben soll. Die Gerechtigkeit muß ihren Lauf nehmen, so etwas kann im Interesse der Allgemeinheit und der staatlichen Autorität nicht geduldet werden. Staatsanwalt von Treskow, der noch unter den Folgen seiner Zecherei leidet, wird mit der Untersuchung beauftragt. (weiterlesen…)

Wolfgang Borchert »Nachts schlafen die Ratten doch«

Montag, den 16. März 2009

Interpretationen

Abends nach einem Bombenangriff. Ein neunjähriger Junge sitzt vor einem zerstörten Haus. Plötzlich taucht ein Schatten vor ihm auf. Der Junge befürchtet, daß man ihn entdeckt hat und wegbringen will. Doch es ist nur ein alter Mann, der zwischen den Schuttbergen nach Grünfutter für seine Kaninchen sucht. Der alte Mann verwickelt den Jungen in ein Gespräch und erfährt, daß der Junge, der lediglich ein halbes Brot bei sich hat und halb verhungert ist, bereits seit einigen Tagen an diesem Ort Wache hält, da im Keller des zerstörten Hauses sein toter kleiner Bruder läge und er die Ratten vertreiben wolle, damit sie die Leiche seines Bruder nicht anfräßen und seine Eltern noch leben. Darauf erklärt der alte Mann dem Jungen, daß er nachts nicht wachen müsse, denn »[…] hat euer Lehrer euch denn nicht gesagt, daß die Ratten nachts schlafen?[…]« (weiterlesen…)

Buch-Neuerscheinung »Nachhilfestunden«

Mittwoch, den 11. März 2009

Ein guter Lehrer kann nahezu jedem Schüler etwas beibringen, und wenn dieser nicht aus sich heraus motiviert ist, dann muß er motiviert werden, notfalls auch mit ungewöhnlichen Methoden.

Rüdiger erinnert sich an das Motto seines Onkels, einem Lehrer aus Leidenschaft, um Ullas Konzentrationsprobleme zu lösen. Dabei greift er auch zu »handfesten« und »schlagkräftigen« Maßnahmen. Aber seine Versuche sind von Erfolg gekrönt. Ulla gelingt es, sich zu konzentrieren und ihr gefallen diese »Konzentrationsübungen« immer mehr. Und bald gerät das ursprüngliche Ziel, die Prüfung zu bestehen in den Hintergrund.

Ausführlich nachzulesen hier:

Klappentext
Ulla muß nur noch eine Prüfung machen, dann kann sie sich für die Abschlußarbeit anmelden. Allerdings ist sie bereits zweimal durch diese gefallen, bei der es lediglich ums Auswendiglernen geht. Ihr bleibt nur noch ein Versuch. Sie bitten ihren Kommilitonen Rüdiger um Hilfe. So sehr dieser sich auch bemüht; ihr gelingt es nicht sich ausreichend zu konzentrieren. Er will bereits aufgeben, doch dann fällt ihm ein alter speckiger Erziehungsratgeber aus dem 19. Jahrhundert in die Hand, der ihn mit seinen drastischen Methoden zu einem letzten Versuch inspiriert; und – es funktioniert. Ulla gelingt es, sich zu konzentrieren.

zur Leseprobe

Armin A. Alexander
Nachhilfestunden

ISBN 978-3-8370-7706-3
88 S., PB, € 9,00
Zur Bestellmöglichkeit

Zu den drei Vorab-Auszügen hier im Blog

» Kurzes #11 – Der Stuhl
Ein Stuhl, der auf Ulla »Eindruck machen« wird.
» Kurzes #9 – Auf allen vieren
Lernen mit Karteikarten einmal ganz anders.
» Kurzes #8 – Der Ratgeber
Rüdiger findet im Antiquariat einen alten Erziehungsratgeber, der ihn auf eine Idee bringt.

