Kategorie-Archiv »Literarisches«

Heinrich Böll »Im Tal der donnernden Hufe«

Interpretationen

Ein heißer Sommertag in einer Kleinstadt in der zweiten Hälfte der Fünfziger Jahre. Während fast alle die jährliche Regatta am Flußufer verfolgen, versucht der vierzehnjährige Paul mehr denn je mit der Pubertät fertig zu werden. Das stark katholisch geprägte Milieu in dem er aufwächst, läßt ihm keinen Spielraum, sondern zwingt ihn dazu, das aufflammende Begehren rigoros zu unterdrücken. ‚Sünde‘ ist das Damoklesschwert, das über ihm schwebt. Zeitweise scheint Paul dazu bereit, ebenso rigorose Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Daß er es nicht tut verdankt er schließlich Katharina Mirzow, ‚die Mirzowa‘, wie sie ihm Ort gerufen wird. Ein Mädchen in Pauls Alter. Katharina ist für die bigotten Einwohner die Bedrohung der Unschuld der Jugend schlechthin. Ist sie trotz ihrer Jugend körperlich doch bereits ganz Frau. An diesem Samstag wartet sie eingeschlossen in der Wohnung ihrer Mutter bis es Zeit für sie ist ihren Zug zu nehmen. Sie soll für einige Jahre zu ihrem Vater nach Wien reisen, damit sie die Dorfjugend nicht verführen kann. Die anderen Bewohner wollen es so. Paul klettert über den Balkon in ihre Wohnung. Die Begegnung mit dem Mädchen gibt ihm schließlich seelischen Halt.

 

Heinrich Böll beschreibt in dieser 1957 verfaßten Erzählung einfühlsam die seelischen Nöte, die ein junger Mensch während der Pubertät im bigotten katholischen Kleinstadt Milieu ausgesetzt war (ist?). Weil ihm keine Möglichkeit gegeben wurde (wird?) die eigene Sexualität gemeinsam mit einem gleichaltrigen Mädchen zu entdecken und erfahren. Statt dessen muß alles Körperliche geleugnet und unterdrückt werden, denn es ist ja Sünde. Doch in den jungen Leuten Paul und Katharina und ebenso Pauls Freund Griff entsteht die Bereitschaft, sich dem auf Dauer nicht zu beugen.

 

Heinrich Böll: Im Tal der donnernden Hufe »Bei Amazon

Stefan Zweig »Angst«

Interpretationen

Irene ist mit einem erfolgreichen, begüterten Juristen verheiratet, der ihr geistig überlegen ist und mit dem sie zwei Kinder hat. Als sie eines Tages von ihrem Liebhaber auf dem Weg nach Hause ist, wird sie von einer Frau abgefangen, die sich als Ex-Geliebte von Irenes Liebhaber ausgibt. (mehr …)

Ende gut. Gutes Ende?

In der Regel erwartet der Leser ein Ende das ihn zufrieden stellt. Die meisten würden spontan sagen, eines das eine Auflösung der aufgebauten Spannung bringt. Das klassische Happy End im weitesten Sinne wäre ohne diese Prämisse undenkbar. Bei einem Krimi soll der Täter am Ende überführt werden, Liebende sollen einander finden auch wenn sie sich zwischendurch schon so gut wie verloren hatten. Selbst ein negatives Ende für den Protagonisten ist ein solches, denn es löst ebenfalls die aufgestaute Spannung. So weit so gut – sollte man denken. (mehr …)

Warum man Texte veröffentlicht

Eine bestimmte Gruppe würde sagen, aus Eitelkeit. Aber das sind dieselben die in Blogs den Beginn vom Niedergangs des seriösen Journalismus‘ sehen und für die Autoren, die ihre Bücher in Eigenregie veröffentlichen, welche sind, die so uninteressant oder so schlecht sind, daß sie bei keinem Verlag alter Schule unterkommen konnten.

Miesen Journalismus hat es schon immer gegeben und das Gebaren gewisser Gazetten des Boulevard-Journalismus zu unterbieten dürfte allein deshalb für den durchschnittlichen Blogger nahe unmöglich sein (mehr …)

Von (scheinbaren) Tabubrüchen: Charlotte Roches »Feuchtgebiete«

Ich muß es zu geben, ich habe das Buch, das seit seiner Erscheinung wohl wie kaum ein zweites in der letzten Zeit die Medien – die Boulevardpresse wie das »seriöse«Feuilleton – beschäftigt, (noch) nicht gelesen. Deshalb hüte ich mich, ein Urteil über die literarischen Qualitäten zu fällen.

Nach den meist aufgeregten – besser aufgebauschten – Reaktionen, gewinnt man den Eindruck, daß die Autorin mitten hinein ins bürgerliche (Wespen-)Nest gestochen und Unaussprechliches zur Sprache gebracht hat. Doch was spricht sie wirklich an? Ein weiblicher Teenager liegt im Krankenhaus weil sie bei einer Intimrasur abgerutscht ist und äußert während ihrer Genesung offen und frei und in deutlicher Sprache ihre Gedanken über ihren Körper, ihre Sexualität. Also Dinge mit denen sich letztlich jeder jeden Tag beschäftigt. (mehr …)

Italo Calvino »Der geteilte Visconte«

Interpretationen

Vor dem Hintergrund der Türkenkriege spielt diese Parabel von Italo Calvino um »Gut« und »Böse«.

 

Der Visconte Medardo di Terralba, ein Musterbeispiel des Durchschnitts, nimmt an den Türkenkriegen aus Gefälligkeit für einen herzöglichen Nachbarn teil. Während eines Angriffs wird er von einer Kanonenkugel getroffen, die ihn in zwei Hälften spaltet. Durch die Künste der Lazarettärzte werden beide Hälften unabhängig voneinander wiederhergestellt. Doch nicht nur der Körper wurde geteilt sondern auch die Persönlichkeit. Wo früher die positiven und die negativen Eigenschaften in bestem Gleichgewicht in einem Körper ruhten, sind sie nun getrennt voneinander auf die beiden Körperhälften verteilt. (mehr …)

Literarisches im Fotokunst-Blog

»Was lange wehrt, wird gut«. Geplant war es schon länger und ab heute wird es verwirklicht. Schließlich muß der Untertitel meines Blogs »und mehr …« eindeutiger zu seinem Recht kommen als es bisher der Fall war. Neben der Photographie ist die Literatur mein zweites Standbein als Autor und als Leser. Beide Seiten werden in (vorläufig) fünf Rubriken zur Sprache kommen.

  • Unter »Betrachtungen« finden sich allgemeine und spezielle Gedanken rund um das Thema Literatur, das um den alten Briest zu zitieren ja »Ein weites Feld« ist.
  • Unter der Rubrik »Der besondere Tip« werde ich Bücher vorstellen, die mich auf irgendeine Weise beeindruckt haben, die es Wert sind wiederentdeckt zu werden, aber auch bei bereits Bekannten lassen sich immer wieder neue Aspekte entdecken.
  • Die Rubrik »Rezensionen« erklärt sich fast von selbst; Neuerscheinungen, weniger Neues, aber dafür nicht weniger Beachtenswertes, und manchmal auch Bücher, die man nicht unbedingt braucht.
  • In der Rubrik »Werkstatt« stelle ich eigene Texte, fertige und im Werden begriffene vor.
  • Unter der Rubrik »Kurze Geschichten« stelle ich Kurzgeschichten und Fragmente aus längeren Texten oder Textentwürfe vor.

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