Kurzes #109 – Der wilhelminische Erziehungsratgeber

Fortsetzung von: Nachhife tut Not

 

»Wir sehen uns dann Donnerstag.« Ulla reichte ihm zum Abschied die Hand.

Es war mehr eine vorsichtige Frage. Sie spürte, daß Rüdigers Geduld mit ihr langsam erschöpft zu sein schien, wenngleich er so kollegial war, es nicht offen zu zeigen. Sie wußte ja selbst, daß es ihr einfach nicht gelingen wollte, sich zu konzentrieren. Sie konnte nicht verhindern, daß ihre Gedanken ständig abschweiften. Es blieb kaum etwas von dem haften, was er ihr erklärte. Dabei war der Stoff eigentlich simpel.

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Kurzes #108 – Nachhilfe tut Not

»Was ist mit Ihnen los? Sie sind bereits zum zweiten Mal durch meine Prüfung gefallen. Erneut mit dem schlechtesten Ergebnis, was mir unbegreiflich ist. Ich frage doch lediglich Grundlagen ab. Es fällt Ihnen doch sonst leichter. Sie haben doch so gut wie alle Scheine beisammen. Wollen Sie das alles aufs Spiel setzen?«

Ulla senkte unter den väterlich strengen Worten ihres Baustoffkundeprofessors mehr als nur schuldbewußt den Blick. Er hatte mit allem recht und gerade das machte es so schlimm. Sie verstand es ja selbst nicht. Es ging wirklich nur ums bloße Auswendiglernen, was ihr noch nie schwergefallen war.

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Zitat des Tages #123

Marriage. Bei dem Stammbaum nicht zu vergessen, daß er bloß, durch die Weiber durchgeführt, Sicherheit gibt. Jedermann weiß, wer seine Mutter war, aber niemand weiß mit eben der Zuverlässigkeit, wer sein Vater gewesen ist.

Georg Christoph Lichtenberg (1.07.1742–24.02.1799)

Kurzes #107 – Die ›Aufforderung‹

Die Fortsetzung und das Ende von: Der Einzug, Die ›Schöne Künstlerin‹, Der schöne Jüngling, Bettina, Ein Wochenende mit Bettina, Begegnung im Mondschein, Die ›Schöne Üppige‹, Viviane, Erinnerungen an Swaantje, Eine Session mit Viviane, Ein sonntäglicher Regenspaziergang und Wieder allein

 

Der große Umschlag ohne Absender, nur mit seinem Namen in Druckbuchstaben, wenn auch in geschickter Typographie, erregte sofort seine Aufmerksamkeit. Nach dem Öffnen war er mehr als überrascht, als eine Rötelzeichnung zum Vorschein kam. Es war nicht die meisterliche Zeichnung an sich, die ihn so erstaunte, es war das, was sie zeigte; ihn am Fenster seines Arbeitszimmers stehend und hinaussehend. Er konnte den Grund nicht benennen, aber für einen kurzen Augenblick hatte er Maria als Absender im Verdacht. Doch noch im selben Moment verwarf er diese Vermutung als abwegig. Er kannte Marias Stil bestens. Ihre Strichführung war fast weich, doch nicht weniger ausdrucksstark. Diese Zeichnung war in einem ganz anderen gehalten; kraftvoll, sicher. Mit wenigen Strich hatte es der Künstler verstanden, das Wesentliche zu erfassen. Ganz abgesehen von der Signatur, ›JT‹, beide Buchstaben ineinanderverschlungen. Maria dagegen signierte mit einem einfachen nüchternen ›M‹ ohne jeden Schnörkel.

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Kurzes #106 – Wieder allein

Die Fortsetzung von: Der Einzug, Die ›Schöne Künstlerin‹, Der schöne Jüngling, Bettina, Ein Wochenende mit Bettina, Begegnung im Mondschein, Die ›Schöne Üppige‹, Viviane, Erinnerungen an Swaantje, Eine Session mit Viviane und Ein sonntäglicher Regenspaziergang

 

Nach einem überwiegend verregneten und für die Jahreszeit zu kühlen August, war im September nahezu ohne Übergang der Herbst mit Tagen gekommen, die dem August gut zu Gesicht gestanden hätten.

So wie Viviane von einem Tag auf den anderen bei ihm eingezogen war, so zog sie von einem auf den anderen aus.