Pressestimmen

[...]Die didaktischen Versuche gewinnen ein Eigenleben und die beiden genießen immer mehr die gemeinsamen Stunden. Der Autor Armin A. Alexander erzählt seine Geschichte mit Esprit. [...]
Zilli in den »Schlagzeilen« Nr. 103

Carlo Emilio Gadda »Cupido im Hause Brocchi«

Mittwoch, den 11. März 2009

Interpretationen

Italien 1928. Gigi – Luigi – ist der hoffnungsvolle Sprößling einer alt eingesessenen Mailänder Familie. Jole ist das bildhübsche junge Dienstmädchen seines Onkels Agamemnone. Joles weibliche Reize erregen einerseits bei der männlichen Mailänder Jugend Aufmerksamkeit, wenn diese sich auch in sehnsüchtigen Blicken und mitunter frechen, eindeutigen Anspielungen erschöpft. Bei den ersten Familien der Stadt und deren Wortführerin, der Gräfin, Gigis Mutter, erregt Jole Mißfallen. (weiterlesen…)

Der Fluch der patrilinearen Erbfolge – Aber auch das Matriarchat ist keine erstrebenswerte Alternative

Sonntag, den 8. März 2009

Der folgende Essay hat enggefaßt eher wenig mit Literatur an sich zu tun, aber da Literatur grundsätzlich auch ein Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse ist, ist das Thema so unpassend in einem Literatur-Blog nun doch wieder nicht. ;-)
Er wurde zuerst auf
einseitig.info veröffentlicht.

Warum nur vor dem Hintergrund der patrilinearen Erbfolge die extreme Unterdrückung der Frau Sinn macht und auch notwendig ist.

Sexuelle Selbstbestimmung ist nicht das Ergebnis von Gleichberechtigung, sondern deren Voraussetzung1. („Sie und Er – Frauenmacht und Männerherrschaft im Kulturvergleich“ 2 Bände, Köln 1998)

Über die Mutter des Kindes bestehen keine Zweifel, jedoch beim Vater läßt sich das allenfalls vermuten, wirklich objektive Gewißheit, ohne in die Autonomie der Frau einzugreifen, gibt es nicht. Der Vater ist der Ehrlichkeit der Mutter ihm gegenüber ausgeliefert. Wird davon ausgegangen, daß es für die Mutter keinen gewichtigen Grund gibt, nicht offen zu sein, und besitzt die soziale Elternschaft ein höheres Ansehen als die biologische, so stellt das nicht wirklich ein Problem dar. In einer Gesellschaft mit matrilinearer Erbfolge sowieso nicht, in einer ohne feste Erbfolge nur unter bestimmten Umständen, die ausschließlich den Unterhalt der unmündigen Kinder und das Erbrecht betreffen, jedoch greift es in einer mit partilinearer Erbfolge direkt deren Wesen an. Jeder noch so kleine Zweifel an der leiblichen Vaterschaft über den Sohn stellt die Gesellschaft als Gesamtes in frage. Sie ist also gezwungen, Mechanismen zu entwickeln, die sicherstellen, daß der Sohn auch wirklich die Hälfte der Chromosomen des Vaters besitzt. Eine Sicherheit, die letztlich utopisch ist und deren Erreichen mit einer Fülle von teils drastischen Restriktionen gegenüber der Frau verbunden ist. Ihr muß nicht nur jede Möglichkeit eines ‚Fehltritts‘ genommen, sondern es muß ebenso verhindert werden, daß nicht nur sie das System generell in frage stellt. (weiterlesen…)

Wolfgang Borchert »Die Hundeblume«

Mittwoch, den 4. März 2009

Interpretationen

Ein junger Mann wird in eine Einzelzelle mit der Nummer 432 gesperrt. Seine ersten Gedanken drehen sich darum, wie schwer es ist, mit sich selbst allein sein zu müssen. Jeden Morgen müssen die annähernd achtzig Gefangenen im Hof im Kreis um ein kleines armseliges Rasenstück gehen, von einem Dutzend Blauuniformierter bewacht. Die Monotonie, die Einsamkeit in den Zellen, das schlechte und unzureichende Essen lassen aggressiv werden. (weiterlesen…)

Kurzes #13 – nächtliche Schritte vor dem Haus

Dienstag, den 3. März 2009

Der folgende Text ist ein weiterer kurzer Auszug aus dem sich noch mitten in der Bearbeitung befindenden Roman »Adalberts Erbe«. Der eine Erbe, der ja seinen Miterben noch nicht kennt, verbringt die erste Nacht im einstigen Haus seines Patenonkels. Während er, um müde zu werden, in einem Buch liest, hört er in der ruhigen Straße Schritte sich näheren.

Während der Nacht schlief er unruhig. Er hatte die Tür zu seinem Zimmer geschlossen als fürchtete er, die Leere im Haus könnte während der Nacht auch sein Zimmer besetzen. Zuvor hatte er lange wach gelegen, versucht sich mit einem Buch abzulenken. Das Fenster hatte er leicht geöffnet gelassen. Von den verwilderten Sträuchern die vor dem Haus wuchsen stieg süßlich herber Duft ins Zimmer. Das Zirpen der Grillen war in der Stille gut zu hören – ein Geräusch, das er in der Stadt vermißte. Das Laub der beiden Buchen rauschte leise im seichten Nachtwind. (weiterlesen…)

Wolfgang Borchert »Schischyphusch«

Sonntag, den 1. März 2009

Interpretationen

Ein kleiner Junge, zugleich der Erzähler, geht mit seiner jungen Mutter und seinem Onkel an einem heißen Sommersonntagnachmittag in ein Gartenlokal. Der Onkel hat im Ersten Weltkrieg ein Bein verloren und durch eine ebenfalls dort erhaltene Schußverletzung an der Zunge lispelt er. Ansonsten ist der Onkel ein großer breitschultriger lebensfroher Mensch, eine imposante Erscheinung. Einer der Kellner des Gartenlokals ist das genaue Gegenteil; klein, unscheinbar, verschüchtert, mußte in seinem Leben unzählige Demütigungen hinnehmen und erfährt Mißachtung weiterhin Tag für Tag. Doch haben er und der Onkel eines gemeinsam: Das Lispeln. (weiterlesen…)

Charles Dickens »Ein Weihnachtslied /-abend«

Sonntag, den 1. März 2009

Interpretationen

Ein Heiligabend in London Mitte des 19. Jhd. Es ist frostig und neblig. Auf den Tag genau vor sieben Jahren verstarb Jakob Marley, der Kompagnon des alten Ebenezer Scrooge. Scrooge ist ein ebenso erfolgreicher wie unerbittlicher Geschäftsmann, dessen einziger Lebensinhalt die Mehrung seines Reichtum ist. Menschen, die dies nicht schaffen oder – schlimmer noch – für die andere Dinge wichtig sind, verachtet er. Was er seinem einzigen Angestellten Robert Cratchit bezahlt, reicht für ihn und dessen Familie kaum zum Leben, nicht einmal für einen wärmenden Mantel oder neue Kleider für sich und seine Familie. Seinen Neffen, der in bescheidenen Verhältnissen lebt, und der seinem Onkel trotz allem freundlich gesinnt ist, weist Scrooge die Tür als dieser ihn zum Weihnachtsessen bei sich und seiner jungen Frau einladen will. Zwei Herren, die für wohltätige Zwecke sammeln und ihn um eine Spende für die Ärmsten bitten, brüskiert er. Er gibt ihnen zu verstehen, daß er Gefängnisse und Armenhäuser für sinnvolle Einrichtungen hält, außerdem unterstütze er bereits diese Institution und »[…] wem es schlecht geht, der mag sich dorthin [in die Armenhäuser Anm. d. A.] begeben![…]«. Auf die Entgegnung eines der beiden Herrn, daß viele lieber streben würden, als dorthin zu gehen, erwidert Scrooge kalt, stürben sie, dann würden sie die überflüssige Bevölkerung vermindern. Darauf erkennen die beiden Herrn die Vergeblichkeit ihrer Bemühungen und gehen. (weiterlesen…)

Wolfgang Borchert »Stimmen sind da – in der Luft – in der Nacht«

Samstag, den 28. Februar 2009

Interpretationen

Ein grauer trüber nebliger Novembernachmittag. Fünf Leute, ein alter Mann, eine alte Frau, zwei junge Frauen und ein blasser junger Mann sind die einzigen Fahrgäste in einer Straßenbahn. Jeder sitzt für sich, der Schaffner malt scheinbar geistesabwesend Gesichter auf die beschlagenen Scheiben. Der alte Mann beginnt von Stimmen zu sprechen, die immerzu des Nachts zu hören sind und die ihn nicht schlafen lassen. (weiterlesen…)

Kurzes #12 – Morgendliche Begegnung

Freitag, den 27. Februar 2009

Der folgende Text ist ein kurzer Auszug aus dem sich zur Zeit noch mitten in der Bearbeitung befindenden Roman mit dem Arbeitstitel »Adalberts Erbe«. Ein weiterer Auszug ist bereits unter »Kurzes #7« zu finden.