Aus den angekündigten ein bis zwei Wochen wurden etwas mehr als drei Monate, die ihm kaum wie zwei Wochen erschienen, wobei er nicht einmal wußte, ob es wirklich solange gedauert hat, bis die, in seinen Augen ominöse ›Freundin‹ eine eigene Wohnung gefunden hat, oder, was ihm beinahe wahrscheinlicher schien, da er sie nur zu gut kannte, sie lange keine Lust verspürt hat, ihn wieder zu verlassen und in ihre leere Wohnung zurückzukehren. Fest stand, daß sie noch nie über einen derart langen Zeitraum bei ihm geblieben war.

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Kurzes #105 – Ein sonntäglicher Regenspaziergang

Die Fortsetzung von: Der Einzug, Die ›Schöne Künstlerin‹, Der schöne Jüngling, Bettina, Ein Wochenende mit Bettina, Begegnung im Mondschein, Die ›Schöne Üppige‹, Viviane, Erinnerungen an Swaantje und Eine Session mit Viviane

 

Am frühen Morgen erwachte er, ohne sogleich wieder einschlafen zu können. Er warf einen Blick neben sich. Viviane schlief tief und fest, halb auf der Seite, die Beine leicht angewinkelt, den rechten Arm auf seiner nackten Brust. Sie war das einzige, was in diesem Moment für ihn real war, abgesehen von diesem Zimmer. Ihr gemeinsamer Sex vom zurückliegenden Abend war sehr ausgiebig gewesen. Ihm schmerzten derzeit die Hoden mehr als sein Hintern. Ansonsten verlor sich alles im Nebel von Imagination. Er befand sich in einer merkwürdigen, beinahe elysischen Stimmung. Das Handtuch, auf dem er zur Schonung des Lakens lag, zierte einige blasse Blutflecke.

Draußen war es noch still. Es war der Augenblick vor der eigentlichen Morgendämmerung. Jeden Augenblick konnten die ersten Vögel mit ihrem Konzert beginnen. Zu keinem Zeitpunkt des Tages war es so still wie jetzt.

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Kurzes #104 – Eine Session mit Viviane

Die Fortsetzung von: Der Einzug, Die ›Schöne Künstlerin‹, Der schöne Jüngling, Bettina, Ein Wochenende mit Bettina, Begegnung im Mondschein, Die ›Schöne Üppige‹, Viviane und Erinnerungen an Swaantje

 

Es dämmerte bereits. Er saß noch im Arbeitszimmer. Bald zwei Monate lebte Viviane bereits bei ihm. Sie war noch nicht zurück. Sie hatte zwar gesagt, daß es später werden würde und er nicht mit dem Essen auf sie warten solle, da es ein beruflicher Empfang war – sie sagte nicht geschäftlich, sondern beruflich, eine Journalistin konnte ihrer Meinung nach keinen geschäftlichen Empfang haben. Dennoch gelang es ihm nicht mehr, sich so recht auf seine Arbeit konzentrieren. Es war dunkel im Zimmer. Er hatte noch kein Licht eingeschaltet. Einzig der Monitor seines Computers erhellte den Raum mit einem eigentümlich fluoreszierenden Licht, das zwar alle Gegenstände im Raum einigermaßen erkennen ließ, aber dem ganzen ein fast gespenstisches Aussehen gab. Ein leichter Nachtwind wehte, ließ das Laub der Bäume rascheln, blähte die Gardine gelegentlich auf, irgendwo schrie ein Vogel schlaftrunken auf.

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Kurzes #103 – Erinnerungen an Swaantje

Die Fortsetzung von: Der Einzug, Die ›Schöne Künstlerin‹, Der schöne Jüngling, Bettina, Ein Wochenende mit Bettina, Begegnung im Mondschein, Die ›Schöne Üppige‹ und Viviane

 

Mit Viviane kam eine angenehme Abwechslung in sein Heim, gelegentlichen Striemen auf dem Hintern, Kratzspuren auf der Haut und traumhafte Nächte mit einer an ihn gekuschelten schönen üppigen Frau, die bisweilen in ihrem Sexualtrieb unersättlich zu sein schien, was es für ihn umso reizvoller werden ließ, ganz davon abgesehen, daß diese scheinbare Unersättlichkeit ihm selbst auch nicht wesensfremd war, insbesondere bei ihr.

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