Ein Gefühl von Kälte und Einsamkeit weckte ihn. Der Platz neben ihm war leer. Es dämmerte bereits. Der durch das halb geöffnete Fenster hereindringende Luftzug blähte die Gardine auf. Das Laub der Buchen rauschte vernehmlicher, der Wind hatte merklich aufgefrischt. Schließlich war für diesen Tag Regen angesagt. Die Stelle wo Zoë gelegen hatte war noch warm. Vermutlich war sie ins Bad gegangen. Für einen Augenblick erschrak er als er auf dem Stuhl auf dem sie ihre ausgezogenen Sachen ablegte, Rock und Bluse nicht mehr entdecken konnte. Sollte sie am Ende ohne Abschied gegangen sein. Dann aber machte sich tiefe Erleichterung in ihm breit; Strümpfe, Taillenkorstett, Höschen und Schuhe waren noch an ihrem Platz. (weiterlesen…)

Wolfgang Borchert »Dann gibt es nur eins!«

Dienstag, den 24. Februar 2009

Interpretationen

Dieser Beitrag ist, nach der kurzen Vorstellung von Wolfgang Borcherts Gesamtwerk – zu lesen hier – der Anfang einer kleiner Reihe in der in loser Folge bekannte und weniger bekannte Texte von Wolfgang Borchert kurz vorgestellt werden.

Wolfgang Borcherts leidenschaftliches und eindrucksvolles Plädoyer gegen den Krieg ist zweigeteilt. Es beginnt mit einer Reihe suggestiver Appelle, die sich zwar zuvorderst an bestimmte Berufs- und Bevölkerungsgruppen richtet, doch dadurch, daß jeder Appell nicht nur auf das Gewissen zielt, sondern jeweils mit den Personalpronomen DU beginnt, gefolgt von einem Punkt, kann der Leser gar nicht anders als sich ebenso persönlich angesprochen fühlen als spräche Borchert ihm mit seinem Namen an. (weiterlesen…)

Kurzes #11 – Der Stuhl

Montag, den 23. Februar 2009

Der folgende Text ist ein weiterer Auszug aus dem in kürze erscheinenden Buch »Nachhilfestunden«. Darin wird erzählt wie Rüdiger durch Zufall zu einem altersschwachen Stuhl kommt, der ihm aber gute Dienste bei der Lösung von Ullas Konzentrationsproblem leisten wird.

„Was macht dein Nachhilfeschüler“, fragte Rolf mehr mit beiläufigem Interesse, während er angestrengt im Küchenschrank kramte.
Er war ein ebenso passionierter Kaffeetrinker wie Rüdiger ein Teetrinker, weshalb er sich aus alter Freundschaft heraus und als guter Gastgeber gezwungen sah, Tee aufzugießen. Irgendwo mußte er noch welchen haben. Er hatte doch immer Tee im Haus. Man wußte ja nie, wer zu Besuch kam. Es wäre mehr als peinlich am bewußten Morgen danach auf die Frage: „Hast du auch Tee?“ antworten zu müssen: „Wie? Tee? Du trinkst Tee?“ Wie viele hoffnungsvolle Beziehungen hatten auf diese Weise schon ein jähes Ende genommen, bevor sie sich richtig entfalten konnten? (weiterlesen…)

Ein paar Gedanken über Realismus – in der Literatur

Sonntag, den 22. Februar 2009

Im Prinzip scheint es einfach; auf der einen Seite die reine Fiktion und sie muß gar nicht so offensichtlich daher kommen wie im Genre des Fantasy- oder SF-Romans. Auf der andere Seite die literarischen Texte die sich – scheinbar – mit der Realität auseinandersetzen. Wenn von irgendwelchen Wesen mit übersinnlichen Kräften erzählt wird, weiß jeder; hier läßt der Autor seiner Phantasie die Zügel schießen. Aber der Umkehrschluß muß nicht zwingend auf Realismus schließen lassen. (weiterlesen…)

Wolfgang Borchert »Das Gesamtwerk«

Samstag, den 21. Februar 2009

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Sicherlich werden sich viele aus dem Schulunterricht – je nach Generation – noch an die Kurzgeschichten »Nachts schlafen die Ratten doch«, »Stimmen sind da – in der Luft – in der Nacht« oder vielleicht auch an das Drama »Draußen vor der Tür« erinnern. Gehören doch die Texte von Wolfgang Borchert bereits seit einigen Jahrzehnten zum Standardkanon der Literatur nach 1945 im Deutschunterricht. Vermutlich werden die meisten sie eher als lästige Pflichtübung angesehen haben, weil es ihnen schwerfiel, sich in die Welt die Autor beschreibt hineinzuversetzen. Für Jugendliche, die in der Geborgenheit eines demokratischen Rechtsstaats aufgewachsen sind, muß die Lebenswirklichkeit mit der Wolfgang Borchert sich auseinanderzusetzen hatte, schier unglaublich erscheinen. (weiterlesen…)

Kurzes #10 – Überraschender Besuch

Samstag, den 21. Februar 2009

Marius und sein Freund, die ihn am Abend zuvor besucht hatten, waren erst in den frühen Morgenstunden gegangen. Als er sie zum Wagen begleitet hatte, zeigte sich im Osten bereits ein heller Streifen.
Unsinnigerweise war er zur selben Zeit wie gewöhnlich aufgestanden. Doch schon bald forderte die durchwachte Nacht ihren Tribut. Herzhaft gähnend hatte er nachgegeben und sich für ein Stündchen oder zwei aufs Sofa im Arbeitszimmer gelegt. Er war kaum in einen wohligen Halbschlummer hinübergeglitten, als es klingelte. Schlaftrunken sah er zum Telephon hinüber, glaubte im ersten Moment, das Klingeln sei von dort gekommen. Ein zweites, diesmal länger andauerndes Läuten belehrte ihn eines besseren. Träge und verschlafen stand er auf und ging nach unten. (weiterlesen…)

Karl Mays »Waldröschen« – mehr als nur ein Kolportageroman

Freitag, den 20. Februar 2009

Interpretationen

Von den südlichen Ausläufern der Pyrenäen her trabte ein Reiter auf die altberühmte Stadt Manresa zu. Er ritt ein ungewöhnlich starkes Maulthier, und dies hatte seinen guten Grund, denn er selbst war von hoher, mächtiger Gestalt, und wer nur einen einzigen Blick auf ihn warf, der sah sofort, daß dieser riesige Reitersmann eine ganz ungewöhnliche Körperkraft besitzen müßte. Und wie man die Erfahrung macht, daß gerade solche Kraftgestalten das frömmste und friedfertigste Gemüth besitzen, so lag auch auf dem offenen und vertrauenerweckenden Gesichte, und in den treuen, grauen Augen dieses Mannes ein Ausdruck, der keinen Glauben an den Mißbrauch so außerordentlicher Körperstärke aufkommen ließ.

Mit dieser Charakterisierung einer der Hauptpersonen, des Doktor Sternau, beginnt der erfolgreichste deutsche Kolportageroman des 19. Jhd. Erschienen in 109 Lieferungen auf 2612 Druckseiten vom 2.12.1882–16.08.1884. Übersetzt unter anderem ins Englische, Tschechische, Niederländische, Italienische, Slowenische und Polnische. (weiterlesen…)

Emmanuèle Bernheim »Die Andere«

Donnerstag, den 19. Februar 2009

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Der jungen Ärztin Claire wird die Handtasche gestohlen. Kurz darauf taucht ein Fremder in ihrer Praxis auf, der mit Sicherheit kein Patient. Doch entgegen ihrer ersten Annahme ist er nicht der Dieb sondern der ehrliche Finder. Bevor sie ihn zur Rede stellen kann, verschwindet er. Der Dieb hat nur das Geld und die Kreditkarte entwendet. (weiterlesen…)

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